Siegener Finanzamt kassiert 1,18 Milliarden Euro
07.02.2012 | 17:59 Uhr 2012-02-07T17:59:00+0100
Siegen.Die Ertragssituation der heimischen Unternehmen hat sich deutlich gebessert. Das bilanziert das Finanzamt in Siegen mit Blick auf 2011. Das Umsatzsteueraufkommen ist zwar bedingt durch verstärkte Exporte eingebrochen, wirkt sich aber insgesamt nicht negativ aus. Wegen der elektronischen Datenerfassung der Versicherungen kommen die Steuerbescheide für 2011 erst Ende März. „Die Wirtschaft im Kreis ist auf einem stabilen Wachstumspfad“, zieht Dr. Günter Michel, Leitender Regierungsdirektor, ein Fazit. Die Investitionen und Exporte seien gestiegen und während der Krise hätten es die Firmen geschafft, Entlassungen abzuwehren.
Insgesamt hat das Finanzamt 1,18 Mrd. Euro im Jahr 2011 eingenommen, davon sind rund 41 Mio. Euro Kirchensteuer abzuziehen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 0,62 Prozent. Damit hat das Finanzamt Siegen das vierthöchste Aufkommen in der Oberfinanzdirektion (OFD) Münster. Am stärksten wirken sich im Kreis die Lohnsteuer (550 Mio Euro) und die Umsatzsteuer (269 Mio.) aus.
Das Lohnsteueraufkommen ist gegenüber 2010 um 7,84 Prozent gestiegen – bei einer relativ stabil bleibenden Arbeitnehmerzahl im Kreis ein Zeichen für ein höheres Lohnniveau. Kurzarbeit und Kürzungen von Sonderzuwendungen hatten in den letzten Jahren das Aufkommen gesenkt.
Die Umsatzsteuer ist 2011 um 21,97 Prozent gesunken. Das sei keine Auswirkung der Krise, so Michel, sondern ein Zeichen für positive Entwicklung der Wirtschaft. Denn die Vorsteueranmeldungen sind beträchtlich gestiegen – allerdings werde nun mehr exportiert, so dass es hier zu Steuereinnahmeverlusten kommt. Vor allem eine Firma im Bezirk sei ausschlaggebend dafür.
Die verbesserte Ertragslage der Region lasse sich auch an der gewinnorientieren Ertrags- wie der Körperschaftssteuer festmachen. Beide sind um rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Auch bei den Insolvenzen verzeichnet das Finanzamt im Bezirk eine leichte Entspannung – die Beamten waren 2011 an 106 Regelinsolvenzverfahren (Vorjahr: 114) beteiligt. Zu dem wurden 132 neue Verbraucherverfahren aufgenommen (Vorjahr:168).
Auf Grund der 2011 neu eingeführten elektronischen Lohnsteuerkarte hatte das Bürgerbüro des Finanzamtes rund 48 000 Kundenkontakte – über 18 000 kamen per Telefonhotline, um Daten abzugleichen oder ändern zu lassen. Das Bürgerbüro wird ab 2012 persönlich eingereichte Anträge nicht mehr sofort bearbeiten. Den Service könne man nicht mehr bieten, denn er verschaffe zu viele Vorteile.
Rückwirkend für 2011 wird die Arbeitnehmerpauschale von 920 Euro auf 1000 Euro erhöht. Ein Einzelnachweis der Werbungskosten in der Steuererklärung ist nicht mehr erforderlich.
Zur Berechnung der Entfernungspauschale müssen die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr für jeden Tag nachgewiesen werden, außer sie übersteigen den jährlichen Pauschalbetrag.
Bei Berechnung der Kinderbetreuungskosten gelten nicht mehr die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen der Eltern. Die Kosten werden als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt. Eine Vereinfachung gibt es beim Anspruch auf das Kindergeld bzw. Freibeträge bei Kindern von 18 bis 25 Jahren. Kinder werden während ihrer Erstausbildung unabhängig von ihrem Einkommen berücksichtigt.
Die Prozentgrenzen bei der verbilligten Wohnraumüberlassung sind vereinheitlicht worden. Liegt die Miete bei nicht weniger als 66 Prozent der ortsüblichen Miete, wird die Vermietung als vollentgeltlich angesehen.
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