Sekundarschulen sind greifbar nahe

Siegen..  Sollte das Ringen um die Teilschritte der Schulentwicklungsplanung für die Legislaturperiode exemplarisch sein: Dann stehen der Siegener Kommunalpolitik Jahre des Hauens und Stechens bevor. Der Rat votierte gestern zwar einstimmig für die „Neuordnung der Schullandschaft der weiterführenden Schulen unter Berücksichtigung der Schulform Sekundarschule“ für die Jahre 2015 bis 2020. Das war es aber auch schon in Sachen Einigkeit von Jamaika-Koalition und Opposition.

Genehmigung für Eingangsklassen

Der Beschluss stellt die Weichen, um in Siegen-Nord und Siegen-Mitte die Einrichtung von Sekundarschulen als Option zu planen. In beiden Gebieten würden die übrigen Schulen der Sekundarstufe I – also Haupt- und Realschulen – dann geschlossen. Beginn könnte 2016/17 sein. Die endgültige Entscheidung, ob eine Sekundarschule eingerichtet wird, steht laut Zeitplan im Februar 2016 an: Grundlage wären die Anmeldezahlen.

Die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP konnte mit ihrer Mehrheit noch den eigenen Antrag durchsetzen, die Errichtung einer Gesamtschule in Siegen-Nord (der dritten im Stadtgebiet) prüfen zu lassen. Und sie konnte im Nachhinein den Dringlichkeitsantrag aus dem Haupt- und Finanzausschuss absegnen, an der Realschule Am Häusling zum kommenden Schuljahr keine Eingangsklasse zu bilden. Außerdem teilte die für Schulen zuständige Beigeordnete, Babette Bammann, mit, dass sowohl für die Realschule Am Hengsberg als auch für das Gymnasium Auf der Morgenröthe die Genehmigung vorliegt, im Sommer je zwei Eingangsklassen zu schaffen, obwohl die Anmeldezahlen knapp unter den Mindestmarken liegen.

Beide Schulen sollen im kommenden Jahr am Standort Morgenröthe zusammengelegt werden. SPD und Linke können sich damit nicht anfreunden, scheiterten aber mit einem Gegenantrag schon im Hauptausschuss. „Eiserfeld funktioniert nicht“, sagte Joachim Pfeifer (SPD) bezogen auf das Schulzentrum. Dieses Jamaika-Projekt sei, wie die Anmeldungen zeigten, „als Flop abzusehen“ gewesen, argumentierte Angelika Flohren (SPD). Und, so die mehrfach geäußerte Vermutung der Opposition: Die Ablehnung, am Gymnasium Am Löhrtor angesichts der zuletzt abgewiesenen Schüler dort nicht vierzügig in der 5. Klasse zu werden, solle als eine Art „Transfusion“ die Morgenröthe am Leben halten.

Zu viel Raum – zu wenig Schüler

CDU-Fraktions-Chef Rüdiger Heupel wies das zurück: Die Vierzügigkeit im vergangenen Jahr sei eine „einmalige Ausnahme“ gewesen und nicht beliebig wiederholbar. Das gehe schon rein räumlich nicht, betonte Babette Bammann: „Sonst müssen wir dort irgendwann anbauen“ – und dabei habe die Stadt schon jetzt zu viel Schulgebäude für zu wenig Schüler.