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Schulen erteilen NPD klare Absage

25.03.2010 | 19:08 Uhr

Siegen. „Ganz schön baff” war Nur Helin Dogan, als sie Mitte der Woche einen Umschlag aus dem Briefkasten der SV des Löhrtor-Gymnasiums fischte.

Keine Chance der rechten Propaganda - wie hier im vergangenen Jahr in Netphen.

Die Schülersprecherin hatte Post bekommen – von der NPD, genauer gesagt, von ihrer Jugendorganisation, den „Jungen Nationaldemokraten”. Rund 3000 solcher Briefe haben die Rechtsextremen in den vergangenen Tagen an Schulen in NRW verschickt. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, macht sich ihr Vorsitzender Michael Schäfer große Sorgen um „die schleichende Islamisierung unseres Landes”, wie er es nennt. Er will Stadtteile ausgemacht haben, die man als Deutscher nicht mehr betreten dürfe und schwingt sich auf zum Sprecher der Schwachen, deren „Freiheit sich täglich Stück für Stück” verabschiede. Diskutieren will er mit den Schülervertretern über Zustände, die ihm „stinken”. Und er vergisst nicht, Politiker der demokratischen Parteien zu diffamieren. Zudem ruft er zum so genannten Ideenwettbewerb „Wir oder Scharia” auf, der die „Islamisierung unserer Schulen thematisieren” soll.

Keine Parteipolitik 

„Niemals machen wir da mit”, sagt Klaus-Peter Profus, Schülersprecher am Peter-Paul-Rubens-Gymnasium, „ganz im Gegenteil, die Ablehnung in der Schule ist groß.” Die Art und Weise, wie die NPD einen per Gesetz unpolitischen Raum missbrauche, sei ziemlich dreist. NRW-Schulministerin Barbara Sommer wies in einer E-Mail die Schulleiter explizit darauf hin, wie mit Parteipolitik in Schulen umzugehen ist, insbesondere im Vorfeld der Landtagswahl im Mai. Werbematerial politischer Parteien ist in Schulen verboten: „Schule darf nicht als Postverteilstelle für parteipolitische Werbung missbraucht werden.”

Brief in den Müll geworfen

Die NPD hat es aber nicht nur auf junge Wahlberechtigte abgesehen, sondern versucht auch, Einfluss zu nehmen auf Menschen, die noch nicht 18 Jahre alt sind. So landete das Schreiben ebenfalls bei Julia Morgunova. Die Schülersprecherin der Realschule am Oberen Schloss hat die Post allerdings gleich entsorgt: „Wir haben das Ding sofort in den Müll geworfen”, sagt sie. „Ich denke, das ist das Beste, was man mit dem Brief machen konnte.” Allerdings habe sie zuerst gedacht, das Ganze sei ein Scherz. Die Zehntklässlerin ist seit etwa einem Jahr Schülersprecherin. Das Schreiben sei ihr erster mehr oder weniger politischer Brief gewesen.

Ebenso wie ihre SV-Kollegen distanziert sich Nur Helin Dogan klar von der rechten Propaganda. Sie hält aber Ignorieren für das falsche Mittel, damit umzugehen. „Wir sind eine Schule mit Courage”, versichert sie und will die Agitation in der Schülervertretung diskutieren: Vielleicht wird das ein Thema der Projektwoche.

Jens Plaum

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