Schuldenberatung im Stadtteilbüro

Beratung an neuem Standort: Daniel Imhäuser (Diakonie),  Beraterinnen Tanja Kraus und Manuela Kunert-Yildirim, Stadträtin Edelgard Blümel, Thomas Griffig (Caritas, von links).
Beratung an neuem Standort: Daniel Imhäuser (Diakonie), Beraterinnen Tanja Kraus und Manuela Kunert-Yildirim, Stadträtin Edelgard Blümel, Thomas Griffig (Caritas, von links).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
143 Kreuztaler haben voriges Jahr bei der kommunalen Schuldenberatung in Kreuztal Rat gesucht. Bertung ist nun ins Stadtteilbüro umgezogen.

Kreuztal..  Wer durch diese Tür geht, gibt sich längst nicht öffentlich als jemand zu erkennen, dem die Schulden über den Kopf gewachsen sind: Der Schuldnerberatung gelingt mit ihrem Umzug ins Stadttelbüro das, was Sozialarbeiter ein „niedrigschwelliges“ Angebot nennen. 14 Jahre nach der Eröffnung im Bonhoefferhaus und Stationen im Stollenhaus an der Marburger Straße und zuletzt in Räumen der Stiftung Diakoniestation ist die Einrichtung auf den Berg und in die Erlersiedlung zurück gekehrt.

Immer öfter junge Klienten

Hier treffen die Klienten auf „ein gut ausgebautes Netzwerk“, stellt Stadträtin Edelgard Blümel fest, das zudem auch mit dem Bus „aus allen Stadtteilen gut zu erreichen“ sei. „Wir finden das prima“, sagt Thomas Griffig, Vorstandschef der Caritas, die das Angebot in Kreuztal gemeinsam mit den Diakonie-Sozialdiensten betreibt. Kreuztal ist neben Siegen einziger Standort einer kommunalen Schuldenberatung im Kreis. Dass sie mit dem Umzug aus der Not eine Tugend gemacht haben, verschweigt Daniel Imhäuser, Geschäftsführer der Diakonie-Sozialdienste, nicht: Ein Umzug stand wegen bevorstehender Umbauarbeiten sowieso an — und in den Räumen der Stadt, die das Angebot jährlich mit 15 000 Euro finanziert, werden Mietkosten gespart.

„Schulden machen nicht nur bestimmte Schichten“, betont Diakonie-Beraterin Manuela Kunert-Yildirim. Dass das Unterstützungsangebot oben in der Siedlung richtig platziert ist, macht Tanja Kraus (Caritas) allein schon an der Bevölkerungszahl deutlich: „Die von zwei oder drei Dörfern.“ 143 Kreuztaler haben voriges Jahr bei den beiden Schuldnerberaterinnen Hilfe gesucht. „Stagnation auf hohem Niveau“ : So beschreibt Tanja Kraus die Entwicklung der Nachfrage, „aber die Fälle werden komplexer.“ Die Zahl der Gläubiger je Klient habe sich mehr als verdoppelt, 25 Prozent von ihnen stehen bei mehr als 15 Adressen in der Kreide. Begleitet werden die Ratsuchenden manchmal über fünf Monate, manchmal aber auch fünf Jahre. So lange es eben braucht, sagt Manuela Kunert-Yildirim: „Unser Hauptziel ist Nachhaltigkeit. Damit nicht wieder neue Schulden entstehen.“

„Alarmierend“ nennt Daniel Imhäuser den wachsenden Anteil jüngerer Ratsuchender. Es ist anscheinend einfacher geworden, per Mausklick in die Schuldenfalle zu tappen. Und leichter, Hilfe zu suchen. „Je jünger, desto offener gehen die damit um“, berichtet Tanja Kraus, „für die ist das nicht mehr peinlich.“

Nicht nur Arbeitslosigkeit führt ins Desaster. „Viele haben es nicht mehr gelernt, mit Geld zu wirtschaften“, sagt Manuela Kunert-Yildirim. Und manche lernen es nie. Aus manchen Familien begrüßen die Kreuztaler Beraterinnen bereits die zweite Generation.

- Montags von 14 bis 17 Uhr berät Manuela Kunert-Yildirim (Diakonie Sozialdienste). Kontakt und Terminvereinbarung: 0271/5003-230.
- Mittwochs
von 14 bis 16 Uhr berät Tanja Kraus (Caritas): 0271/23 60 219.