Schöner wohnen in einem Bunker in Siegen

Aus einem Luftschutzbunker in Siegen entstehen Wohnungen und Büros.
Aus einem Luftschutzbunker in Siegen entstehen Wohnungen und Büros.
Foto: Agentur Modulbüro
Was wir bereits wissen
Aus einem alten Luftschutzbunker in Siegen werden Wohnungen. Sonnig und ruhig wohnen die neuen Eigentümer – die Außenwände sind 1,10 Meter dick. Das Architektenbüro von Thorsten Wagener und Maik Pluschke erfüllt sich mit dem Design-Projekt einen Traum.

Siegen.. Lage, Lage, Lage. Die drei wichtigsten Faktoren für Immobilienmakler. Ein düsterer enger Bunker? Vergiss es. Aber von wegen: An der Siegbergstraße entsteht im ersten von Siegens über 20 Hochbunkern ein Wohnhaus. Bauhaus-Ambiente á la Weißenhofsiedlung statt Betonhöhlencharme. Ein Trend, der in Großstädten schon länger zu beobachten ist, kommt damit nach Siegen.

Der Traum vom eigenen Bunker

In der Architektur- und Designagentur „Modulbüro“ von Thorsten Wagener und Maik Pluschke gab es schon länger den Traum vom eigenen Bunker. Die Weltkriegsrelikte werden in Deutschland hauptsächlich von der Bundesagentur für Immobilienangelegenheiten verwaltet und gegebenenfalls auch verkauft. Als der Oberstadtbunker vor zwei Jahren zum Verkauf stand, schlugen sie zu. Jetzt entstehen zwei Büroeinheiten und acht teils barrierefreie Eigentumswohnungen. Drei sind bereits vergeben, zwei weitere reserviert.

Eine Hürde sind die Baumaßnahmen an sich: Zwar hat der 1941/42 errichtete Bunker der ersten Generation mit 110 Zentimetern vergleichsweise dünne Wände – aber mal eben kurz sind da keine Fenster herausgebrochen. Die Lösung: Eine Drahtseilsäge. In den vier Ecken werden Löcher gebohrt, ein diamantbesetztes Drahtseil hindurchgeführt und gespannt. Ein Motor bringt die Bandsäge auf Touren und das Seil frisst sich durch den Beton. Auf einer Gleitflüssigkeit glischt der Quader aus der Öffnung – voilà: Eine 1,10 Meter tiefe, quadratmetergroße Fensternische. Die Innenwände eines Bunkers unterscheiden sich kaum von einem normalen Rohbau.

Drahtseilsäge mit Diamanten

Der Turm und die runden Teile hatten ursprünglich nur Tarnfunktion: Um alliierten Bombern kein Ziel zu bieten, waren die Bunker optisch so angelegt, dass sie von oben wie historische Gebäude aussahen. Jetzt kommt es der Immobilie zugute: Ein Turmzimmer hat noch keinen Wert gemindert. Auf der Sonnenseite soll so viel Licht wie möglich ins Gebäude fallen. „Aus allen Etagen hat man eine hervorragende Sicht auf das ganze Siegtal“, schwärmt Maik Pluschke. Unterhalb beginnt der Stadtwald – im Sommer eine natürliche Kühlung.