Schleichverkehr ist nur ein kleines Problem

Hier zweigt die Bismarckstraßevon der Siegstraße ab. Der Schleichweg führt weiter über die Feldwasserstraße. Die direkte Abkürzung ist verboten.Foto:Steffen Schwab
Hier zweigt die Bismarckstraßevon der Siegstraße ab. Der Schleichweg führt weiter über die Feldwasserstraße. Die direkte Abkürzung ist verboten.Foto:Steffen Schwab
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Netphen..  Die Analyse, die Prof. Dr. Jürgen Steinbrecher dem Stadtentwicklungsausschuss präsentiert, fordert nicht zu gravierenden Maßnahmen heraus: Die Geschwindigkeitsbeschränkungen in dem Wohnviertel zwischen Sieg und Siegstraße werden nur geringfügig überschritten. Den Schleichverkehr, der über die Feldwasserstraße den Stau auf der B 62 umgeht, gibt es — er macht etwa 20 bis 30 Prozent des gesamten Verkehrs von 300 Fahrzeugen aus, die in Spitzenstunden gezählt werden. Und Unfälle? Neun in den letzten drei Jahren, davon allein fünf in der Torstraße beim Ein- und Ausparken im Umfeld des Geldautomaten der Volksbank. Das sei, was die Bilanz angeht, „völlig unauffällig“, sagt der Verkehrswissenschaftler des Departements Bauingenieurwesen an der Siegener Uni.

Bismarckstraße bleibt gesperrt

„Ich hatte mehr erwartet“, sagte Annette Scholl (SPD). Ganz schnell kam die Diskussion zu dem Punkt, der eigentlich gar nicht im Zentrum stehen sollte: ob denn nicht auch die Bismarckstraße, durch die niemand durchfahren darf, geöffnet werden könne. „Das Problem haben wir doch in der Siegstraße“, sagte Manfred Heinz (SPD) und brachte die „Bypässe“ ins Gespräch. Als solcher dient die Feldwasserstraße, und dieselbe Funktion könnte die parallel verlaufende Bismarckstraße übernehmen. Dass beide Straßen so unterschiedlich behandelt würden, „habe ich noch nie verstanden“, sagte Rüdiger Bradtka (CDU).

Dr. Steinbrecher warnte: „Dann fahren alle durch die Bismarckstraße.“ Denn die sei die kürzeste Verbindung am Ortskern vorbei. Schon bei über 300 statt jetzt 51 Fahrzeugen, die in den drei Spitzenstunden am Morgen durch die Seitenstraßen Richtung Weidenau durchfahren, „brauchen Sie an den Einmündungen Ampeln.“ Der Verkehr auf der Siegstraße wäre dennoch nur minimal entlastet — um wenig mehr als ein Prozent.

Nach und nach kamen die Erinnerungen an das Jahr 1985 zurück: Damals hatte die Gemeinde Netphen sich die „Wohnumfeldverbesserung“ in der Bismarckstraße durch den Einbau von — klapperndem — Pflaster vom Land mit 500 000 Mark versilbern lassen. Die Anwohner zahlten ihren Beitrag gegen die Zusicherung, vom Durchgangsverkehr verschont zu bleiben. „Das gilt bis zu einem Neubau“, sagte Bau-Fachbereichsleiter Erwin Rahrbach. Und der sei noch lange nicht fällig. „Wir haben viele Straßen, die in deutlich schlechterem Zustand sind.“ Kein Wunder, fand Klaus-Peter Wilhelm (UWG): „Wo nichts fährt, kann auch nichts kaputt gehen.“ Das Ergebnis: Aus der „Spielstraße“ (Tempo 7) wird eine Tempo-30-Zone. Das Durchfahrtverbot bleibt.