Schlechte Aussichten für Arbeiter

Schmiedetechnik Hammerwerk Vorländer
Schmiedetechnik Hammerwerk Vorländer
Foto: WP

Allenbach..  Die Nachricht vom Aus für das Hammerwerk Vorlaender bewegt die Hilchenbacher. „Jetzt geht wohl endgültig eine Ära zu Ende“, heißt es in einem Facebook-Kommentar. „So lange hätte ich denen damals gar nicht gegeben“, antwortet jemand, der auf das Frühjahr 1997 anspielt, als die damaligen Eigentümer Konkurs anmeldeten.

FDP-Stadtverordneter Christoph Rothenberg macht die lange Liste der Verluste auf: Lederwerke, Filzfabrik, Rockhi, Ahlborn, Klose, Sieper, die Schraubenfabrik Ziel direkt nebenan — „Menschen siedeln da, wo sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Wer wundert sich da noch über die ‘demografische Entwicklung’?“ „Wer ist immer noch gegen die Route 57?“, fragt der frühere SPD-Stadtverordnete Gerhard Lattek.

Altlast wird „Riesenproblem“

Die Verkehrsferne war es allerdings nicht, die die italienische Metalcam dazu veranlasst hat, ihren 1997 erworbenen deutschen Standort aufzugeben. Andree Jorgella, Sekretär der IG Metall in Siegen, spricht eher von einer „gewissen Schieflage in der Branche“ allgemein und speziell von aufgelaufenen Verlusten und unterlassenen Investitionen. „Da hätte schon vor Jahren etwas gemacht werden müssen.“ Nachvollziehbar sei die Entscheidung der Gesellschafter, den Betrieb zum 30. September zu schließen — was den Gewerkschaftssekretär aber nicht von der Kritik an den sozialen Rahmenbedingungen abbringt.

Der so genannte „Interessenausgleich“ beschränke sich auf ein Volumen, das den während der Kündigungsfristen zu zahlenden Löhnen entspreche. Andree Jorgella bedauert, dass die Betriebsräte sich damit — gegen den Rat der Gewerkschaft — abgefunden hätten. Eine Vereinbarung über eine Transfergesellschaft wäre „viel wichtiger“ gewesen. Unter den 43 Betroffenen seien eine Reihe älterer Arbeiter, die Qualifizierungsbedarf hätten. Gerade für die, denen formelle Ausbildungsabschlüsse fehlten, seien „die Beschäftigungschancen sehr schlecht“.

„Jetzt ist die Frage, was aus dem Gelände wird“, schreibt jemand bei Facebook. „Abreißen und sanieren wird teuer“, antwortet ein anderer. Eine Vermutung, die Klaus Stötzel bestätigt. „Das wird ein Riesenproblem“, sagt der stellvertretende Bürgermeister, der 35 Jahre lang bis 1997 beim Hammerwerk arbeitete. Zu erwarten sei allein aufgrund der verwendeten Kühlemulsionen an der Bohrbank und in der Dreherei eine massive Bodenbelastung. „Dagegen waren die Lederwerke ein Kinderspiel.“

Der Mann, der Metalcam geholt hat

Beim Hammerwerk-Konkurs von 1997 kam mit den Erwerber Metalcam ein Konkurrent der Allenbacher Schmiede zum Zuge Der damalige Einkaufs-Chef Klaus Stötzel bahnte den Kontakt an: „Ich kannte deren Deutschland-Vertreter.“

Ausgezahlt hat sich das Engagement für Stötzel nicht. Der neue Eigentümer setzte ihn vor die Tür, die gerichtliche Aus­einandersetzung endete mit einem Vergleich, bevor das Landesarbeitsgericht entscheiden konnte.

Grundproblem der Allenbacher, so Stötzel, sei die Abhängigkeit von Lieferanten gewesen. „Wir mussten unser Vormaterial kaufen.“ Da waren Mitbewerber mit eigenen Stahlwerken und Gießereien im Vorteil.