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"Schimmer" aus Licht und Farbe

19.10.2009 | 18:12 Uhr
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„Schimmern ist Licht, das auf etwas fällt. Es kann Landschaft sein, die schimmert, es kann auch Luft sein, die vibriert. Es ist indirektes, gebrochenes Licht.”

So wird die Künstlerin Vera Hilger in dem Katalog zitiert, der zu ihrer Ausstellung mit dem Titel „Schimmer” im Haus Oranienstraße erschienen ist. Die Aufmerksamkeit des Besuchers dürfte zunächst von den großformatigen Gemälden an den Wänden in den Räumen und Fluren beider Etagen in Anspruch genommen werden. Das sind Arbeiten mit Öl und Tempera auf Leinwand, Rechtecke, um die vier Quadratmeter groß – alle ohne Einzeltitel, alle dem Obertitel „Schimmer” zugeordnet.

Schichtweise entsteht Tiefe

 „Vera Hilger arbeitet ohne ein vorher festgelegtes Konzept", erklärte Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe in ihrer Einführung. Wie bei einem Kristall liege Schicht für Schicht übereinander und lasse dadurch Tiefe entstehen. Symbolik und Metaphysik völlig auszuschalten und Farben nur als Farbe zu sehen und zu denken, sei in der Kunst noch relativ neu.

 Der Betrachter solle das Bild in seinen einzelnen Eindrücken erfassen und es wie einen Text dechiffrieren; er solle in seine Struktur eindringen und einfach den Wegen folgen, die im Kunstwerk selbst „eingerichtet” seien.

 Mit einer solchermaßen angestoßenen Individualisierung des Wahrnehmungs- und Deutungsprozesses dürfte aber kaum völlige Unverbindlichkeit subjektiver Interpretation gemeint sein, sondern die Aufforderung, die eigene daraus resultierende Vorstellungswelt jeweils am Geist und - wenn man das so sagen darf - auch am Buchstaben der bildnerischen Vorlage zu überprüfen. So könnte man Blanchebarbes Formulierung verstehen, dass „das Bild in allem, worauf es anspielt, stets auf sich selbst zurück weist”.

 Es sind in der Ausstellung aber auch kleinere Arbeiten von Vera Hilger zu sehen, Mischtechnik auf Papier, Rechtecke in Formaten von circa 20 cm Seitenlänge. Einige von ihnen zeigen schärfer umrissene Figurationen. Doch auch hier dominiert der Verzicht auf jegliche Art von Abbildung.

„Erfahrungen, die jeder teilen kann”

 Im Gespräch mit Markus Baldegger (Katalog) verwahrt sich Hilger gegen die Vermutung, es sei etwas Persönliches, das in ihren Bildern nach Ausdruck suche: „Nein, ich meine Erfahrungen, die jeder teilen kann.” Die Ausstellung, zu der Traute Fries die Besucher für den Kulturausschuss und im Namen der Stadt begrüßte, ist bis 22. November zu sehen.

Knut Lohmann

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