"Schatzinsel"-Premiere in Freudenberg - Ein Stück für Kinder

Auf der Insel trifft Jim fröhliche Papageien: In der Freudenberger Version werden — kindgerecht — die gewalttätigen Passagen von Stevensons Original-"Schatzinsel" entschärft.
Auf der Insel trifft Jim fröhliche Papageien: In der Freudenberger Version werden — kindgerecht — die gewalttätigen Passagen von Stevensons Original-"Schatzinsel" entschärft.
Foto: Michael Kunz
Was wir bereits wissen
In Freudenberg – für die nächsten Monate die geographische Heimat der „Schatzinsel“ – weht bei der Premiere des Stücks eine frische Brise über die Freilichtbühne.

Freudenberg.. „Ist das heiß hier“, stöhnt einer der Piraten bei der Schatzsuche. Das sorgt für leises Gelächter im Publikum. Denn in Freudenberg – zumindest für die nächsten Monate die geographische Heimat der „Schatzinsel“ – erinnern die Temperaturen an diesem Abend eher an eine Arktis-Expedition.

Jugendmusikschule spielt auf

Wie immer mussten die Premierengäste Geduld mitbringen. Bevor die Ereignisse im legendären Gasthof „Admiral Benbow“ der Witwe Hawkins ihren Anfang nahmen, gab es noch einen kleinen Einblick in eine Neubearbeitung der „Nibelungen“, die am 13. Juni von der Gesamtschule Freudenberg präsentiert wird. Danach spielte ein Ensemble der Jugendmusikschule unter anderem das bekannte Thema aus den „Pirates Of The Caribbean“, bevor Schirmherr Eckhard Günther seine letzte Einführungsrede als Bürgermeister hielt.

Freilichtbühne Dann endlich konnte Daniel Ermert als „Premieren-John Silver“ seinen intellektuell etwas beschränkten Kameraden und den Zuschauern versichern, dass „wir die echten Piraten der Karibik sind“ und Typen wie Käpt’n Hook, Käpt’n Iglo oder Jack Sparrow doch nur Witzfiguren seien, „das sind doch Geschichten für Kinder“.

Dabei ist Robert Louis Stevensons „Schatzinsel“ in der Bearbeitung von Jens Benner natürlich eine Geschichte für Kinder und ist deshalb vor allem von Gewaltszenen weitgehend freigehalten worden. Wenn am Anfang der Geschichte der Ex-Pirat Bones als Gast im „Admiral Benbow“ von seinen alten Kameraden aufgespürt und mit dem Todeszeichen versehen wird, fällt er nicht tot um, sondern taucht einfach unter. Vorher kann Stephan Bäumer brillieren, herrlich den Song von den 15 Männern auf des toten Mannes Kiste grölen und seine Leber in Rum baden.

Weniger Leichen und kaum Pyrotechnnik

Auch später geht es friedlich zu, die vielen Leichen sind gestrichen, zwei werden eher humorig ins Jenseits katapultiert. Die Pyrotechnik ist sehr zurückgenommen. Ansonsten hat sich Jens Benner eng an die bekannte Geschichte gehalten, die 1881/82 erstmals in einem englischen Kindermagazin abgedruckt wurde. Es gibt das Zusammentreffen von Jim mit dem blinden Pew oder das Lauschen in, hier neben der Apfeltonne. Wobei Jim Hawkins (Sebastian Burk) noch eine etwa gleichaltrige Freundin bekommt, Abigail Trelawney (Alicia Benner), die Tochter der Baronin gleichen Namens.

Dümmliche Piraten und spannende Effekte auf der "Hispaniola"

Die ist im Original ein Mann und wechselt das Geschlecht, weil die Freudenberger wie viele Bühnen einen Frauenüberschuss haben. Andrea Geldsetzer darf sie als fechtende Draufgängerin spielen, ein bisschen wie Karl Mays Lord Castlepool, „ach, ein herrliches Abenteuer!“. Für die „Veteranin“ von mehr als 40 Bühnenjahren, dabei ist sie noch nicht einmal 50, ist die Rolle „eine der größten Herausforderungen meiner Laufbahn gewesen“, lacht sie. Denn: Sie musste nicht nur das Fechten lernen, sondern auch noch mit rechts kämpfen, „obwohl ich Linkshänderin bin. Aus Rücksicht auf die Kollegen.“ Das ist ihr bestens gelungen.

Ein Gewinn ist die bekannte Erzählerstimme von Helmut Krauss, der schon für die Karl-May-Bühnen in Bad Segeberg und Burgrieden arbeitete, vielen aus „Löwenzahn“ bekannt ist und durch die Ausstellung im Technikmuseum den Kontakt zur Bühne fand.

Theater Die dümmlichen Piraten sind für manche Lacher gut, wobei Jens Benner einiges an Wortwitz eingearbeitet hat, das jungen Zuschauern eher unverständlich bleiben dürfte, das Stück aber für die „Großen“ zum Vergnügen auf einer zusätzlichen Ebene macht. Spannend ist es auch, wenn die „Hispaniola“ mit gelungenen Effekten zur Schatzinsel segelt, wo Indianer und der Schiffbrüchige Ben Gunn (Rainer Zang in Hochform) warten, der sich nichts mehr als Käse wünscht und mit dem Schatz ganz eigene Pläne hat.

Schatzinsel wird immer sonntags aufgeführt

Die Spielzeit im Erwachsenentheater beginnt am Samstag, 6. Juni, 20 Uhr mit der Premiere der „Pension Schöller“. Die Vorstellungen finden bis einschließlich 11. Juli samstags um 20 Uhr statt. Die „Schatzinsel“ gibt es bis zur Sommerpause immer sonntags um 15 Uhr.