Schäfer Küthe hat keine Angst vorm bösen Wolf im Siegerland

Ein Schäfer und seine Herde.  Armin Küthe hat in seinem Betrieb alle Hände voll zu tun.
Ein Schäfer und seine Herde. Armin Küthe hat in seinem Betrieb alle Hände voll zu tun.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Schäfer Armin Küthe hat keine Angst vorm bösen Wolf. Das unter Artenschutz stehende Tier streift seit Februar durch die Wälder im Siegerland. Küthe aber bleibt entspannt. Sein Überlebensmodell für den Biohof lautet Landschaftsschutz und Direktvermarktung.

Siegen.. Und jetzt auch noch der Wolf. Als ob die Schäfer nicht genug Probleme hätten, wird im Siegerland ein Exemplar jener Spezies gesichtet, die von Alters her als Schrecken der Tierhalter gilt. Doch Armin Küthe sieht das eher gelassen: „Als Schäfer wünscht man sich den Wolf nicht. Aber wir können ihn nicht verhindern. Er steht unter Artenschutz, ist gesellschaftlich erwünscht. Wir sollten nicht in Hysterie verfallen.“

Manche Kollegen sehen das anders. Er hat empörte Anrufe bekommen. Er weiß dass es provokativ ist, wenn er darauf hinweist, dass Wölfe nützlich wären, um das überzählige Schwarzwild einzudämmen. Doch dem Schäfer aus dem Siegerland ist klar: „Wir müssen reagieren.“

Wenn es tatsächlich zu Wolfsrissen kommt, gibt es ein Notfallset mit erhöhten Zäunen und Flatterband. Herdenschutzhunde, wie sie in Brandenburg eingesetzt werden, sind eine Möglichkeit. Und die Schäfer müssen wissen, welche Formalien sie einhalten müssen, um Entschädigung zu bekommen. Aber auf absehbare Zeit sieht Küthe Hundeangriffe auf Schafe als das größere Problem.

Zeit der Wanderschäfer ist vorbei

Klar ist jedoch: Einfacher wird es künftig nicht. Und die Schäfer haben seit langem mit vielen Problemen zu kämpfen. Wolle ist so gut wie nichts mehr wert. Die Fleischpreise sind heute nicht höher als vor 30 Jahren. Vielen Kollegen, deren Schafe kein eigenes Land beweiden, hat die Umstellung der EU-Prämien von der Tierzahl auf die Fläche geschadet. Und es gibt die Konkurrenz der Biogasanlagen. „Das Wanderschäfer-Modell funktioniert nicht mehr“, sagt Küthe.

Sein Konzept in Siegen-Meiswinkel ist ein anderes. Seit 2008 pflegen seine 400 Merino-und Schwarzkopfschafe sowie 20 Ziegen das Naturschutzgebiet Trupbacher Heide. Dafür gibt es Geld, während der Landschaftsschutz, den die Schäfer leisten, sonst nicht angemessen honoriert wird. Zweites Standbein seit Sommer 2013 ist eine eigene Käserei, dafür wurden 85 Milchschafe der französischen Rasse Lacaune angeschafft.

Seit drei Jahren großzügiger Stall

Direktvermarktung über den Hofladen und Händler sichert bessere Preise auch beim Fleisch. Seit drei Jahren gibt es einen großzügigen Stall, in dem die Mutterschafe und Lämmer von Mitte Januar bis Mitte April stehen. Ganz neu ist das eigene Schlachthaus, das noch auf seine EU-Zertifizierung wartet. Das waren große Investitionen beim Umstieg vom Nebenerwerb mit 120 Fleischschafen zum Haupterwerb.

Tag der offenen Tür Armin Küthe ist optimistisch, denn er glaubt an sein Projekt, an nachhaltige Landwirtschaft, Bio-Kriterien und den Wert der Schafe: „Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff, der sich für viele Zwecke eignet.“ Für die Zukunft wünscht er sich allerdings, dass die gesellschaftliche Leistung der Schäfer für die Landschaft und die Biodiversität auch finanziell belohnt wird: „Dann gibt es auch für junge Leute wieder einen Anreiz, mit Schafen zu arbeiten.“

Der Hofladen Küthe mit Käse, Quark und Joghurt, mit Fleisch und Wurstspezialitäten ist dienstags (18-20 Uhr), freitags (14-18 Uhr) und samstags (9-14 Uhr) geöffnet. Mühlchenstr. 7, 57078 Siegen-Meiswinkel, Telefon: 02732-26266.