Ruhr-Sieg-Strecke soll Schwerlastverkehr auf A45 entlasten

Der Bahnhof von Siegen-Geisweid ist für 2,3 Millionen Euro saniert worden. Die Bahn plant weitere Investionen in Südwestfalen.
Der Bahnhof von Siegen-Geisweid ist für 2,3 Millionen Euro saniert worden. Die Bahn plant weitere Investionen in Südwestfalen.
Foto: Siemon
Was wir bereits wissen
Weil mit dem Ausbau der holländischen Nordseehäfen künftig noch mehr Güterverkehr durch NRW nach Süden rollen wird, denkt die Bahn über hohe Investitionen in Südwestfalen nach. Sie sollen zur Entlastung des Schwerlastverkehrs auf der A45 beitragen. Pläne über den Ausbau der Ruhr-Sieg-Strecke der Bahn werden diskutiert.

Hagen/Siegen.. Angesichts der noch über Jahre andauernden Probleme des Schwerlastverkehrs auf der maroden und überlasteten A45 rückt der Ausbau der Ruhr-Sieg-Strecke der Bahn immer mehr in den Blickpunkt der südwestfälischen Wirtschaft. Hintergrund: Mit dem Ausbau vor allem der holländischen Nordseehäfen wie Amsterdam und Rotterdam wird künftig noch mehr Güterverkehr durch NRW nach Süddeutschland rollen.

Dabei spielen nach den Worten von Franz-Josef Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, auch Überlegungen der Bahn eine Rolle, zwischen den Hauptverbindungen durch das Rheintal und entlang der Autobahn 7 von Hamburg nach München die Strecke von Hagen über Siegen nach Frankfurt als Teil einer Nord-Süd-Magistrale auszubauen, um vor allem das Rheintal vom Güterverkehr zu entlasten. „Wir machen uns stark dafür“, sagte Mockenhaupt der WAZ-Mediengruppe. „Das würde der Region helfen.“ Insbesondere, wenn Sanierung und Ausbau der A45 womöglich noch jahrzehntelang zu Behinderungen und Staus im Straßengüterverkehr führen.

Wenn die Verkehrsprognosen nur zur Hälfte zutreffen, müssen wir die Bahn stärker in unsere Überlegungen einbeziehen, „wir brauchen sie als Ausweichstrecke“, warnte der Hauptgeschäftsführer. In ihrem heutigen Zustand sei die Bahn wegen ihrer geringen Flexibilität keine Alternative für die Unternehmen in der Region. Mit einer Hochstufung erzeuge man aber „nicht mehr nur regionales, sondern überregionales Interesse“, als Bestandteil eines transeuropäischen Verkehrsnetzes.

Auch Verkehrsverband Westfalen hat Ausbau auf Agenda

Auch der für den gesamten Regierungsbezirk Arnsberg zuständige Verkehrsverband Westfalen mit Sitz in Dortmund hat den Ausbau der Ruhr-Sieg-Strecke der Bahn auf seiner Agenda. Aber der wird teuer, wenn die Strecke zweigleisig bleiben soll. „Um moderne See-Container oder auch große Maschinen transportieren zu können, ist eine Aufweitung aller Tunnelprofile notwendig“, erklärt Verbands-Geschäftsführer Stefan Schreiber. „Trassen müssen tiefer gelegt, Bahnübergänge auf den Stand der Technik gebracht, vorhandene Steilstrecken abgeflacht werden.“ Und dann ist natürlich der Lärmschutz zu beachten.

Auf gute Verkehrswege in Südwesfalen angewiesen

Eine Investition in den Lärmschutz täte Südwestfalen aus Sicht der Verbände gut. Mockenhaupt wünscht sich seit langem „mehr Aufmerksamkeit“ für eine Region, die „wegen ihrer hohen Industriedichte auf gute Verkehrswege angewiesen ist.“ Aber die Mittel für den Straßenbau würden weniger, im Verteilungskampf profitierten eher Rheinland und Ruhrgebiet. Und die Einsicht in die Notwendigkeit einer funktionierenden Infrastruktur lasse nach.

Kritik an Aussagen von Ministerpräsidentin Kraft

„Ministerpräsidentin Kraft betont immer wieder wie gut es ist, dass NRW bedeutender Industriestandort ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer. „Aber wenn man das Thema Straßenbau anspricht, dann werden die Fensterläden zugeklappt.“ Die heimischen Unternehmen wüssten kaum noch, wie sie wegen der geltenden Gewichtsbeschränkungen auf der A45 schwere Produkte wie Pressen oder Walzen von über 100 Tonnen zu den Kunden transportieren sollen. Manche trügen sich schon mit Abwanderungsgedanken.

Weitere Projekte neben A45 im vordringlichen Bedarf

Für den Verkehrsverband Westfalen und Stefan Schreiber ist alles gleich wichtig: Straße, Schiene und Luftverkehr. Dazu müssen neben der A45 weitere Projekte in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans. Die Elektrifizierung der oberen Ruhrtalbahn von Schwerte nach Warburg etwa. Und im Straßenverkehr gilt die Aufmerksamkeit des Verbandes neben dem Dauerbrenner A46-Lückenschluss vor allem dem beschleunigten Bau notwendiger Ortsumgehungen: Auf der B55 Erwitte-Eslohe die Umgehungen von Warstein, Meschede und Eslohe, Ortsumgehungen im Verlauf der Route 57 sowie auf der B517n im Bereich von Rahrbach.

Was die Ruhr-Sieg-Strecke angeht, ist Mockenhaupt für die Region verhalten optimistisch: „Der Prozess reift gerade. Jetzt gilt es die politischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen.“