"Ruhe - weil Rädelsführer im Knast sitzen"
28.11.2007 | 17:25 Uhr 2007-11-28T17:25:00+0100Niederschelderhütte/Siegen-Niederschelden. Vorfälle von Vandalismus und Rowdietum durch kleine Gruppen von Jugendlichen in einigen Ortsteilen wurden im Verbandsgemeinderat Kirchen heftig diskutiert.
Die SPD hatte einen Antrag hierzu gestellt, nachdem sich im „Grenzgebiet” zwischen Niederschelderhütte (Rheinland-Pfalz) und Niederschelden (NRW) mehrfach bis zu 60 Jugendliche aus dem Einzugsgebiet zwischen Wissen und Kreuztal versammelt, Alkohol getrunken und randaliert hatten. Dies hatte zum ersten gemeinsamen Antrag der SPD-Ortsvereine Niederschelderhütte und Siegen-Süd geführt. Doch auch in Mudersbach und Niederfischbach beschwerten sich Anwohner des Öfteren über „Vandalismus” von Jugendlichen.
Spur der Verwüstung"
SPD-Fraktionssprecher Dr. Berthold Mengel erklärte, die 14- bis 22-Jährigen hätten in Niederschelderhütte vor einigen Wochen „eine Spur der Verwüstung” hinterlassen. Mengel will die „diffus autonomen” jungen Krawallschläger davor bewahren, sich ihre Zukunft zu verbauen: „Wir dürfen nicht zusehen, wie diese Jugendlichen ihre Biografien beschädigen.” Doch die SPD-Berichte stießen auf Widerspruch: Niederfischbachs Ortsbürgermeister Matthias Otterbach (CDU) sagte, es sei in seiner Gemeinde „bei Weitem nicht so schlimm wie anderswo”. Es gebe dort lediglich „eine Handvoll” gewaltbereiter Jugendlicher, die man aber mittlerweile „im Griff” habe.
Mehr Polizei gefordert
Auch Mudersbachs Orts-Chef Maik Köhler – hauptberuflich Polizeibeamter – sagte, das Thema werde „überbewertet”. Vorfälle von Vandalismus seien „witterungsbedingt” festzustellen, also meist im Sommer. Dies gebe es in vielen Kommunen, nicht nur in Mudersbach oder seinem Ortsteil Niederschelderhütte. Polizei und Ordnungskräfte seien gefordert, einzuschreiten. Gegen junge Leute von über 18 Jahren, die man erwische, müsse man „mit der vollen Härte des Gesetzes vorgehen.” Kirchens Bürgermeister Wolfgang Müller zeigte Zweifel an dieser Lösung: „Strafanzeigen oder Platzverweise helfen nur kurzfristig.” CDU-Fraktionssprecher Ulrich Merzhäuser warnte vor Übertreibungen: „Wir müssen darauf achten, dass Niederschelderhütte nicht in einen schlechten Ruf gerät. Man darf schließlich nicht vergessen, dass die Vereine hier ausgezeichnete Jugendarbeit machen.” Allerdings forderte er: „Die Polizeipräsenz sollte verstärkt werden.”Auch der Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Kirchen, Felix Garcia-Diaz, war im Rat zu Gast. Er bestätigte, dass es Probleme mit Gruppen von Jugendlichen gebe. Schlimm sei es bei den 18- bis 20-Jährigen, durch die einer seiner Kollegen bereits „massiv bedroht” worden sei. Diese „Fälle” seien jedoch „erfasst”, man habe sie zusammen mit der Polizei im Blick. Niederfischbachs Ortschef fügte an, man habe den betreffenden Jugendlichen Vorschläge gemacht und sie gefragt, was sie sich denn wünschen im Dorf, aber: „Da kam ja nichts - gar nichts! Es sind ein paar Leute, die Ärger machen, denen können wir nicht mit guten Ratschlägen kommen. In Niederfischbach herrscht zurzeit nur Ruhe, weil zwei der Rädelsführer einsitzen.”
Am Donnerstag wird das Thema übrigens im Siegener Jugendhilfeausschuss beraten.
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