Ruhe vor dem Sturm aufs Rathaus

Das Rennen um den Chefposten im Hilchenbacher Rathaus wird eröffnet — so ganz allmählich.
Das Rennen um den Chefposten im Hilchenbacher Rathaus wird eröffnet — so ganz allmählich.
Foto: WP

Hilchenbach..  Vor sechs Jahren war noch alles klar: Beim nächsten Mal, versicherten die Spitzen der Hilchenbacher SPD, würden sie einen eigenen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl aufstellen — und nicht noch einmal, kaum verblümt, die Wiederwahl von Hans-Peter Hasenstab unterstützen. Doch je näher der 27. Juli 2015 heranrückt — der für die Nominierung letztmögliche 48. Tag vor der Wahl am 13. September —, desto unberechenbarer erscheint das Personaltableau für den Wahlkampf. Die SPD tut sich jedenfalls auf der letzten Strecke schwer.

UWG, Grüne und FDP hatten Hans-Peter Hasenstab 2004 als parteilosen Bewerber aus dem hessischen Rodgau nach Hilchenbach gelockt, der sich in einem Sommerwahlkampf erfolgreich bekannt machte. Dasselbe soll nun einem von der SPD noch vorzuschlagenden Kandidaten gelingen – viel mehr Zeit bleibt ihm nicht, nachdem sich abzeichnet, dass eine Mitgliederversammlung wohl erst Ende Februar entscheidet.

Bernshausen oder Schneider

Monatelang haben sich die Mitglieder der SPD in den eigenen Reihen umgeschaut, bis nur noch ein Aspirant übrig blieb: der 33-jährige Stadtverordnete Tim Bernshausen, der dem Rat jetzt in der zweiten Wahlperiode angehört, sich unter anderem als Vorsitzender des PUSH-Jugendkulturvereins engagiert und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Siegener Uni ist. Und der, so die hier und da geäußerte Hoffnung, das wiederholen könnte, was dem heutigen Landrat An­dreas Müller 2014 gelang: mit einem „Nase-voll“-Wahlkampf den Amtsinhaber zu stürzen. Erst Breuer, dann Hasenstab.

Erst spät setzte die Suche nach einem externen Bewerber ein. Einer sagte nicht ab: Henning Schneider, gebürtiger Dahlbrucher mit Wohnsitz in Fellinghausen, einst Abfallwirtschafts-Chef in der Kreisverwaltung, jetzt Geschäftsführer des Siegerland-Flughafens – und parteilos. Zwei Gründe machen dem SPD-Ortsverein die Entscheidung schwer: Die Mitglieder sind sich nicht einig. Und die Kandidaten haben sich noch Bedenkzeit ausbedungen.

In SPD-Kreisen kursiert das Szenario für den schlechtesten Fall: eine Kampfabstimmung in der Mitgliederversammlung, die für den Gewinner so schwach ausgeht, dass der die Lust auf den Wahlkampf verliert. In diesem Fall käme die CDU wieder ins Spiel, die die SPD-Entscheidung ausdrücklich abwarten will. Fraktionschef André Jung hatte schon im vorigen Jahr deutlich gemacht, dass seine Partei diesmal eine Initiative der stärksten Ratsfraktion erwartet – der Frust über die Schlappe von 2009 saß immer noch tief. Die CDU schließt nicht aus, einen (parteilosen) Kandidaten der SPD zu unterstützen. Wenn es den denn gibt.

Und dann ist da noch Hans-Peter Hasenstab. Vor anderthalb Jahren war noch alles klar: Im Juni 2013 erklärte er dem Rat, dass er seine volle zweite Amtszeit bis in den Herbst 2015 ableisten und dann ein drittes Mal kandidieren werde. Spätestens seit vorigem Spätsommer sieht das anders aus. Für seinen Ausweg aus dem Nothaushalt fand er schon im alten Rat keine Mehrheit. Im neuen Rat bildeten SPD und CDU eine Mehrheit gegen ihn, nahmen ihm den Vorsitz im Sparkassen-Verwaltungsrat ab und sorgten dafür, dass die Stadt, in der die Bürger mit Demos für Schulsozialarbeit und Familienbüro auf die Barrikaden gingen, ziemlich alt aussah.

Das waren die Wochen, in denen Hans-Peter Hasenstab, zunehmend vergrätzt, von seiner Ankündigung abrückte und die Möglichkeit in den Raum stellte, im Herbst 2015 doch nicht mehr anzutreten. Jetzt, so sagt er, will er noch ein wenig abwarten. Und meint damit ausdrücklich nicht die Entscheidung, wer gegen ihn antritt. Ausmalen könnte er sich beides: die Konstellation von 2009 in der Konkurrenz gegen ein Ratsmitglied. Oder die Herausforderung eines parteilosen Zuwanderers, wie 2004. Jeweils mit bekanntem Ergebnis.

Hasenstab: Zwei Mal über 70 Prozent

2004 bewarben sich fünf Kandidaten um die Nachfolge von Günter Schlabach (SPD). Im ersten Wahlgang holte Hans-Peter Hasenstab 48,25, in der Stichwahl gegen Renate Gehrmann (CDU) 72,87 Prozent. Udo Hoffmann (SPD) und Jost-Henner Franz (Parteilos) schieden bereits in der ersten Runde aus.

2009 gewann Hans-Peter Hasenstab mit 76,82 Prozent. Einziger Mitbewerber war der CDU-Stadtverordnete Hans-Georg Ballbach.

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