Rothaarbahn bekommt starke Sprinter

Der Bahnübergang Sterzenbacher Straße ist mit Ampel und Halbschranken ausgestattet. Viele andere Übergänge sind unges
Der Bahnübergang Sterzenbacher Straße ist mit Ampel und Halbschranken ausgestattet. Viele andere Übergänge sind unges
Foto: WP

Kreuztal/Hilchenbach..  Die Rothaarbahn ist wieder gut unterwegs. Die Startschwierigkeiten, die beim Übergang des Betriebs von der Deutschen Bahn auf die Hessische Landesbahn aufgetreten sind, sind überwunden — fast: Mit dem Fahrkartenverkauf ist Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS) noch nicht zufrieden.

„Damit sind wir noch nicht ganz durch“, sagt Padt, der die Berichte der vom ZWS eingesetzten Qualitätstester kennt. Weil die Züge, die die Hessenbahn von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) ausgeliehen hat, keine Fahrkartenautomaten haben oder nur Automaten, die nicht für den ZWS-Tarif programmiert sind, sollte Personal im Zug eingesetzt werden. In welchem Umfang Fahrgäste seit Mitte Dezember freie Fahrt genießen, wird sich erst später bei Prüfung der Einnahmen herausstellen. „Die Abrechnung haben wir noch nicht.“

Mittlerweile seien aber die sieben neuen LINT-Dieseltriebwagen, die für die Strecke bestimmt sind, durch das Eisenbahnbundesamt zugelassen. „Sie werden jetzt nach und nach in den Betrieb reingeschoben“, kündigt ZWS-Geschäftsführer Padt an. Die hochmotorisierten Züge — beide Maschinen bringen zusammen fast 1100 PS – sollen Tempo machen, damit der Fahrplan auf der ab Mitte Dezember bis Betzdorf verlängerten Linie eingehalten werden kann. „Wir sind dann früher in Siegen.“ Nicht nur dank starker Motoren wird die Rothaarbahn schneller, sondern auch durch Investitionen in die Technik: Sobald ein Signal versetzt worden und der Überweg über die Gleise verlegt worden ist, können die Bahnen, die sich auf der eingleisigen Strecke in Hilchenbach kreuzen, in Hilchenbach gleichzeitig einfahren — bisher musste eine immer die andere abwarten. Zwei neue Signale gibt es in Freusburg, die einen Blockabschnitt teilen, in dem sich jeweils immer nur ein Zug bewegen darf. Damit werden Abstände zwischen Zügen kürzer und die Kapazität der Strecke größer.

Jede zehnte Fahrt verspätet

Um das ganz große Beschleunigungsprojekt ist es allerdings still geworden. Die Bahnübergänge? „Die sind so, wie sie sind“, antwortet Günter Padt eher lakonisch auf die Nachfrage. In Hilchenbach wollte die Bahn AG den Übergang Schmidtseifen stilllegen. Anwohner gingen dagegen auf die Barrikaden, die Stadt schloss sich an. Sie forderten zumindest Fußgängern und den Anliegern den Umweg über die Unterführung zu ersparen. Die Sicherung mit Ampel und Schranke für 1,4 Millionen Euro — weil in Hilchenbach dafür ein elektronisches Stellwerk gebaut werden müsste — war der Bahn zu teuer. Sie kündigte ein Planfeststellungsverfahren an, um das ursprüngliche Vorhaben durchzusetzen.

Im Nahverkehrs-Qualitätsbericht für 2014 findet sich die Rothaarbahn genau im Mittelfeld wieder: 90,9 Prozent aller Fahrten sind pünktlich — genau 19 von 38 Linien sind besser. Das Prädikat „In Ordnung“ wird damit soeben noch erreicht; alle anderen Regionalbahnen im ZWS-Bereich sind pünktlicher. Ähnlich sieht es bei den unvorhersehbaren Zugausfällen aus, die nicht durch Baustellen verursacht werden: 21 Linien unterbieten die Ausfallquote von 1,1 Prozent. Bei der Bewertung der Haltepunkte landen fast alle Stationen zwischen Kreuztal und Bad Berleburg im grünen Bereich. Stift Keppel Allenbach, Lützel, Erndtebrück und Raumland bekommen allerdings ein „Gelb“ für „mittelmäßig“.