Roter Platz, schwarzer Teppich, grüne Inseln

Bürgerinformation auf dem Roten Platz
Bürgerinformation auf dem Roten Platz
Foto: WP

Kreuztal..  Vor fast zwei Jahren, im Mai 2013, hat Bürgermeister Walter Kiß die erste Bürgerversammlung zur Neugestaltung des Roten Platzes eingeladen. Damals noch in der Weißen Villa. Inzwischen ist der Innenstadtumbau weiter ­vorangeschritten. Der Heugraben-Park ist angelegt, die Stadtbibliothek gerade eröffnet. Dort, im überfüllten Veranstaltungsraum, begrüßt Kiß zur Präsentation der Pläne, die von der zweiten Jahreshälfte an umgesetzt werden sollen. „Viele Ideen aus der Bürgerbeteiligung sind eingeflossen“, sagt Kiß, „wir wollen das mit Ihnen gemeinsam machen.“

Licht

Sicherheit, Orientierung, „Atmosphäre“: Das sind Anforderungen, die Bürger an die Beleuchtung gestellt haben. Auf sechs Meter hohen Pfosten stehen die Stableuchten mit verschiedenen Aufsätzen, die zum einen die Fläche ausleuchten, zum anderen mit Spots gezielt zum Beispiel auf Fassaden gerichtet werden können. „Krimimalprävention“, so Stadtplanerin Christiane Voigt vom Dortmunder Planungsbüro Contur 2, spiele auch eine Rolle: „In jedem Winkel des Platzes sind auch Gesichter erkennbar.“ Hinzu kommen in den Boden eingelassene Spots, um Bäume anzustrahlen, und LED-Bänder vor den Sitzbänken. Die Idee, das beleuchtete Band wie den schwarz-grauen Pflaster-„Teppich“ über den ganzen Platz zu ziehen, mussten die Planer aufgeben. „Wir haben keinen Hersteller erfunden, der uns das ermöglicht.“ Denn das Lichtband hätte auch Lkw aushalten müssen, ohne Schaden zu nehmen.

Bäume

Einen grünen Marktplatz wünschen die Bürger. Aber nicht mit den vier Platanen auf der Nordseite mit dem alten Stadtbrunnen — da setzen sich die Planer durch. Die Bäume werfen „viel zu viel Schatten“, sagt Christiane Voigt. Vor allem aber: Das Wurzelwerk hat sich über den ganzen Platz ausgedehnt, es würde auch das neue Pflaster anheben. Allenfalls eine Platane wird gerettet. „Aber auch das ist nicht ganz klar.“ Zum Ausgleich werden Baumhasel gepflanzt, die so flach wurzeln, dass sie auch auf der bisher unbegrünten Südseite auf der Tiefgarage wachsen können. Der schwarze Teppich über dem Roten Platz wird somit viel grüner. Denn um die Bäume herum werden auch die von den Kreuztalern gewünschten Sitzinseln angebracht: Bänke mit Betonsockel und Holzauflage, die altengerecht sind, aber unerwünschte Nutzungen ausschließen – „so, dass man nicht darauf liegen kann“, sagt Christiane Voigt.

Wasserspiele

Auch ein Bürgerwunsch. Hans-Werner und Jens Kaltmann haben einen Wassertisch für die „ruhige“ Nordseite vorgesehen. Wenn das Wasser richtig aufgedreht wird, spiegelt sich die Wasseroberfläche auf dem neun Meter langen Monolithen. Wird der Wasserspiegel niedriger gehalten, können Strukturen sichtbar gemacht werden – Schriftzüge und Symbole wären dann denkbar, zum Beispiel die Namen der Stadtteile in einer Wortwolke. Im Süden, Richtung Bibliothek, werden Fontänen aus dem Boden spritzen — vor dem Einschalten immer mit einer feuchten Vorwarnung aus der Nebeldüse. Die Illumination kommt aus einer gemeinsamen, geschützten Lichtquelle über ein Glasfaser-Lichtleitkabel. „So kann man nichts kaputt machen“, sagt Jens Kaltmann. Für den Wochenmarkt und andere Veranstaltungen wird das Wasserspiel einfach abgedeckt. Für den Bereich der Bibliothek selbst werden Sitzgelegenheiten geschaffen, die einem Bücherstapel nachempfunden sind.

Pflege

Eine Bürgerin erkundigt sich nach dem Aufwand für die Pflege der grünen Inseln. „Das Mähen eines Rasens kostet mehr“, antwortet Landschaftsarchitekt Alexander Nix. Achim Walder provoziert: Ob die Platten für den „Teppich“ auf dem Roten Platz deshalb asphaltfarben wären, damit sie nach Beschädigungen unauffällig durch eine Asphaltdecke ersetzt werden könnten? „Das Problem ist bekannt“, kommentiert Bürgermeister Kiß die jüngst in Siegen am Kornmarkt und am Scheinerplatz aufgetretenen Probleme, die früher schon zum Komplettaustausch der Fahrbahn auf dem neuen Bahnhofsvorplatz führten: „Man darf davon ausgehen, dass die Planer Zeitung lesen.“

Fahrräder

Auch auf dem neuen Roten Platz dürfen Fahrräder nur geschoben werden — zu den Fahrradständern am Rathaus, die Achim Walder, langjährig im Verkehrsclub Deutschland und im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub engagiert, für vorgestrig hält: „Die Leute wollen den Rahmen anschließen und nicht nur das Vorderrad.“ Jens Imorde, Geschäftsführer des Netzwerks Innenstadt NRW, lebt in der Fahrradstadt Münster und moderiert die Veranstaltung: „Eigentlich hat der Platz doch eine Größe, auf der man sich einigen könnte.“ Signale, das bisher meist stillschweigend geduldete Nebeneinander von Radfahrern und Fußgänger amtlich zu genehmigen, lockt er an diesem Abend aber nicht hervor.

Barrieren

Einen Kompromiss streben die Planer an den Übergängen von Fahrbahn und Fußgängerbereich an: drei Zentimeter hohe Trennsteine, vorn auf zwei Zentimeter abgerundet. „Für Blinde gerade noch ertastbar, für Rollstuhlfahrer gerade noch überwindbar“, sagt Alexander Nix. Der Verein Invema, der sich um die Integration von Menschen mit Behinderung kümmert, habe angeregt, zugunsten der Barrierefreiheit für Rollstühle und Rollatoren „auf tastbare Kanten zu verzichten“, berichtet Stadtplanerin Christina Eckstein. Sie berichtet von Überlegungen, Sehbehinderten zur Orientierung einen Tastplan zur Verfügung zu stellen.

Perspektiven

Der Wochenmarkt wird zeitweise auf den Parkplatz Roonstraße ausweichen und nach dem Ende der Bauarbeiten auf den neuen (Schwarz-)Roten Platz zurückkehren. Trotz der zusätzlichen Bäume und Sitzinseln, verspricht Bürgermeister Kiß, werden dort wieder alle Stände einen Platz finden. Die Neugestaltung der Nordseite ist 2016 an der Reihe, sie soll zeitgleich mit dem Neubau des Dornseifer-Markts abgeschlossen werden.

Keinen Zeitplan gibt es für das, was danach kommt: Der Rest der Marburger Straße zwischen alter Kreuzung und Ziegeleifeld ist fällig. Offen ist auch, ob die Bus-Insel überlebt, ein Unikum aus den 1980er Jahren: Weil es keine andere Möglichkeit gab, erhöhte Kaps anzulegen, fahren die Busse dort im Linksverkehr an die Haltestelle heran. Etwas Besseres fällt den Planern heute aber auch nicht ein. Die Busse könnten höchstens ohne Halt durch die Fußgängerzone fahren — den Stau rund um die Hauptkreuzung will die Stadt ihrem öffentlichen Nahverkehr jedenfalls nicht antun.