Rosina wird der Nachwelt erhalten

Dr. Manuel Zeiler, Archäologe beim Landschaftsverband in Olpe, bei der Arbeit:  In 60 Metern Tiefe werden im Rosina-Stollen Spuren gesichert. Im 13. Jahrhundert wurde dort Silbererz abgebaut.
Dr. Manuel Zeiler, Archäologe beim Landschaftsverband in Olpe, bei der Arbeit: In 60 Metern Tiefe werden im Rosina-Stollen Spuren gesichert. Im 13. Jahrhundert wurde dort Silbererz abgebaut.
Foto: Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Peter Thomas

Burgholdinghausen..  Er heißt Rosina. Er ist der älteste Silberstollen des Müsener Reviers — und der älteste nachgewiesene Bergbau des Siegerlandes. Im vorigen Sommer waren Archäologen des Landschaftsverbandes und des Bergbaumuseums Essen zusammen mit einer Mannschaft des Altenberg- und Stahlberg-Vereins in den 60 Meter tiefen Stollen vorgedrungen. Das Holz, das die Bergleute beim Stollenbau verwendet haben und mit dem sie das Gestein erwärmt haben, um das Silbererz zu gewinnen, wurde untersucht, sein Alter bestimmt: Es führt ins 13. Jahrhundert.

Ensemble Heinrichssegen-Victoria

Als die Archäologen ihre Entdeckung im August bekannt gaben, legten sie Wert darauf, den Standort des Stollens nur undeutlich zu beschreiben — aus Furcht vor Raubgräbern. Das Geheimnis muss nun keins mehr sein: Nach Abschluss der „Notgrabung“ — Unbefugte hatten schon mit dem Ausräumen begonnen — ist der Stollen verplombt, 350 Kilo schwere Eisenschwellen verschließen den Eingang.

Im Kreuztaler Kulturausschuss steht nun der Denkmalschutz für Rosina und das ganze Ensemble der Grube Heinrichssegen-Victoria auf der Tagesordnung. Wieder einmal: Bereits 1997 gab es einen ersten Vorstoß, der im Sande verlief. Inzwischen hat die Verwaltung gehandelt: Schon am 20. Oktober 2014, wenige Wochen nach Abschluss der Grabungen, wurde das Ensemble vorläufig unter Schutz gestellt.

Es geht nicht nur um Rosina. Das — obertägige – Pingenfeld der Grube Heinrichssegen ist noch in Spuren sichtbar, ebenso der Damm der Bahn, über die die Erze ins Tal gebracht wurden, die Halde der Grube Victoria und die Teiche, die das Wasser für die Erzaufbereitung lieferten. Neben diesen neuzeitlichen Überresten wurden Schlackenhalden aus der Eisenzeit und dem 9. und 10. Jahrhundert gefunden, „somit die ältesten Montanrelikte des Siegerlandes“, wie die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage feststellt. In einem weiteren Bereich befinden sich Reste des modernen Maschinenschachts der Grube Victoria sowie weitere mittelalterlich-neuzeitliche Mundlöcher und Halden, deren Inneres über den Rosina-Schacht erschlossen ist.

So gut wie einzigartig

Kein Untertage-Abbau im Siegerland ist älter. „Das hohe Alter, die außergewöhnlich gute Erhaltung sowie die große Ausdehnung machen diesen Altbergbau zum wichtigsten im Siegerland“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Denn in der Regel sind die Spuren des Altbergbaus durch neuere Vortriebe vernichtet worden oder nicht mehr zugänglich. „Auch überregional ist der ‘Alte Mann’ (so nennen Bergleute die aufgelassenen Anlagen, d.Red.) der Grube Victoria einmalig und nur mit wenigen Befunden in Sachsen, Schwarzwald oder im Harz zu vergleichen.“ Die seien aber durchweg kleiner, versiegelt oder zerstört. Heinrichssegen-Victoria solle auch künftig der Forschung zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Olper Außenstelle der Landschaftsverbands-Archäologie, führt denn auch wissenschaftliche Gründe für den Denkmalschutz an: „Eine einzigartige archäologische Quelle, deren Auswertung neue und weitergehende Erkenntnisse vermittelt, die auf keinem anderen Wege gewonnen werden können.“ In dem Ensemble seien „auf engstem Raum 2300 Jahre Bergbaugeschichte im Siegerland“ dokumentiert — von der Eisenzeit über das Mittelalter und die Neuzeit bis in die Moderne. So etwas gebe es sonst nirgendwo in Nordrhein-Westfalen.

Widerspruch von Bergbaufirma und Waldbesitzer

Gegen die Unterschutzstellung gibt es Widerstand. Die Barbara Rohstoffbetriebe, Rechtsnachfolgerin der Erzbergbau Siegerland AG, fürchten höhere Kosten; als Inhaberin der Bergrechte ist die Firma für die Sicherung der Anlagen verantwortlich.

Auch die Forstverwaltung Burgholdinghausen widerspricht: Der Forstbetrieb werde beeinträchtigt, das Montanensemble sei nicht bedeutend genug.