Rockmobil kurz vor der Endstation

Young Stage im Rockmobil
Young Stage im Rockmobil
Foto: WP

Hilchenbach..  Das Rockmobil ist ein Platz zum Musikmachen. Bis zu 50 Mal im Jahr finden in dem Gelenkbus Workshops und Ferienprojekte statt. Bis zu 100 Mal im Jahr hält er — wie ein Bus nach Fahrplan – an festen Stationen, an denen Schüler zum Musikunterricht einsteigen. Alle acht Jahre wird umgebaut und umgeräumt, vom alten ins neue Rockmobil. Zwei Mal hat das geklappt. Das dritte Mal droht schief zu gehen.

Das feuerrote Rockmobil muss zum TÜV. „Was da fällig wird, ist vorher nicht absehbar“, sagt Hans-Dieter Klug, der 1990 mit dem ersten Rockmobil auf Tour gegangen ist. Gelb könnte das vierte Rockmobil werden — der Gelenkbus, der zuletzt in Dresden Fahrgäste befördert hat, steht schon eine ganze Weile auf einem Parkplatz in Hilchenbach. Das Geld für den Umbau fehlt. „10 000 Euro“, sagt Klug, „das ist nicht die Welt.“ Wenn man sie hat. MoMu, das ist der Mobile Musiktreff als Trägerverein, konnte die Rücklagen in den letzten Jahren nicht bilden. Der Verein ist mit großen Projekten wie Young Stage zwar gut im Geschäft. „Aber es gibt praktisch keine Förderungen für die Infrastruktur.“

Niederflur als Handicap

Die könnte MoMu gerade jetzt gut gebrauchen: Denn anders als bei den letzten Umbauten können Einbauten und Inventar nicht weiterverwendet werden — auf dem Markt sind nur noch Niederflurbusse, die sich in Innenaufteilung und Maßen von den Vorgängermodellen unterscheiden. Da ist noch nicht einmal mehr die Tür zur Schlagzeugkabine zu gebrauchen, die aus dem ersten Rockmobil stammt, 1999 ins zweite und 2006 ins dritte Rockmobil eingebaut worden ist. „Ich habe über ein Jahr versucht, Mittel aufzutreiben“, sagt der Sozialpädagoge und Musiker, der mit MoMu immer mehr verbindet als die klassische Musikschule: Der Verein versteht Musik stets auch als Medium für Spiel- und Erlebnispädagogik — entsprechend oft ist der Bus auf Schulhöfen und in Großsiedlungen zu sehen. „Es müsste jetzt im Frühjahr etwas geschehen“, sagt Hans-Dieter Klug zur zeitlichen Perspektive des Umstiegs auf das vierte Rockmobil. Wenn nicht, geht der gelbe Bus an den Händler zurück. Die grüne Plakette für die Siegener Umweltzone hat er sowieso nicht. „Die hatte ich damals noch gar nicht auf dem Schirm.“

25-jähriges Bestehen hat MoMu, mittlerweile mit Standbeinen in Köln und Bonn, Bremen und Recklinghausen, 2013 gefeiert. Als stationärer Ableger ist „MoMus Musikschule“ entstanden, die auf Wunsch sogar nach Hause kommt und die in Hilchenbach sogar die Aufgabe einer städtischen Musikschule wahrnimmt. „Wir waren ganz lange Zeit eine Ausnahme“, erinnert Hans-Dieter Klug. Erst später kamen Hamburg und Saarbrücken dazu, die ebenfalls einen Bus (und nicht bloß einen Transporter für Instrumente) als Rockmobil nutzen, 2008 dann der Jamtruck mit Essener Kennzeichen, der sogar mobiles Tonstudio ist.

Zuwendung zu älteren Zielgruppen

2015, sagt der Rockmobil-Gründer aus Hilchenbach, wird ein Jahr des Umbruchs. Die Zuwendung zu neuen, älteren Zielgruppen „muss deutlich mehr greifen“ — denn den Rückgang der Geburtenzahlen bekommt längst auch die Musikschule zu spüren, die rückläufige Erträge verkraften muss. Möglicherweise sei nun auch die Zeit gekommen, sich von den Sessions in umgebauten Bussen zu verabschieden. „Bei mir hängen da auch über 25 Jahre Geschichte dran“, gibt Hans-Dieter Klug zu, „aber ich bin nicht so nostalgisch, dass ich mich nicht trennen kann.“