Rita Süssmuth spricht in Siegen über Migration

Rita Süssmuth
Rita Süssmuth
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Was wir bereits wissen
Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth spricht im Siegener FoKoS über Demografie, Migration und Flucht. Sie vertritt eine klare Meinung.

Siegen..  „Stellen Sie sich vor, ich sage: Wir lassen die Bedrängten nicht im Stich. Das wäre eine Botschaft an die Welt. Das würde Europa mehr einen, als über Finanzen zu sprechen“, sagt Rita Süssmuth, die langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, mit Nachdruck und schaut stechend in die Runde. Sie spricht im Forschungskolleg der Uni Siegen (FoKoS) über Demografie, Migration und Flucht.

„Der Wechsel zu sagen ‘wir haben ein Einwanderungsland’ ist schwer erkämpft worden“, erklärt die Politikerin. Schon in den 90er Jahren hätten Forscher festgestellt, dass Deutschland sich mehr mit Einwanderung beschäftigen müsse und schon seit den 80er wisse unser Land, was in Bezug auf Demografie auf uns zukäme.

Zuwanderungsgesetz

„Wir brauchen Zuwanderung. Und wir brauchen ein Zuwanderungsgesetz.“ Es gäbe bisher nur Verordnungen, nichts Konkretes. Schon im Jahr 2000 habe sie für dieses Gesetz einstehen wollen. „Eine Öffnung ist erst erfolgt, als die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt immer größer wurden.“ Gesucht werde in Deutschland nach Menschen der „high quality“, das heißt Selbstständige und Studierte. „Da habe ich mich gefragt: Wer soll da eigentlich kommen?“

In den vergangenen 15 Jahren habe sich nicht viel getan, die Barrieren wären von Anfang an sehr hoch gewesen. „Es kommt darauf an, aus weniger Potenzial mehr Potenzial zu machen. Die Menschen brauchen Klarheit“, sagt sie, eine Kommunikation über Möglichkeiten und Chancen sei unabdingbar.

Der Flüchtlingsstrom habe nun wieder einen Paradigmenwechsel hervorgerufen. Von der Frage, wie wir die Migranten bekämen, die wir bräuchten, zu warum die Syrer nicht im eigenen Land blieben. „Ich kann keine Migration steuern, wenn ich die Gewalt nicht stoppe“, bezieht Rita Süssmuth dazu klar Stellung: „Die Kriege werden gewalttätiger, aber auch ineffektiver.“

Multikulturelle Gesellschaft

Laut Süssmuth werde das Interkulturelle bis heute vernachlässigt: „Wir sind längst eine multikulturelle Gesellschaft.“ Um damit umzugehen, brauche das Deutschland „starke Menschen“. „Wenn Merkel sagt ‘wir schaffen das“, dann bin ich davon überzeugt, sie sagt das nicht um zu überlegen, wie sie ihre Macht ausbaut. Sondern aus ethischer Überzeugung.“

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