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30 Jahre Grüne...

Rita Süßmuth gratuliert

22.01.2010 | 23:30 Uhr
Rita Süßmuth gratuliert

Kreuztal. „Das hat mich schon damals auf die Palme gebracht”, gesteht Rita Süßmuth, die ehemalige Bundestagspräsidentin. Nicht die strickende Helga Rock, die auf der Bühne der Weißen Villa nicht ganz ohne Selbstironie Rückschau gehalten hatte auf drei Jahrzehnte Grünen-Kreisverband.

Info
Bildungspolitisches Manifest

Sieben Wahlprüfsteine legen die Grünen in ihrem „Bildungspolitischen Manifest” für Siegen-Wittgenstein vor: „Chancengleichheit in der Bildung”, „Länger gemeinsam lernen”, „Eine Schule für Alle! - Für ein inklusives Bildungssystem”, „Mehr Mitbestimmung in der Bildung”, „Zuwendung und Förderung statt Auslese”, „Recht auf berufliche Ausbildung für alle”, „Mehr Geld für Bildung”.

Die Grünen fordern: Ausbau der U-3-Betreuung, mindestens eine weitere Gesamtschule, kostenfreie offene Ganztagsschulen, Gemeinschaftsschulen (1. bis 10. Schuljahr), kostenlose Mittagsmahlzeit für alle Kinder, mehr Geld für die Instandhaltung der Schulen, keine Studiengebühren, neue Ausbildungsberufe in ökologisch und sozial nachhaltigen Zukukunftsbranchen.

Die Festrednerin meinte ihre eigenen Studentinnen aus der Zeit, als sie noch Hochschullehrerin war – lange bevor sie in Bonn präsidierte, wo sie auch die Abgeordnete Rock zur Ordnung hätte rufen können.

„Ein bisschen konservativer” seien sie heute schon, die Grünen, hatte die Mitbegründerin des Siegen-Wittgensteiner Kreisverbandes zugestanden. „Die Grünen haben das Parlament verändert”, sagte Prof. Dr. Rita Süßmuth später wie in einer Antwort auf die Abgeordnetenkollegin der 1980er Jahre, „aber das Parlament hat auch die Grünen verändert.” Ja, sagte Helga Rock, die Grünen hätten sich auch im Siegener Kreistag einiges anhören müssen: „Weißt du noch, Jürgen?”, erwischt sie Jürgen Althaus, den Landrats-Vize von der CDU, der gerade eben erst ein Kompliment an die Grünen-Fraktionschefin losgeworden ist. Die Zeiten haben sich geändert.

Grenzen und

Ideologien aufbrechen

Jazz-Standards vom Kirchener Jobelius-Trio, Sekt und Häppchen – und vor allem viel Besuch. Alle sind vertreten, die mit den Grünen und für die die Grünen in der Region gearbeitet haben: Initiativen, Vereine und Verbände. Dann Abgesandte der demokratischen Kreistagsparteien. Grüne der ersten Generation wie Heinz Nauroth, einer der ersten Kreissprecher. Und der zweiten Generation wie Christian Gunsenheimer, während seines Studiums Mitglied der Siegener Ratsfraktion, heute Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde im Coburger Land. Da wurde viel zurückgeschaut und gestaunt – dass einmal eine CDU-Politikerin den Festvortrag zum 30-jährigen Bestehen der Grünen halten würde, „war damals unvorstellbar”, glaubt der heutige Kreisverbandssprecher Dr. Peter Neuhaus.

Man müsse eben Grenzen aufbrechen und Ideologien, überall, stellte Rita Süßmuth fest und schlug dann doch den Bogen zum auf die Zukunft gerichteten Thema des Abends, das eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Bildung. Die Pädagogik-Professorin überraschte nicht mit ihrem Plädoyer für offene Schulen, für längeres gemeinsames Lernen und für individuelle Förderung. „Ach ja”, seufzte jemand in den vorderen Reihen – ein gutes Ende wäre das nicht. Rita Süßmuth schloss mit einem Dank an die Grünen für deren Ideen. Und einem Appell: „Geben Sie nicht auf.” sw

Steffen Schwab

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