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Rhein-Sieg-Express mit "Heidekrautbahn"?

09.04.2008 | 07:00 Uhr

Wenn die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) heute Nachmittag Einblick in die Gebote für den Rhein-Sieg-Express nimmt, wird sie möglicherweise den Absender „Deutsche Bahn Regio NRW” vermissen. An ihrer Stelle schickt das Staatsunternehmen die „Heidekrautbahn” ins Rennen.

Noch bis Dezember 2010 fährt die Bahn-Tochter „DB Regio” auf der Regionalexpresslinie 9 von Gießen über Siegen und Köln nach Aachen. Danach wird die Linie geteilt. Der Ast Siegen-Frankfurt ist vom Rhein-Main-Verkehrsverbund und dem ZWS ausgeschrieben worden, bis kommende Woche werden noch Bewerbungen angenommen. Die Linie Siegen-Aachen, für die die Bewerbungsfrist zwei Mal verlängert wurde - unter anderem, weil einige Bahnsteige für die wegen der geforderten Sitzplatzzahlen 210 Meter langen Triebwagenzüge zu kurz wär en -, steht nun vor der Vergabe. Beraten müssen neben dem ZWS der Aachener Verkehrsverbund und der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), entscheiden werden dann die neuen, übergeordneten Zweckverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Zwei Konkurrenten wurden von Anfang an genannt, die der Bahn AG den Auftrag über 15 Jahre und immerhin fast zwei Millionen Zug-Kilometer jährlich streitig machen wollen: die 2006 eigens zu diesem Zweck gegründete Westigo, eine Tochter der Kölner Verkehrsbetriebe, und die bereits in Rheinland-Pfalz aktive Trans Regio, ein Unternehmen der Düsseldorfer Rheinbahn und der französischen Eurailco. Das Gerücht, das die Bahn mit einer anderen Tochterfirma ins Rennen gehen würde, ist alt und hat sich nun offenbar bestätigt. Mittlerweile hat die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) die anscheinend drohende „Tarifflucht” der Bahn AG „aufs Schärfste” kritisiert. 2003 wurde die „DB Heidekrautbahn” gegründet, um eine Nahverkehrslinie aus dem Norden Berlins in die Mark Brandenburg zu betreiben; den Zuschlag bekam allerdings die französische Veolia mit ihrer „Niederbarminer Eisenbahn”. Die Firma wurde aber gehalten - offenbar als „schlafende Tochter”, wie es die Bundestagsabgeordnete der Linken Dorothe´e Menzner gegenüber der Tageszeitung „Junge Welt” formulierte. Die Gewerkschaft Transnet warnte die Bahn bereits im Februar vor einer Strategie, mit  „Billigangeboten” durch nicht tarifgebundene Tochrterfirmen in den Wettbewerb zu gehen. Gleichzeitig kritisierte die GdL - der Lokführerstreik war noch nicht ganz abgewendet - in der „Frankfurter Rundschau” das „Lohndumping”. Schon damals wurde der RE 9 als Kandidat für die „Heidekrautbahn” öffentlich genannt. Die in Potsdam ansässige GmbH soll angeblich mit 20 Prozent weniger Personalkosten auskommen als die DB Regio.

Steffen Schwab

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