Rettungsprogramm fürs Haselhuhn

Extensiv gemähte Wiesen im Vogelschutzgebiet „Wälder und Wiesen bei Burbach und Neunkirchen“. Das Gebiet ist das dritte von landesweit 28, für das jetzt ein Maßnahmenplan in Kraft tritt.
Extensiv gemähte Wiesen im Vogelschutzgebiet „Wälder und Wiesen bei Burbach und Neunkirchen“. Das Gebiet ist das dritte von landesweit 28, für das jetzt ein Maßnahmenplan in Kraft tritt.
Foto: Rainer Fels

Burbach/Neunkirchen..  Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat den Maßnahmenplan für das EU-Vogelschutzgebiet „Wälder und Wiesen bei Burbach und Neunkirchen“ in Kraft gesetzt. Gefährdete Vogelarten, allen voran das vom Aussterben bedrohte Haselhuhn, sollen erhalten werden.

Ziele

Das Gebiet umfasst 4660 Hektar, wurde 2001 ausgewiesen und enthält überwiegend extensiv genutzte Wiesen und Weiden sowie Hauberg, der die Lebensgrundlage des Haselhuhns ist.
Brutplätze: Landesweit gibt es nach LANUV-Schätzung nur noch etwa 20 Brutpaare, die sich auf die drei Vogelschutzgebiete verteilen; für Burbach-Neunkirchen werden zehn Reviere angenommen — Ziel ist, diese Zahl auf 20 zu verdoppeln. Ebenfalls dort zu Hause sind Altwaldarten wie Schwarzstorch, Rotmilan, Wespenbussard, Spechte und Kleineulen sowie Offenlandarten, zum Beispiel Wachtelkönig, Bekassine, Wiesenpieper und Braunkehlchen.
Wald und Wiesen: Der Maßnahmenplan steht für den Erhalt strukturreicher Wälder mit einer reichen Kraut- und Strauchschicht sowie von Bäumen und Baumgruppen, die Lebensräume vernetzen und den Horst- und Höhlenbau ermöglichen. Auf 180 Hektar sieht der Plan die Weiterführung oder Wiederaufnahme der Niederwaldnutzung vor; dafür bieten sich – ehemalige – Haubergsflächen an. Wiesen und Weiden als Lebensraum sollen extensiv bewirtschaftet werden.

Maßnahmen

Forst: „Das Haselhuhn ist eine sehr störungsempfindliche Art“, heißt es in dem Plan. „Neben Freizeitaktivitäten, insbesondere abseits der Wege, können auch forstliche Maßnahmen zu erheblichen Störungen für diese Art führen und dadurch den Bruterfolg negativ beeinflussen.“ Ausgenommen von Einschränkungen wird die Haubergsnutzung, die ohnehin im Frühjahr stattfindet und dem Schutz des Haselhuhns dient.
Wild: Hohe Wilddichten führen dazu, „dass für das Haselhuhn wichtige Gehölz- und Pflanzenarten so stark verbissen werden, dass sie gebietsweise nicht aufwachsen können.“ Während Rotwild dem Haselhuhn die Nahrung wegnimmt, frisst Schwarzwild auch Gelege und Küken, die noch nicht flügge sind. Mittelfristig, so der Maßnahmenplan, müssten die Bestände reduziert werden.
Menschen: Als Problem herausgestellt werden Störungen durch Mountainbike- und Motocross-Fahrer, die sich oftmals abseits der Wege aufhalten, durch Badende auf der Mahlscheid und am Silbersee sowie durch freilaufende Hunde. Die Einhaltung der geltenden Verbote soll verstärkt überwacht werden. „Falls es zukünftig notwendig erscheint, sollte die Möglichkeit weiterer Maßnahmen wie Sperrung bestimmter Wege oder eine weitergehende Anleinpflicht für Hunde in besonders sensiblen Bereichen geprüft werden.“
Hubschrauber: Genannt werden die Hubschrauber-Rundflüge vom Siegerland-Flughafen aus. „Dies führt durch Lärm und durch die für Vögel grundsätzlich optisch abschreckende Wirkung von fliegenden Objekten zu Störungen für den Schwarzstorch.“ Empfohlen wird der Dialog mit den Betreibern, um Störungen während der Brutzeit zu vermindern.
Information: Generell mahnt der Plan, dass Menschen sich nicht ausgesperrt fühlen dürften: Dies würde sich negativ auf die Akzeptanz des Schutzgebiets und des Naturschutzes auswirken. Hilfreich könnten Exkursionsangebote und mit Informationstafeln versehene Naturerlebnispfade sein.
Windräder: Störend für den Vogelschutz sind nicht nur Straßen und Gewerbegebiete, sondern auch Windräder. Das LANUV rät zum Verzicht auf Planung von Windkraft-Standorten innerhalb des Schutzgebiets sowie innerhalb eines 300-Meter-Puffers jenseits der Schutzgebietsgrenze.

An dem Plan haben LANUV, Bezirksregierung, Kreis, Regionalforstamt und Biologische Station mitgearbeitet. Der mehrjährige Dialogprozess umfasste Gesprächsrunden, drei „Runde Tische“ und bezog Landwirtschaft, Waldbauern, Kommunen, Naturschutzverbände und Privatpersonen mit ein.