Reminiszenz an die Brüder Busch
19.02.2010 | 18:14 Uhr 2010-02-19T18:14:00+0100
Hilchenbach. Zum sechsten Mal war Ludwig Güttler in Hilchenbach, diesmal mit den Virtuosi Saxoniae aus Dresden, einem Kammerorchester, das er 1985 gegründet hat.
Im Programm hatten die Künstler ein Werk, das in besonderer Weise die Verbindung zwischen dem Siegerland und Dresden symbolisiert, das Divertimento op. 30 für 13 Soloinstrumente von Adolf Busch aus dem Jahre 1925: „Meinem lieben Bruder Fritz”.
Dieser war seit 1922 Dirigent der Sächsischen Staatskapelle und in Personalunion Generalmusikdirektor der Dresdner Semperoper. Am 13. März wäre er 120 Jahre alt geworden. 1933 entzogen sich die beiden aus Siegen stammenden Busch-Brüder dem Naziregime.
Geprägt von Kunst und Courage
Güttler betrachtet es als künstlerische Ehrensache, das Andenken an sie, deren Leben von Kunst und Courage geprägt wurde, hoch zu halten.
So kam also im Konzert des Gebrüder-Busch-Kreises ein Werk von Adolf Busch zur Aufführung, das seinen immer als sehr ernst dargestellten Schöpfer von einer Seite zeigt, die keineswegs befremdlich wirkt. Sein „Divertimento” – ein Stück zur Unterhaltung also – glänzt durch eine Fülle von spritzigen Ideen, die mit viel musikalischem Esprit verarbeitet worden sind und dem ausführenden Solisten-Ensemble viel Gelegenheit gibt, sich virtuos auszuzeichnen.
Da war am Anfang eine schwungvolle Marschmusik zu hören, der ein Andante voller feiner Linien folgte. Das Scherzo zeigte clowneske Effekte, und neben heftigen Temperamentsausbrüchen schmeichelten sich wunderbare Lyrismen in die Ohren der Zuhörer. Und am Ende hatte der Komponist keinen Zweifel daran gelassen, dass seine musikalischen Wurzeln da lagen, wo Polyphonie und Kontrapunkt herrschten.
Klangideal durch Barockmusik inspiriert
Das Stück wurde beifällig aufgenommen und hätte sicher mehr Applaus verdient – schon wegen der Leistung der 13 Solisten, die dieses Werk in Hilchenbach zum ersten Mal gespielt haben. Wie Güttler im Gespräch verriet, wird das Werk im April in Dresden aufgeführt. Ob es anderswo an die Busch-Brüder erinnern kann, wird von der Nachfrage der Veranstalter abhängen.
Im Übrigen war es ein Konzert mit Werken des 18. Jahrhunderts, geprägt durch die Namen Fasch, Mozart, Händel, Telemann und Haydn. Güttler präsentierte sich als Meister der Trompete und des Corno da Caccia. Aber er war eben auch der Leiter des Ensembles; und fraglos klang dieses inspirierter und geschlossener, wenn der Leiter auch als Dirigent auftrat – auch wenn gerade dann besonders deutlich wurde, dass Güttlers Klangideal durch die Barockmusik inspiriert ist. Dem Publikum gefiel das gut, und neben kräftigem Applaus waren auch immer wieder vereinzelte Bravo-Rufe zu hören.
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