"Rattenschwanz" im Landgericht
30.01.2008 | 20:15 Uhr 2008-01-30T20:15:35+0100Siegen. (wp) Alois Michalek, Richter am Landgericht Siegen und gleichzeitig dessen stellvertretender Direktor, brachte es auf den Punkt. Das Verfahren sei ein einziger "Rattenschwanz". ...
... "Wie wollen Sie denn da wieder herauskommen", fragte er die Parteien. Worauf zumindest eine Seite die Fassung verlor.
Es ging - wieder einmal - um den ehemaligen Haflingerhof auf der Lützel. Zur Erinnerung. Der Wittgensteiner Klaus Wiedemann hatte das Grundstück kurz vor Weihnachten 2006 aus einer Zwangsvollstreckung ersteigert und wartet seither, das Grundstück in Besitz zu nehmen. Die vorherigen Eigentümer, die Familien Ochel und Herwig, hatten das Anwesen einige Monate vorher an die SHS (Schuldner helfen Schuldnern) verkauft, die es der Firma InsOmedicus generalverpachtete. Der Geschäftsführer beider Unternehmen ist der Gleiche, der Berliner Jens Löhnert. Der wiederum schloss Mietverträge mit den Veräußerern, die sich mit diesen Papieren gegen die Zwangsvollstreckung durch Wiedemann wehrten.
Diesmal ging es um die Klage Löhnerts vor dem Landgericht gegen die Zwangsvollstreckung.
Wiedemann und sein Anwalt Björn Lange hatten widersprochen. Richter Michalek deutete gestern bereits an, dass er keiner der vorgebrachten Rechtsauffassungen zuneigt, was aber letztlich auch keine Bedeutung habe. Die InsOmedicus als Vermieterin sei zu keiner Zeit Gewahrsamsinhaberin des Grundstücks gewesen. Und nur dieser habe das Recht, sich gegen Zwangsmaßnahmen zu wehren.
Der Anwalt der Klägerin sieht das anders. Der Generalpachtvertrag eröffne sehr viele Rechte, aus denen er auch diese Einspruchsbefugnis herleiten wollte. Hans-Joachim Henke kündigte eine schriftliche Stellungnahme an, der Richter eine Entscheidung für den 29. Februar. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", regte sich Klaus Wiedemann auf, vor allem, als sein Gegenüber ihn unrechten Verhaltens und einer "Sauerei" bezichtigte. "Sie sind doch das größte Schlitzohr, sie wollen nur Geld", schimpfte er. Löhnert bot im Namen der Herwigs und Ochels einen Vergleich an. Gegen Ersatz der Baukostenzuschüsse, rund 120 000 Euro, seien sie zu einem Abschluss des Streits bereit. "Von mir gibt es keinen Cent, und wenn ich bis zum jüngsten Tag warten muss", antwortete Wiedemann. "Unsere Kriegskasse ist voll", bekam er Unterstützung durch seinen Anwalt.
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