Ramadan im Flüchtlingsheim Burbach - Fastenbrechen unter Freunden

Sie feiern Ramadan in Burbach: Alaa Allaham, Mohannad Hardan, Omar Alsanadiki, Burhan Dabaob
Sie feiern Ramadan in Burbach: Alaa Allaham, Mohannad Hardan, Omar Alsanadiki, Burhan Dabaob
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Ramadan öffnet der Speisesaal in der Flüchtlingsunterkunft in Burbach auch nachts.

Burbach.. Eine Handvoll Datteln sind die erste Mahlzeit für Alaa Allaham seit 17 Stunden. Es ist Ramadan. Seit rund drei Wochen fastet der Syrer. Jetzt, um 21.30 Uhr, ist eigentlich die schönste Zeit des Tages. Iftar. Das traditionelle Fastenbrechen. Muslime feiern diesen Moment mit der Familie, den Freunden und Bekannten, mit einem großen Festmahl. Alaa Allaham feiert allein. Seine Familie ist noch immer im umkämpften Syrien. Wie es ihnen geht, weiß er nicht. Die Internetverbindung ist schlecht.

Alaa Allaham sitzt an einem der braunen Holztische im Flüchtlingsheim in Burbach. Vor ihm auf dem Tablett dampft Hühnerfrikassee in einem Plastikbehälter, die silberne Folie abgezogen, der Reis schon fast zur Hälfte aufgegessen. Ob seine Familie in Syrien eine warme Mahlzeit zum Fastenbrechen hat, weiß er nicht.

„Burbach ist etwas Besonderes. Ich habe gehört, dass es in anderen Unterkünften keine Mahlzeiten zum Fastenbrechen gibt“, sagt er und schaufelt Reis auf die Gabel.

Das Team in Burbach plante den Fastenmonat lange im Vorfeld. „Wir haben die Bewohner gefragt, ob sie fasten wollen und bieten jetzt jeden Abend um dieselbe Zeit zusätzliche Essensausgaben an“, sagt Sozialbetreuerin Sadid Ahadi. Datteln wurden geordert. Mit der Frucht beginnt das Fastenbrechen: mit Datteln und einem Schluck Wasser. Dann gibt’s die eigentliche Mahlzeit.

Über Griechenland nach Siegen

Mal sind 80 Bewohner im Speisesaal, mal weit über 100. Weil die Flüchtlinge im Durchschnitt nur drei Wochen in Burbach bleiben, gibt es keine genaue Zahl.

Alaa Allaham ist vor zehn Tagen in die Erstaufnahmeeinrichtung gekommen. Er reiste über Griechenland an, landete irgendwann in Köln, nahm den Zug. Ziel: Siegen. Er hörte schon vorher von der Unterkunft, wollte unbedingt her. In der ehemaligen Kaserne führt er ein gutes Leben, sagt er.

Neben ihm sitzen seine Freunde. Burhan Dabaob und Omar Alsanadiki. Mohannad Hardan hat schon aufgegessen, eine Scheibe Brot liegt noch auf dem Tisch. Sie alle kommen aus Syrien. Sie essen jeden Abend zusammen. Niemand will allein sein. Jeder will Ramadan wenigstens ein wenig feiern, wie er es aus der Heimat kennt.

Extraschichten eingelegt

Im Speisesaal sitzen fast nur junge Männer. Viele sind allein, essen allein und gehen allein. Schnell. Kein Fest. Keine Familie. Nur leises Gemurmel.

Das Küchenpersonal schiebt Extraschichten. Auch die Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst arbeiten länger. Eine kleine Moschee wurde eingerichtet, dort können die Flüchtlinge beten. „Es ist wichtig, dass die Muslime hier ihre Traditionen einhalten können“, sagt Heimleiter Hubert Multhaup.

„Für uns ist es schwieriger, in Deutschland zu fasten als in Syrien“, sagt Mohannad Hardan. 17 Stunden ohne Essen und Trinken. Bei der Hitze in den vergangenen Wochen eine schrecklich lange Zeit. In der Heimat geht die Sonne früher unter. Trotz der schwierigen Bedingungen ist Verzicht für viele wichtig. „Eine schwangere Frau wollte unbedingt fasten. Unsere Sanitätsmitarbeiter haben mit ihr gesprochen und ihr erklärt, dass das gefährlich für ihr Kind sein kann“, erzählt Sadid Ahadi. Verbieten können sie ihr das Fasten nicht. „Viele Bewohner verzichten sogar auf wichtige Medikamente“, sagt Hubert Multhaup. Die Schwangere entschied sich letztendlich doch dagegen.

Stuhlbeine quietschen über Fliesen. Nach kaum einer Stunde hat fast jeder aufgegessen. Die Tische sind abgeräumt. Der Saal ist fast leer. Ein junger Mann im Trainingsanzug fegt Krümel zusammen. Alaa Allaham und seine Freunde stehen auf, stellen die Tabletts weg.

Viele Flüchtlinge sind noch wach. Manche telefonieren, tigern ruhelos über die gepflasterten Wege. Ein Fußball springt einmal, zweimal auf den Boden. Dann rollt er davon. Ein Kind sprintet hinterher.

Die Syrer beten, allein. Frühstück gibt es um 2. Dann beginnen sie wieder: 17 Stunden ohne Essen, 17 Stunden ohne Trinken.

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