Radfahren mit Hindernissen

Kreuztal..  „Lockenwickler“, „Felgentod“. Achim Walder hat putzige Bezeichnungen für Fahrradständer, die alles besser können, als einem Fahrrad sicheren Halt zu geben. „Wenn da das Fahrrad umkippt, ist die Felge hin“, sagt Walder über jene alten Modelle, in denen der Vorderreifen angeschlossen wird und nicht der Rahmen. „In Facebook sagen sie, der wäre geheizt“, kommentiert Walder den „Lockenwickler“. Im Infrastrukturausschuss stellte Walder jetzt seine im Frühjahr vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) veröffentlichte Studie über das Radfahren in Kreuztal vor.

„Ich hatte da schon mal überlegt, selbst mit Farbe zu arbeiten“, kommentiert Achim Walder während seiner Fotoschau für die Kommunalpolitiker die eine oder andere Stelle, wo Sicherheitsstreifen verblasst, Piktogramme und Haltelinien durch Abnutzung oder nach Bauarbeiten verschwunden sind.

Mängel

Der rote Streifen zwischen Schranke und alter Kreuzung mitten auf der Siegener Straße – ein „Radweg“ , der wie eine Verkehrsinsel aussieht. „Der war damals schon umstritten“, erinnert sich Arne Siebel (CDU).
Geisterradfahrer auf dem Bürgersteig der Gegenfahrbahn.
Unübersichtliche Beschilderung: Radwege werden mit „Ende“- und „Anfang“-Schildern unterbrochen, Radfahrer mal auf den Geh- und Radweg gezwungen, dann wieder vor die Wahl zwischen Fahrbahn und Gehweg („Radfahrer frei“) gestellt.
Die nicht beantwortbare Frage, wie Radfahrer aus dem Wendenhof in die Eichener Straße kommen: Beide Einmündungen in die B 517 liegen nebeneinander. „Keiner kann mir sagen, wie man einigermaßen sicher um die Ecke kommt“, bestätigte Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne). Langfristig werde da wohl „eine andere Lösung“ greifen müssen, deutete Arne Siebel (CDU) den nächsten Kreisel-Bau (nach Krombach) an.
Der Radweg auf der Marburger Straße rechts neben den Parkbuchten — Walder warnt vor sich öffnenden Beifahrertüren.
Das abrupte Ende des auf dem Gehweg aus Richtung Eichen geführten Radweges, der vor der Hauptkreuzung in die Rechtsabbiegespur für Autos übergeht — Radfahrer dürfen dort keineswegs einfach weiterfahren, sondern müssen Autos den Vorrang geben.
Das Fahrradverbot auf dem Roten Platz. „Wie will man eigentlich den Fahrradständer am Rathaus erreichen?“, fragt Achim Walder. Das Verbot fällt nach dem Umbau des Platzes, kündigt Stadtbaurat Eberhard Vogel an.
Im (Freizeit-)Radtourennetz die Verbindung Fellinghausen-Eichen. „Das hält kein Rennrad aus“, beanstandet Walder die Schotterpiste. Die Strecke sei viel zu steil, sagt Anke Hoppe-Hoffmann: „Für den Alltag völlig untauglich.“

Vorschläge

Fahrradschleusen vor Ampeln, die das Vorbeifahren bis zur Haltelinie ermöglichen.
Eine Fahrradumleitung über die Eichener Straße, um die enge B-517-Brücke in Eichen zu umgehen.
Einen durchgehenden Fahrradstreifen an der Hagener Straße.
Die Mehrzweckstreifen in Ferndorf und Kredenbach Radwege ausweisen.

Debatte

„Wir werden aus Kreuztal kein Münster, Peking oder Hongkong machen“, kommentierte Arne Siebel (CDU) Walders „sicher sehr aufschlussreichen“ Vortrag. Mehr Raum und Sicherheit im Ferndorftal werde für Radfahrer womöglich nach dem „zügigen Ausbau einer Verkehrsentlastungsstraße“ geschaffen, sagte Siebel, ohne das Wort „Südumgehung“ zu verwenden. Vor Investitionen in den nördlichen Stadtteilen warnte Siebel: Er erinnerte an die vom Landesbetrieb Straßenbau angekündigten Brückenbaustellen. Bis 2022 werde es vor allem darum gehen, sichere Umleitungen für den Radverkehr zu finden.

Jochen Schreiber (SPD) regte an, auch Einzelhändler für Investitionen in moderne Fahrradständer zu gewinnen. „Vor allem ältere Menschen benutzen relativ teure Fahrräder“, sagte Schreiber, „und wir versuchen doch seit Jahren, die Innenstadt besucherfreundlicher zu gestalten.“ Dieter Gebauer (Grüne) wies auf die „neue Mobilität“ hin, die durch Elektrofahrräder erreicht werde: „Darauf muss die Stadt sich einstellen.“ Ordnungsamtsleiterin Andrea Neumann wies auf die Grenzen hin, die die Topografie setzt. An engen Stellen würden Fahrradstreifen nur „trügerische Sicherheit“ vermitteln.