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Projekt in Siegen will Ältere mit Hilfe von Smartphones mobil halten

14.08.2012 | 12:00 Uhr
Projekt in Siegen will Ältere mit Hilfe von Smartphones mobil halten

Siegerland.   Ältere Menschen wollen trotz Einschränkungen weiter mobil bleiben. Dabei soll eine internetbasierte Mobilitätsplattform helfen, die jetzt in der Modellregion Siegen und im Landkreis Siegen-Wittgenstein entwickelt wird.

Ältere Menschen wollen trotz Einschränkungen weiter mobil bleiben. Verminderte motorische Fähigkeiten und Ängste, z.B. vor Stürzen und Verletzungen, deren Risiko sich im Alter erhöht, behindern jedoch die Mobilität. Im Projekt „Sehr Mobil 100“, an dem unter anderem die Uni Siegen, die Stadt, der Kreis und der DRK-Kreisverband beteiligt sind, wird in der Modellregion Siegen und im Landkreis Siegen-Wittgenstein eine internetbasierte, altersgerechte und generationsübergreifende Mobilitätsplattform entwickelt, implementiert und evaluiert. Der Kreis sei wegen seiner Weitläufigkeit optimal für den Piloteinsatz eines solchen Systems. Der Siegener Soziologe Dirk Bender erklärt im Interview, was es mit dem Projekt auf sich hat.

Was genau verbirgt sich hinter „S-Mobil“?

Dirk Bender: Der Name S-Mobil steht für „Sehr Mobil“. Ziel des Projekts ist es,  Senioren in der Stadt Siegen und im Kreis Siegen-Wittgenstein durch den Einsatz aktueller technischer Entwicklungen besser und länger eine selbstbestimmte räumliche Mobilität zu ermöglichen .

Wie soll das funktionieren?

Basis des Systems ist eine Vernetzung der vielfältigen Möglichkeiten von Mobilität vor Ort. Dies bedeutet; ÖPNV, private Dienstleister, aber auch Einzelpersonen aus dem privaten Umfeld der potenziellen Nutzer werden in einem Verbund organisiert. Diese Möglichkeiten werden durch nutzergerecht gestaltete Hilfsmittel und Programme (Apps) – wie Handys, Tablet-PCs, Fernsehgeräte oder Computer – ergänzt. Zentral und neu ist dabei zum einen die Bündelung verschiedenster Dienstleistungsanbieter, aber auch die Einbeziehung von Nachbarschaftshilfe als eine tragende Säule von Mobilität. Konkret bedeutet dies, dass Personen in ihrer Region ihre privaten Fahrten in das System einspeisen können. Beispiel: Herr Müller fährt morgen um 9.30 Uhr von A nach B und könnte zwei Personen mitnehmen. Dieses Einbringen von Hilfe durch private Personen soll dabei als Nachbarschaftshilfe im weitesten Sinne verstanden werden.

Dirk Bender (Soziologe), Anja Heiden (Stadt Siegen), Reiner Jakobs (Kreis Siegen-Wittgenstein)

Und es funktioniert natürlich auch andersherum. Beispiel: Frau Musterfrau möchte von zu Hause, oder aber auch von unterwegs, zu einem bestimmten Ziel gelangen und zu einer bestimmten Zeit wieder zu Hause sein. Sie kann schnell und einfach Ihre Suche nach einem geeigneten Transportmittel in der Sehr-Mobil-Plattform eingeben. Ihre aktuelle Position wird dabei berücksichtigt.

Bei der Suche werden sowohl öffentliche Transportmittel, Taxis, Fahrdienste freier Träger sowie auch privater Personen berücksichtigt. Frau Musterfrau sucht ein passendes Angebot in der Sehr-Mobil-Plattform aus. Die entsprechende Buchung wird automatisch versendet. Frau Musterfrau erhält eine geschätzte Abholzeit und eine Buchungsbestätigung.

Ein möglicher Vorschlag eines solchen Systems: In 50 Metern Entfernung ist eine Bushaltestelle, von der in sieben Minuten ein Bus der Linie XY nach B fährt. Von der aus wird ein Taxi sie bis Endziel C fahren. Die Rückfahrt ist in einer Stunde, Frau YZ holt sie an C ab und wird sie bis nach Hause mitnehmen.

Wer gehört zur Zielgruppe?

Angedacht ist das System in seiner jetzigen Konzeption für Senioren, welche durch individuelle Einschränkungen nicht mehr autonom in ihrer Mobilität sind, also z.B. keinen eigenen PKW mehr führen . Perspektivisch sind also mehr oder weniger alle Siegener bzw. Siegerländer und Wittgensteiner irgendwann einmal potenzielle Systemnutzer.

Wann ist das System einsatzbereit?

Die Projektlaufzeit ist auf drei Jahre angelegt. In diesem Zeitraum werden die teilnehmenden Projektpartner ein lauffähiges System präsentieren können.

Gibt es schon Erfahrungen damit?

Nein, Stadt und Kreis sind zwei von acht Partnern bei der Entwicklung des ersten Systems. Wir als Städte und Gemeinden, aber auch die teilnehmenden Bürger in Stadt und Kreis sind quasi Mitentwickler dieses Systems. Eine spätere Übertragung des Systems in andere Regionen Deutschlands ist nach Ablauf des Projekts erwünscht und gewollt.

Wie viel wird es den Verbraucher kosten?

Da das Projekt zur Zeit noch in den Kinderschuhen steckt, ist eine konkrete Aussage hier nicht machbar. Eine möglichst kostengünstige Ausgestaltung ist jedoch eine der höchsten Prioritäten für ein möglichst erfolgreiches Projekt und daher auch für Stadt und Kreis sehr wichtig. Hauptpunkt auf der Kostenseite ist natürlich die Nutzung der Transportmittel und nicht die Kosten für das System. Für die Bürger, die im Projekt als Tester aktiv mitwirken, ist die Teilnahme kostenlos. Auch die Geräte wie Handys oder Tablet PCs werden durch das Projekt gestellt. Für die genutzten Verkehrsmittel sind natürlich die normalen Preise von den Teilnehmern zu zahlen.

Mit wie vielen Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein als potenzielle Kunden und Nutzer der Plattform rechnen Sie?

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist perspektivisch von 25% bis 35% aller Einwohner im Projektgebiet auszugehen . Mögliche Erweiterungen bei erfolgreichem Systemstart können die Angebote und Nutzergruppen gegebenenfalls noch erweitern.

Von Sinan Sat


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