Professur soll neue Lehrer in Kolleg bringen
14.01.2010 | 22:00 Uhr 2010-01-14T22:00:00+0100
Siegen. Der Fachkräftemangel in der Region wurde durch die Krise nicht behoben. Und die Ausbildung der Nachwuchskräfte hakt auf lange Sicht.
Es gibt nicht genügend gut qualifizierte Berufschullehrer für die gewerblich-technischen Berufe. Doch Kreis, Kammern und Gewerkschaften steuern gemeinsam gegen. Ein erster Schritt wurde mit der Erweiterung des Lehrerseminars getan: Beim Land NRW wurde erreicht, dass nun auch Berufschullehrer in Siegen ausgebildet werden können. Ein ganz wichtiger Schritt, betont Wirtschaftsförderer Reinhard Kämpfer. „Wir setzen auf den Klebeeffekt.” Denn wer aus der Region kommt oder hier studiert hat, bleibt leichter zum Arbeiten vor Ort. Bislang war Hagen das nächstgelegene Studienseminar für Berufschullehrer – Referendare kamen daher kaum an den Kollegs in Siegen an. Das ändert sich nun: Die ersten angehenden Lehrer werden hier ausgebildet.
Siegen erste Adresse für Lehrerbildung
Ohnehin ist das Siegener Seminar eine der ersten Adressen des Landes, wenn es um die Lehrerausbildung geht. Allerdings kann trotz mehrerer Quereinsteiger nur bedingt dem drohenden Lehrermangel am Berufskolleg Technik – ein Drittel der Lehrer geht in den kommenden Jahren in Rente – gegengesteuert werden. Denn zu wenige Nachwuchs-Ingenieure nutzen die Chance, zusätzlich auch Pädagogik zu studieren und sich so eine Doppelqualifikation zu sichern. „Von 160 Ingenieur-Studienanfängern belegen aktuell gerade sechs auch zusätzlich Lehramt”, weiß Kämpfer. Teils ist das nachvollziehbar: Denn als Ingenieure können sie viel mehr verdienen. Daher wird bei Berufswahlveranstaltungen und in der gymnasialen Oberstufe der Kollegs für den zusätzlichen Abschluss geworben.
Wirtschaftskrise ließ Firmen zögern
Eine Stiftungsprofessur soll helfen. Alle Modalitäten dafür sind mit der Uni abgeklärt. Das Besetzungsverfahren könnte beginnen, sobald die Finanzierung steht. Landrat Paul Breuer hat in Abstimmung mit IHK, Arbeitgebern und DGB bereits 2008 die Aufgabe übernommen, dafür persönlich Zuschüsse von potenten Firmen zu sammeln. Denn für die fünfjährige Startphase werden 550 000 Euro benötigt. „Der Landrat sollte sich weniger um Wisente kümmern und mehr darum, Gelder für die Stiftungsprofessur einzuwerben”, kritisiert DGB-Chef Willi Brase. „Die Region braucht auch zukünftig gut ausgebildete Facharbeiter.”
Doch Klaus Gräbener von der IHK nimmt Breuer in Schutz: „Er muss den richtigen Zeitpunkt abpassen und die richtigen Leute erreichen.” Mit der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr sei es eben schwer bis unmöglich gewesen, Unternehmen von einem fünfjährigen finanziellen Engagement zu überzeugen. Dass dies gelingt, sind sich Breuer und Gräbener sicher. Daher wird es schon bald eine Geberrunde geben. Erste Zusagen für eine finanzielle Unterstützung liegen vor – von der SMS Siemag und der IG Metall. Auch Olpes Landrat Frank Beckehoff hat Breuer mit im Boot: „Wir werden in Siegen einen Ausbildungsschwerpunkt für die Lehrerbildung in technischen Berufen einrichten. Da sind wir besser aufgestellt als jede andere Uni.”
0mitdiskutieren