Professoren-Trio stellt sich künstlerisch vor

„Permayouth“ von Stefan Wissel (2009, Bronzeguss) ist für die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst aus einer Privatsammlung ausgeliehen.
„Permayouth“ von Stefan Wissel (2009, Bronzeguss) ist für die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst aus einer Privatsammlung ausgeliehen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Sie lehren Kunst – und sie machen Kunst. Die Professoren Christian Freudenberger, Uschi Huber und Stefan Wissel stellen im MGK aus. Und nun: Enter!

Siegen..  Kehrfahrzeuge sind adrette Gesellen. Wer es nicht glaubt, kann sich von Uschi Huber im Museum für Gegenwartskunst (MGK) überzeugen lassen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Christian Freudenberger und Stefan Wissel stellt sie bis 2. August dort aus. Seit 2011 wurden die künstlerischen Professuren im Fach Kunst an der Uni Siegen neu mit dem Trio besetzt. Jetzt stellt es sich mit „Freudenberger, Huber, Wissel – Enter“ der Öffentlichkeit vor.

„Wir haben die Antrittsvorlesung neu interpretiert“, sagt MGK-Leiterin Dr. Eva Schmidt. Es sei „eine weitere Perle an der Perlenkette von Zusammenarbeiten mit der Universität Siegen“.

Schritt vors Siegener Publikum

„Enter“ bedeutet „eintreten“, ebenso aber das Drücken der Eingabetaste am Computer. Die Doppeldeutigkeit ist Programm, denn die neuen Professoren treten mit ihrer Ausstellung nicht nur in die Siegener Öffentlichkeit ein; analog zu einer Internet-Suchanfrage nach ihren Namen, die via Enter-Taste ins Netz geschickt wird, ist die Präsentation wie eine Trefferliste. Unterschiedliche Positionen liegen dabei schon in den Professuren begründet, die die Akteure besetzen: bei Freudenberger Malerei und Druckgrafik, bei Huber künstlerische Fotografie, bei Wissel „Kunst mit Schwerpunkt Plastik“.

Dennoch prallen in den beiden gemeinsam genutzten MGK-Räumen keine disharmonischen Gegensätze aufeinander. Die Künstler notierten Titel und Urheber nicht unmittelbar bei jedem Werk, sondern gesammelt auf Übersichten am Eingang. Wer auf dieser Grundlage im ersten Raum zugeordnet hat, welches Stück von wem stammt, kann es im zweiten Saal schon ohne Blick aufs Infozettelchen erschließen – weil die individuellen Handschriften in den Exponaten unverkennbar sind.

Uschi Huber befasst sich unter anderem mit dem öffentlichen Raum: „Er verändert sich ständig, und das beobachte ich.“ Folglich geht es ihr auch um die Wahrnehmung dieses Raumes, von „Dingen, die man als bekannt eingeordnet hat“. Die Kehrfahrzeuge zum Beispiel: Huber lässt Videoprojektionen laufen, in denen die Maschinen bei der Arbeit in Köln zu sehen sind. Es ist Alltag, Passanten ziehen achtlos vorüber.

Der Tanz der Kehrmaschinen

Doch im Blickfeld der Kamera erscheinen die Bewegungen der Kehrfahrzeuge wie durchchoreographiert, in ihrer präzisen Ruhe elegant. Und sobald zwei Wagen in einem Bereich unterwegs sind, umeinander kreisen, aneinander vorbeigleiten, entsteht der Eindruck von einem Tanz, der dem flüchtigen Alltagsblick entgeht.

Stefan Wissel setzt ebenfalls Vertrautes in Szene. „Business Class“ heißt eine Installation. Auf einer Stahlrampe mit angewinkelten Ausläufern stehen zwei Aktenkoffer im rechten Winkel zueinander. Die für das Werk als Selbstzweck geschaffene Stahlform geht mit Linien und Material der Koffer eine Symbiose ein, in der sich die unterschiedlichen Kontexte – Gebrauchsgegenstände hier, Skulpturbaustein da – auflösen.

In Christian Freudenbergers großformatigen Bildern ist das Grafische vorherrschend. Er arbeitet mit Druckverfahren, in Acryl und mit Collagen. Raster und Gitter, auch lineare Farbübergänge illustrieren strenge Struktur, die durch kleine Tupfer oder Unregelmäßigkeiten konterkariert wird. Der Bildaufbau wird zum Motiv, Proportionen und Verhältnismäßigkeiten rücken in den Vordergrund.

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