Produktionsverlagerung - Dunkle Wolken über Eisen und Stahl

Ausländische Konkurrenz macht der heimischen Industrie zu schaffen.
Ausländische Konkurrenz macht der heimischen Industrie zu schaffen.
Foto: ddp
Was wir bereits wissen
  • Südwestfälische Unternehmen, die Eisen und Stahl verarbeiten, denken verstärkt über eine Produktion im Ausland nach.
  • Grund sind hohe Energiepreise, Umweltvorschriften sowie hohe Lohn- und Lohnstückkosten
  • Ein Walzenhersteller eröffnet demnächst ein zweites Werk in Indien

Südwestfalen.. Geteilte Konjunktur - dieser Begriff wabert durch die Konjunkturumfragen von südwestfälischen Industrie- und Handelskammern und Wirtschaftsverbänden. Aber was bedeutet er wirklich? In erster Linie, dass es keine einheitliche Wirtschaftsentwicklung in der drittstärksten Industrieregion Deutschlands gibt. „Sonnenschein über den Autozulieferern, dunkle Wolken über allem, was mit Eisen und Stahl zu tun hat“ - so beschreibt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, die augenblickliche Lage.

Diesel Und mit Eisen und Stahl zu tun haben viele Unternehmen in Südwestfalen, besonders im südlichen Teil: Schmieden, Gießereien, Walzenhersteller, Maschinen- und Anlagenbauer. Sie drückt die Kombination von Konjunktur, Strompreisen und hohen Lohn- und Lohnstückkosten am Standort Deutschland. Und sie suchen nach Auswegen. Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben begonnen. „Viele wären nicht glücklich über einen Abschluss über 3,5 Prozent“, sagt Gräbener.

Produktion in Indien

Was das bedeuten kann? „Wir haben ein Grundstück im indischen Chandigar nördlich von Neu Delhi gekauft, das gerade erschlossen wird. Im kommenden Jahr werden wir dort produzieren und 250 Menschen beschäftigen“, sagt Dr. Jaxa von Schweinichen, Geschäftsführer von Walzen Irle in Netphen. Ein weiteres Werk in Indien mit 120 Mitarbeitern besteht schon. Seinen Angaben zufolge hat das Unternehmen die Produktion von kleinen Walzen mit einem Gewicht von fünf bis acht Tonnen in Netphen eingestellt: „Das hat Arbeitsplätze gekostet, aber das ist jetzt erledigt.“

In Netphen bleibt die Produktion von schweren Walzen. Von Schweinichen, der die Zukunft der Gießereien in Deutschland nicht rosig sieht, kündigte an, möglicherweise auch die mittlere Gewichtsklasse an Walzen ins Ausland zu verlagern. Gräbener zufolge ist die Abwanderungstendenz in der Branche nicht neu - manche Unternehmen gründeten Firmen ohne Tarifbindung - aber die Betriebe dächten intensiver und konsequenter darüber nach.

Andere Gründe

Ganz andere Gründe, Teile im Ausland zu produzieren, hat die Autozulieferindustrie, Südwestfalens Vorzeigebranche. Sie muss ihren Kunden auf die Hauptabsatzmärkte in China und den USA folgen, so der gängige Lehrsatz. Und das tut sie. Dr. Stephan Guth, Geschäftsführer beim Arnsberger Autozulieferer A+E Keller, bereut den Schritt nicht, einen neuen Produktionsstandort mit 150 Mitarbeitern in Peking unweit des Daimler-Werks aufgebaut zu haben.

TTIP Den chinesischen Markt habe man vorher nicht bedienen können. Folge: „Dadurch konnten wir die Zahl der Arbeitsplätze in Arnsberg auf 200 ausbauen.“ Nun denkt Guth darüber nach, auch noch ein Produktionswerk in den USA oder Mexiko aufzubauen. „Dazu suchen wir noch einen Kooperationspartner. Das könnte sich 2017 entwickeln.“ Zur Vorsicht rät dagegen der Gevelsberger Unternehmer Axel Vollmann. Er könne eine Auslandsverlagerung nicht per se empfehlen, sagt er. Viele kleinere Zulieferer wären auch organisatorisch damit überfordert. Dies löse enormen Anpassungsdruck am Stammsitz aus . Die Firma Vollmann setzte daher lieber auf Zukäufe.

Alle Autozulieferer hätten Produktion im Ausland, sagt Arndt Kirchhoff, Chef von Kirchhoff Automotive in Attendorn. Die Frage sei: „Verschärfen wir das noch? Wir müssen doch die Produktion in NRW halten.“ Selbst die Kirchhoff-Gruppe schaffe es nicht mehr, in NRW Arbeitsplätze in der Produktion aufzubauen.