Poststempel erzählen Kredenbachs Geschichte

Manfred Hofmann hat auch Freistempel gesammelt: Abdrucke aus den Frankiermaschinen Kredenbacher Unternehmen.
Manfred Hofmann hat auch Freistempel gesammelt: Abdrucke aus den Frankiermaschinen Kredenbacher Unternehmen.
Foto: WP

Kredenbach..  675 Jahre hat Kredenbach gefeiert, zurückgeblickt auf eine Geschichte, die mit einem Hof beginnt, aus dem ein Weiler und später ein (Industrie-)Dorf hervorgeht. Man kann die Geschichte aber auch ganz anders erzählen, zumindest über einen kürzeren Zeitraum: Manfred Hofmann, Philathelist aus Eichen und Chronist der Post vor allem im nördlichen Siegerland, lässt Poststempel erzählen.

Kredenbach über Kreuztal (1)

Kredenbach über Kreuztal (Kr Siegen): „Mit der Landpost fing es an.“ Am 1. November 1933 im Hause von Ewald Hahn im heutigen Amselweg 5, wo auch einer der beiden öffentlichen Fernsprecher des Dorfs aufgestellt wurde. Der rechteckige Stempel kommt auch auf Briefe und Postkarten, die dort abgegeben werden. Neben die Briefmarke. Deren Entwertung mit dem runden Tagesstempel bleibt dem Postamt in Kreuztal vorbehalten. Beim Reichspostzentralamt in Berlin-Tempelhof wurden die Ausrüstungen für die Kreuztaler Landzusteller bestellt, 25 Ledertaschen, ebenso viele Innentaschen und ein Schlüsselschrank für 16 Schlüssel.

Kredenbach über Kreuztal

Kredenbach über Kreuztal (Kr Siegen) — jetzt aber als runder Stempel, zwischen zwei Kreisen beschriftet, mit dem Datum in der Mittelachse: der Tagesstempel, den die Kredenbacher Post nach ihrer Erhebung zur „Poststelle I“ im Mai 1944 selbst auf die Briefmarken setzen darf. Dieser Stempel überdauert alles, die Nazi-Diktatur, die Währungsreform, den Mauerbau. Auch die Umzüge in die Marburger Straße 379 (von 1937 bis 1946) und 405 (von 1946 bis 1973) Er ziert die Marken des Deutschen Reichs, der „Am(erikanischen)Post“ und der Deutschen Post. 10 Pfennige hat der Absender für die Briefmarke mit Bundespräsident Theodor Heuss bezahlt, der ans Honighaus Bienenfleiß in Niendorf ging.

Vom 27. Dezember 1944 stammt der erste Abdruck in Manfred Hofmanns Sammlung, vom 15. Januar 1963 der letzte. „Kr Siegen“, ohne Punkt hinter den „r“, betont Hofmann. „Das ist das Besondere an der Post.“ Und wirklich immer derselbe Stempel? Wahrscheinlich nicht — der Durchmesser, im Original 28 Millimeter, würde es verraten. „Da müsste ich mal messen.“

21 b Kredenbach

Die Gebietsleitzahl „21 b“ gilt seit 1943 für Ruhrgebiet und Südwestfalen, erscheint aber nicht auf dem Tagesstempel. Verwendet wird die 21 b aber auf den Absender-Freistempeln, zum Beispiel seit 1955 von der Spedition Gustav Menn.

5911 Kredenbach

Bei der Einführung der vierstelligen Postleitzahlen 1963 ist Kredenbach dabei. Ansonsten ist Kredenbach immer noch ein richtiges Dorf, mit Hausschlachtungen, Ziegen, Schafen, Hühnern und Bienen – dokumentiert im neuen Kredenbach-Buch von Dr. Hartmut Müller.

591 Kreuztal-Kredenbach

591 Kreuztal, Westf - Kredenbach. Auch hinter dem „f“ ohne Punkt. Nach der kommunalen Neugliederung ist Kredenbach ab 1. Januar 1969 nur noch ein Stadtteil von Kreuztal. Manfred Hofmann hat den Brief aufbewahrt, in dem Bürgermeister Hilmar Selle und Stadtdirektor Eugen Röller, bis zur Kommunalwahl noch umständlich als „Beauftragte für die Aufgaben des Bürgermeisters/des Stadtdirektors“ zeichnend, die lieben Mitbürger in der jungen, 28 500 Einwohner großen Stadt am Kindelsberg begrüßen. „Wir bedauern zutiefst den Verlust des Siedlungsgebiets Neulohe“ — das nämlich jetzt zum Hilchenbacher Stadtteil Dahlbruch gehört.

591 Kreuztal-Westf 9

Erst sind die Landzusteller verschwunden, nämlich zum 1. April 1970, die Kredenbach fast 40 Jahre zuvor zu begrenzter postalischer Eigenständigkeit verholfen haben. Dann Kredenbach selbst, auf dem Tagesstempel ersetzt durch eine Ziffer. Bis 1984 wird jetzt so gestempelt, bis 1994 dann mit der auf vier Stellen ergänzten „5910“. Die Post sucht schon früh Hilfspersonal. „Nur keine Angst, Sie werden ausgebildet“, steht auf dem Flugblatt von 1971. 1973 zieht die Poststelle noch einmal um: nach Altlohe 3, in einen Anbau an den Gasthof Hahn. Viel los gewesen ist scheinbar schon in Kreuztal 9 nicht mehr. Am 2. Dezember 1974 holte sich Hofmann den Einlieferungsschein mit der Nummer 2, auf den Tag ein Jahr später wird die Nummer 14 von der Rolle gerissen.

57223 Kreuztal-Westf 9

Zum 1. Juli 1993 werden die gesamtdeutschen, fünfstelligen Postleitzahlen eingeführt. Kredenbach ist längst ein Industrieort geworden, mit Gewerbegebieten und Neubausiedlungen auf beiden Seiten des Ferndorftals.

57223 Kreuztal 1

Am 13. November 1995 eröffnet bei der Bäckerei Fischer Kreuztals erste Postagentur – von nun an verschwinden die Postämter Zug um Zug von der Landkarte. Manfred Hofmann holt sich wie üblich den Einlieferungsschein mit der laufenden Nummer 001 — es habe eine Zeit gegeben, da habe die Post die für sich behalten. „Aber mittlerweile kriege ich die wieder.“ Beim Bäcker wird in den ersten Tagen noch mit dem alten Stempel gestempelt. Und jetzt wird’s speziell: Das „a“ im inneren Kreis gehört dem Postamt (dem Schalter 1). Am 17. November passt es dann. „zz“ ist das Kürzel für die Postagentur. Und die „9“ für Kredenbach ist nun auch noch weg. Die letzte Kredenbacher Post-Episode dauert — nach anderthalb Jahren postloser Zeit — vom 16. Mai 2003 bis zum 13. Mai 2005, noch einmal im alten Postamt in Altlohe. Auch das verrät der neue Stempel: Die Buchstaben „PS“ stehen für „Postservice“ .

Das nächste Jubiläum steht schon vor der Tür

Für den Philatelisten ist die Kredenbacher Postgeschichte, bei der ihm der Kredenbacher Ortschronist Dr. Hartmut Müller und – als Landpost-Fachmann – der Vorsitzende der Netphener Briefmarkenfreunde, Wilfried Lerchstein, unterstützt haben, abgeschlossen.

In den Blick nimmt Manfred Hofmann nun den Nachbarort. Ferndorf feiert 2017 seine 950-Jahrfeier. Das wäre dann „Kreuztal 4“ – Stoff für eine Ausstellung.