Philharmonie Südwestfalen begeistert Zuhörer bei Kultur Pur

Philharmonie Südwestfalen spielt auf dem Giller ein Mords-Programm.
Philharmonie Südwestfalen spielt auf dem Giller ein Mords-Programm.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nein, Chef Charles Olivieri-Munroe dirigiert seine Philharmoniker nicht mit Messer oder Pistole. Sein Tatwerkzeug ist der Taktstock.

Hilchenbach.. Nur sieht Olivieri-Munroe mit schwarzem Hemd und der roter Krawatte lässiger aus als sonst. Es geht an diesem Sonntagabend um Drama, Intrigen, Morde, Leichen und die Musik, die diese Freveltaten begleitet.

Das Programm startet mit der Tatort-Melodie. Und wer passt dazu besser als ein Tatort-Urgestein: Udo Wachtveitl, als Kommissar Franz Leitmayr ebenso lang im Münchener Team wie Kultur Pur auf dem Giller: 25 Jahre. Und er geizt nicht mit Schmankerln aus dem Innenleben der Serie und begleitet das Programm locker, einmal sein Arbeitsgerät demonstrierend: Die Pistole.

Der Bogen beginnt beim Phantom der Oper und spannt sich über den Mackie-Messer-Song von Kurt Weill bis zum seltsamsten Mordwerkzeug des Abends: Maxwells Silberhammer, dem skurrilen Geniestreich aus der Feder von John Lennon und Paul McCartney. Man hört einen Mundharmonikaakkord und weiß: Den spielte Charles Bronson auf einem gottverlassenen Bahnhof, bevor er drei bis an die Zähne bewaffnete Killer erschoss. Wie süß kann filmische Rache sein.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ ist die bekannteste Melodie, die das Töten begleitet. Höhepunkte des Abends sind Ausschnitte aus Puccinis „Tosca“, die auch nach über 100 Jahren zu den meistgespielten Opern zählt. Italienisch-dramatisch, klagend-anklagend, euphorisch-tieftraurig: Die Gefühlsachterbahn einer Frau, die ihren Geliebten verliert. Der liegt am Ende erschossen auf dem Bühnenboden des Zelttheaters. Großartig mit einigen Prisen Ironie dargestellt von zwei opulenten Opernstimmen: Der Dänin Majken Bjerno und Niclas Oettermann.

Doch der sehr, sehr lange Beifall gehört in erster Linie der Philharmonie Südwestfalen, die leichtfüßig bis dramatisch von einem Mord bis zum nächsten musiziert. Sichtlich und hörbar mit viel Spaß, einschließlich des Dirigenten, den man selten so locker erlebt hat.

Die Besucher werden den nächsten Münchener Tatort aufmerksam verfolgen und erzählen: Kommissar Leitmayr hat vor uns gestanden, sympathisch, witzig, mit angenehmer Stimme. Ein Glücksgriff. Festival-Macher Wolfgang Suttner kann mit der Eigenproduktion zufrieden sein. Sie hat gezündet, todsicher.