Perspektiven für Netphens Stadtmitte

Der Rewe-Umbau soll das Zentrum in Schwung bringen.Foto:Steffen Schwab
Der Rewe-Umbau soll das Zentrum in Schwung bringen.Foto:Steffen Schwab
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Netphen..  Bürgermeister Paul Wagener drängt auf die Errichtung eines Discountmarkts im Einkaufszentrum. Eine „einmalige Chance“ biete sich im Bereich des Postgebäudes, das heute nur noch Verteil­zentrum ist und von der Stadt gekauft wurde — wenn die Eigentümer der Nachbargebäude, in denen sich auch ein Norma-Markt befindet, mitspielen. Eines von drei großen Themen in der Etatdebatte.

1. Das Einkaufszentrum:
Bewegung beschleunigen

In seiner Haushaltsrede im Rat lobte Wagener die von Rewe-Petz angestoßene Entwicklung: Der umgebaute Rewe-XL-Markt wurde in dieser Woche eröffnet. Zur Talstraße hin öffnet sich nun ein Bäckerei-Café, daneben wird ein Rossmann-Drogeriemarkt einziehen.

Die entstandene Bewegung, so formulierte es Manfred Heinz (SPD) in seiner Erwiderung, „sollten wir aktiv beschleunigend fortsetzen“. Heinz schlug vor, den Schotterparkplatz zwischen Bahnhof- und Talstraße für die Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern freizugeben; das stadteigene — dritte — Parkdeck im Rewe-Komplex genüge. Iris Cremer (CDU) hatte das ähnlich gesehen: „Vielversprechend“ seien die Pläne für das Einkaufszentrum. Der Parkplatz soll allerdings bleiben: Die CDU-Fraktionschefin forderte, die schon 2014 bereitgestellten 45 000 Euro für die Teerung des Platzes nun „entsprechend zu verwenden“.

2. Demenzzentrum und
Demler: „Auf gutem Weg“

„Auf einem guten Weg“ sieht der Bürgermeister auch das andere große Stadtentwicklungsprojekt: Die Verlagerung der Baufirma Demler aus der Stadtmitte in das neuen Dreis-Tiefenbacher Gewerbegebiet „Im Bruch“ und die Ansiedlung einer Wohn- und Betreuungseinrichtung für Menschen mit Demenz auf dem freiwerdenden Gelände zwischen Bahnhof- und Lahnstraße. Das Projekt sei „auf der Zielgeraden, doch dabei müssen wir immer wieder Sand aus dem Getriebe wischen“.

Was damit gemeint war, machte Helmut Buttler (UWG) deutlich: Grundstückseigentümer in Dreis-Tiefenbach „blockieren durch ihre überzogenen, ungerechten Forderungen die Umsetzung der Planungen“. Eine „Blockadehaltung“ warf Manfred Heinz (SPD) allerdings auch den Jamaika-Fraktionen CDU, Grüne und FDP vor: „Machen Sie keine Verhinderungspolitik aus Bockigkeit.“

Gestritten wurde in den letzten Wochen darüber, wie die Stadt den Grunderwerb für das Demenzzentrum subventionieren könnte. Heinz erinnerte daran, dass die Stadt in den 1980er Jahren auch das Haus St. Elisabeth, an das die neue Einrichtung angegliedert wird, mit 250 000 Mark bezuschusst hat. „Das waren Ihre Vorgänger, die hatten Weitblick.“ Iris Cremer (CDU) wies die Kritik zurück. Voraussetzung sei, dass die Stadt erst einmal selbst Eigentümerin des Demler-Geländes werde: „Wir sind nicht gegen das Demenzzentrum.“

3. Der Sportpark:
Heißes Eisen

Das heißeste Eisen, die Entwicklung des Freizeitparks, diskutierte der Rat nur in Andeutungen: Der Sportpark mit Eisstadion, Tennishalle und Fitnesseinrichtungen wird zwar noch bis Mitte 2019 von der bisherigen Betreibergesellschaft weitergeführt. Die Stadt, die schon für 400 000 Euro das Dach der Tennishalle erneuern ließ und am Ende Eigentümerin der privat getätigten Investitionen in gleicher Höhe wird, bekommt allerdings keine Pachtzahlungen mehr, sondern wird am Gewinn beteiligt. Das Eisstadion wird weiterbetrieben, solange Dach und Kältetechnik halten. Vor einer Woche hat der Rat dieser Regelung zugestimmt und einem anderen Interessenten an der Anlage abgesagt.

Erklärlich werden Warnungen, die Bürgermeister Wagener im Zusammenhang mit dem vom TVE geplanten Gesundheitszentrum am Gymnasium aussprach: Die vorgesehenen Geräte seien bereits im Gesundheitszentrum des städtischen Freizeitbades und im Fitnesszentrum des Sportparks vorhanden. Zu befürchten seien Folgen für die Freizeitpark Obernautal GmbH (FON), deren erhöhtes Defizit die Stadt begleichen müsse, und für die „anderen städtischen Pächter“, womit die Sportpark GmbH (SPS) gemeint war. „Zielführender“ sei es, die Sporteinrichtung des TVE im Bereich des Freizeitparks „in bestehende Strukturen einzubetten“.

Zwischen Karibik-Urlaub und Konzern-Speisesälen

Ihm fehle „eine Entwicklungsdiskussion über dieses Thema“, sagte Manfred Heinz (SPD). Brachialer argumentierte Klaus Kopetzki (FDP). Die Begründung für den Verzicht auf Pachtzahlungen, die sowieso seit 2012 nicht mehr geflossen sind, nannte er eine „Ausrede“. Noch nicht einmal mehr im Jahresabschluss des Freizeitbades seien die Außenstände aufgelistet. „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Ein solches Verhalten ist gegenüber den Netphener Bürgern veranwortungslos.“Darüber wurde in der Haushaltsdebatte im Netphener Rat auch noch gesprochen:
Wahlkampf: „Fairplay“ wünscht UWG-Fraktionschef Helmut Buttler, der dem Kampf um das Bürgermeisteramt „mit Spannung, aber gelassen“ entgegensieht. „Rustikale Gesundheit und guten Erfolg, damit Sie weitere fünf Jahre für das Wohl der Stadt arbeiten können“ — das gab SPD-Fraktionschef Manfred Heinz Bürgermeister Paul Wagener mit auf den Weg. Klaus Kopetzki (FDP), der Wageners Kandidatur 2009 noch unterstützt hatte, wähnte sich dagegen „unter Umständen“ in der letzten Haushaltsdebatte, „an der unser Bürgermeister Paul Wagener beteiligt ist“.
Persönliches: Um die Mehrheit für den Stellenplan zu retten, gab Bürgermeister Wagener nach. Auf Wunsch der CDU ist die Stelle von Bürgermeister-Referentin Anja Schmallenbach „künftig wegfallend“. „Was für ein Signal senden Sie da an die Mitarbeiterin?“, fragte Wagener. Nur das beste, antwortete Helga Rock (Grüne): Der Rat sichere sich so seinen Einfluss, damit Wagener die Stelle nicht selbstständig neu besetzen könne. Manfred Heinz (SPD) griff das Lob für den derzeit amtierenden Kämmerer Hans-Georg Rosemann auf. „Machtpolitisch eher provinziell“ sei da die Weigerung der Mehrheit, ihn zum Kämmerer zu wählen.
Ratssitzungen: Bürgermeister Wagener überraschte mit der Ankündigung, dass der Rat ein oder zwei Mal im Jahr in den Räumen eines Unternehmens tagen werde, erstmals im Mai im neuen Bombardier-Technikzentrum. „Ich werde diese Ratssitzung nicht besuchen“, kündigte Manfred Heinz (SPD) an, „ich möchte Sitzungen im Rathaus abhalten und nicht im Speisesaal eines international agierenden Konzerns.“
Facebook: In den Fußstapfen des früheren Landrats Paul Breuer wähnt Klaus Kopetzki (FDP) den Bürgermeister, er sei „mittlerweile fast ebenso häufig in den Medien präsent“. Kopetzki griff den von Wagener bei Facebook beförderten Schlagabtausch über den Karibik-Urlaub eines Stadtverordneten auf. „Nicht jeder will seinen Urlaub in einer Jugendherberge verbringen. Da muss auch schon mal die MS Aida reichen.“
Bahnhof Dreis-Tiefenbach: Wegen einer Bodenverunreinigung will der Kreis dort keinen Kindergarten mehr bauen lassen. Helmut Buttler (UWG) fordert für den Bereich „eine städtebaulich sinnvolle Lösung“. Bürgermeister Paul Wagener schwebt das Beispiel der Altlastensanierung auf dem Susan-Gelände vor, wo jetzt ein Wohnviertel entsteht. Damit sei aber das Kita-Problem nicht gelöst, mahnt Helga Rock (Grüne). Zwei Gruppen fehlen. Ein ausreichendes Angebot sei „zwingend“. um junge Familien für die Stadt zu gewinnen.