Pädagogen in Siegen kritisieren Bachelor- und Masterpläne
03.12.2009 | 18:26 Uhr 2009-12-03T18:26:00+0100
Siegen. Scharfte Kritik üben Erziehungswissenschaftler der Universität Siegen an den Plänen der NRW-Landesregierung, in der Lehrerbildung gestufte Bachelor- und Masterstudiengänge einzuführen. Die bisherigen Erfahrungen stellten das Konzept in Frage.
Die Erfahrungen mit bisherigen Bachelor- und Master-Studiengängen ließen am Konzept zweifeln, zumindest an den bisherigen Realisierungen, schreiben die Pädagogen der Uni Siegen. Sie kritisieren die Pläne der NRW-Landesregierung.
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„Der nationalen wie internationalen Vergleichbarkeit wegen wird dieser Schritt mit der Lehrerbildung in einem Bereich vollzogen, der originär nicht gestuft zu denken ist, weil es für Bachelor-Absolventen des Lehramts kein entsprechendes Berufsfeld gibt”, heißt es in einer Presseerklärung.
Vom Studierenden zum Kunden
Außerdem gehen sie auf den aktuellen Bildungsstreik an den NRW-Hochschulen ein: „Die Studierenden beklagen die infolge der Einführung entstandene Verschulung der Studiengänge, die hohe Belastung durch steigende Prüfungsanforderungen, die enorm gestiegene Bürokratisierung des Studiums und den Wechsel vom Studierenden zum ,Kunden'.”
In diese Situation hinein würden in NRW die neuen Lehramtsstudiengänge entstehen. Dies könnte eine Chance sein, aus den negativen Erfahrungen zu lernen und innerhalb des BA-MA-Systems „einen studierbaren, fairen Studiengang zu konzipieren, der zudem inhaltlich sinnvoll auf das Berufsfeld Lehrer vorbereitet, ohne dabei die breite Persönlichkeitsbildung aus dem Auge zu verlieren”.
Vielfalt von Vorgaben schlecht
Die Bildungswissenschaftler der Universität Siegen, die derzeit mit der Konzeption der bildungswissenschaftlichen Anteile dieser Studiengänge betraut sind, stellen die Möglichkeiten der Realisierung genannter Ansprüche aber in Frage.
Der Versuch, grundsätzlich zu überlegen, wie ein sinnvoller und zeitgemäßer Lehramtsstudiengang gestaltet werden könne, scheitere an der Vielfalt von Vorgaben der Kultusministerkonferenz (Kompetenzstandards), des Landes (Lehrerausbildungsgesetz und Lehramtszugangsverordnung sowie Vorgaben zu Praxisphasen) und der Akkreditierungsagenturen, die für das Land die Prüfung neuer Studienmodelle übernähmen.
Da die pädagogischen Studiengänge bereits seit Jahren systematisch überausgelastet seien, müssten die wenigen Veranstaltungen im bildungswissenschaftlichen Teil nun teilweise wieder als Vorlesungen in großen Hörsälen geplant werden. Diese würden weitgehend ohne den für Pädagogen notwendigen intensiven Austausch mit Lehrenden und Mitstudierenden ablaufen.
Kein großer Wurf zu erwarten
Zwischenfazit der Pädagogen: „Den großen Wurf wird man von dieser Reform also nicht erwarten dürfen.” Trotz der denkbar schlechten Rahmenbedingungen bemühen sich die Verantwortlichen für die Siegener Lehrerbildung allerdings, auch im Bachelor-Master-Gewand weiterhin ein grundständiges Lehramtsstudium anzubieten, das inhaltlich vernünftig aufgebaut sei und das, wo es nur irgend gehe, sinnvolle Spielräume für die Studierenden eröffne: „Inwieweit das gelingen wird, ist derzeit offen.”
Die Pressemitteilung haben unterzeichnet: Axel Backhaus, Janina Bernshausen, Prof. Dr. Hans Brügelmann, Hendrik Coelen, Babette Danckwerts, Prof. Dr. Hans Werner Heymann, Dr.'in Barbara Müller-Naendrup, Dr.'in Nadja Ratzka, Dr.'in Anne Schmidt-Peters, StR i. H. Jörg Siewert, Prof. Dr. Matthias Trautmann, Anna Lena Wagener und Christoph Weißer.
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