Orkan Niklas schädigt Wald kaum

Die heimischen Bäume haben vergleichsweise wenig unter Orkan Niklas gelitten.
Die heimischen Bäume haben vergleichsweise wenig unter Orkan Niklas gelitten.
Foto: Jürgen Schade
Was wir bereits wissen
Orkan Niklas gilt zwar als einer der stärksten Stürme der vergangenen 30 Jahre. Die heimischen Wälder indes haben wenig unter dem Sturmtief gelitten.

Siegen-Wittgenstein..  Zumindest im Vergleich zu Kyrill. Das ergab eine erste Bestandsaufnahme des Regionalforstamts Siegen-Wittgenstein.

Was ist beschädigt?

Rund 20 000 Festmeter Holz hat Niklas in Mitleidenschaft gezogen. Zum Vergleich: Kyrill fegte im Jahr 2007 etwa 2,5 Millionen Festmeter Holz von den Siegerländer und Wittgensteiner Höhen. „Im Wesentlichen waren es Einzelwürfe“, beschreibt Forstamtsleiter Diethard Altrogge die Geschehnisse aus der vergangenen Woche. Die Windgeschwindigkeiten von Kyrill waren in weiten Teilen nicht nur erheblich höher – in der Spitze erreichten sie um die 200 Kilometer in der Stunde.

Und es ist einfach weniger Wald da. Besser gesagt, „der Wald ist anders strukturiert“, wie es Diethard Altrogge ausdrückt: „Die Bestände in den Höhenlagen stehen nicht mehr.“ Auf vielen Flächen, die bis vor wenigen Jahren das Zuhause von Fichten oder Douglasien waren, stehen inzwischen keine hohen Nadelhölzer mehr. Sie gelten als anfällig für starke Winde.

Welche Rolle spielt die Zeit bei den Aufräumarbeiten?

Der Boden war feucht und locker, viele beschädigte Bäume sind mitsamt Wurzel umgefallen. „Das ist wie eine Lebendkonservierung“. Die Aufarbeitung muss nicht in aller Eile geschehen. „Wir können uns Zeit lassen.“ Denn anders als bei Kyrill, der viele Bäume abknicken ließ, ist versorgtes Holz kein geeignetes Ziel für den Borkenkäfer.

Was ist mit Tieren?

Selbst bei Kyrill seien wenige Schäden zu beklagen gewesen: „Tiere haben sehr gute Frühwarnsysteme“, betont Diethard Altrogge. Bereits lange, bevor der Sturm tobt, ziehen sie sich in geschützte Bereiche zurück.

Ist es inzwischen wieder ungefährlicher, in den Wald zu gehen?

Die Wälder waren und sind nicht gesperrt. Die Forstämter gaben lediglich eine Warnung heraus. Umsichtiges Verhalten ist aber noch immer geboten. Insbesondere wenn es um Bestände geht, in „denen altes Nadelholz“ steht. „Da wäre ich vorsichtig“, so der Forstdirektor. Und: Bereiche rund um Bäume, die schief, vielleicht angelehnt stehen, oder deren Krone gebrochen, aber noch nicht herabgefallen ist, sollten gemieden werden.

Letztendlich ist jeder selbst verantwortlich: „Das Betreten des Waldes geschieht insbesondere im Hinblick auf natur- und waldtypische Gefahren auf eigene Gefahr“, heißt es im Landesforstgesetz.

Wie gehen Wanderfans mit der Situation um?

„Wir bleiben ganz entspannt“, sagt Udo Reik-Riedesel, Vorsitzender des SGV-Bezirks Siegerland. Karfreitag etwa sei er bereits mit der SGV-Abteilung Buschhütten unterwegs gewesen. Aufmerksamkeit sei derzeit aber besonders wichtig. „Wir weisen die Leute zu Beginn der Wanderungen darauf hin, dass sie aufpassen sollen“, betont der Vorsitzende. Bisher sei es nicht erforderlich, in größerem Umfang Touren abzusagen.

Hat der historische Tiergarten Schaden genommen?

„Die Schäden bei uns sind geringer als im Umland“, sagt Rüdiger Weiel, stellvertretender Leiter Grünflächenabteilung der Stadt Siegen. Im Tiergarten etwa seien circa zehn Bäume umgestürzt. Die Stationen des Erlebnispfads überstanden Niklas nach bisherigem Kenntnisstand unbeschadet. Insgesamt sind in den städtischen Wäldern rund 80 Bäume umgefallen. „Die Wege sind alle abgefahren worden, alles wurde beseitigt und geräumt“, sagt Weiel. Lediglich am Rosterberg seien noch zwei Eichen zu beseitigen, wofür aber ein Kran erforderlich ist.

Trotz aller Räumarbeiten sei aber immer noch „Vorsicht angesagt“, so Weiel. Auf keinen Fall sollten sich Spaziergänger abseits der Wege durch den Wald bewegen. Außerdem rät er zum regelmäßigen Blick nach oben, um beispielsweise Astanbrüche rechtzeitig als potenzielle Gefahr zu erkennen.

Folgen Sie uns auch auf Facebook.