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Belästigung im Bad in Netphen: Niemand erstattet Anzeige

14.01.2016 | 22:00 Uhr
Belästigung im Bad in Netphen: Niemand erstattet Anzeige
Im Freizeitbad Netphen haben junge Männer Frauen belästigt. Deutlich wird inzwischen auch, was – im Gegensatz zu Behauptungen, die in den sozialen Netzwerken kursieren – nicht im Freizeitbad passiert ist.Foto: Freizeitpark Obernautal GmbH

Netphen.   Junge Männer haben im Freizeitbad Netphen Frauen belästigt. Die Polizei hat aber keine Handhabe. Derweil verbreiten sich im Netz jede Menge Gerüchte.

Was am Freitag in der letzten Stunde vor dem Chill-Out-Abend im Freizeitbad passiert ist, ist mittlerweile ziemlich klar: Junge Männer — die Jüngsten waren nach Schätzung von Bad-Geschäftsführer Bernd Wiezorek 16 — haben mit rücksichtslosem Verhalten anderen Badegästen den Aufenthalt verleidet, Hygiene-Regeln missachtet und die Teilnehmerinnen eines Aqua-Cycling-Kurses mit obszönen Gesten belästigt.

Ziemlich deutlich wird inzwischen aber auch, was — im Gegensatz zu Behauptungen, die in den sozialen Netzwerken kursieren — nicht passiert ist:

  • Die Männer, offenkundig Migranten, haben die Frauen des Kurses nicht bis in die Umkleiden verfolgt; das belegen die Videoaufzeichnungen.
  • Die Besucherinnen sind nicht in Panik aus dem Bad geflüchtet; dem widersprechen Aussagen des Personals im Kassenbereich.
  • Die Verfasserin des „Leserbriefs“, der die Affäre in Gang setzte, hat sich nicht zu ihrem Schutz von ihrem Ehemann aus dem Umkleidebereich abholen lassen; das ergibt sich ebenfalls aus der Videoaufzeichnung.
  • Die Polizei hat keine Handhabe, Ermittlungen gegen die Störer aufzunehmen; trotz wiederholtem Aufruf haben sich bei ihr keine Zeuginnen gemeldet, die Strafanzeige, zum Beispiel wegen eines möglichen Sexualdelikts, erstattet hätten.

Problem nicht nur in Netphen

Dass das unangemessene Verhalten der Flüchtlingsgruppen ein Problem ist, streitet Bernd Wiezorek nicht ab: „Aber das kann das Freizeitbad nicht allein lösen.“ Der Geschäftsführer der Freizeitpark GmbH weiß, dass nicht nur Schwimmmeisterinnen, sondern auch weibliche Amtsträger in anderen Berufen unter respektlosem Verhalten männlicher Migranten leiden — und dass diese Zuwanderergruppe sich, je nach Herkunft, schwer damit tut, vermeintliche Freizügigkeit nicht als Aufforderung zu sexueller Übergriffigkeit zu verstehen. „Das ist aber kein Problem, das allein das Freizeitbad Netphen betrifft.“ Er habe die Mitarbeiter angewiesen, jetzt bei Verstößen gegen die Badeordnung „restriktiv und deutlich vorzugehen“. Das, so Wiezorek, sei bisher auch deshalb unterblieben, um nicht in den Ruch von Fremdenfeindlichkeit zu geraten.

Höhere Eintrittspreise am Wochenende?

Bei der Beratung über Konsequenzen aus dem Vorfall werden auch die Eintrittspreise eine Rolle spielen: Eine Anhebung an den Wochenenden könnte mit den höheren Kosten begründet werden, die in dieser „Kernzeit“ durch den Einsatz eines Sicherheitsdienstes entstehen.

Der andere Effekt ist beabsichtigt, dürfte aber kaum ausgesprochen werden: Höhere Eintrittspreise würden Besuchergruppen mit geringem Einkommen, zu denen Flüchtlinge naturgemäß zählen, von einem Besuch des Netphener Bades abhalten.

Nicht hinnehmen will Bernd Wiezorek das Vorgehen der „Leserbrief“-Schreiberin, die auch falsche Behauptungen transportiert habe — zum Beispiel, dass die Polizei vor drei Monaten im Bad war, weil Frauen „begrabscht“ worden seien — und die vor der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten gewarnt hatte. Auffällig für Wiezorek: Der „Leserbrief“ wusste von der vorgesehenen Beauftragung eines Sicherheitsdienstes — bevor die darin zitierten (und gar nicht existenten) „Beschwerdebriefe“ die Stadt überhaupt hätten erreichen können.

„Wir planen, dagegen rechtliche Schritte einzuleiten“, sagt Wiezorek, „es kann nicht sein, dass eine Frau mit einem einzigen Posting so etwas veranstaltet.“ Die Welle von Reaktionen und Kommentaren dürfte allerdings auch eine Stimmung in der Bevölkerung spiegeln — würde das „etwas“ für vollkommen abwegig gehalten, wären die Behauptungen als belanglos abgetan worden und schnell im digitalen Nirwana untergegangen.

Demo gegen Sexismus

„Den Schaden trägt der Bürger der Stadt Netphen“, warnt Bernd Wiezorek. Denn wenn Besucher ausbleiben, steigt das Defizit. Die Gesellschafterversammlung der Freizeitpark GmbH wird sich am Dienstag mit dem Thema befassen.

„Gegen Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit“ wollen syrische Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien aus Siegerländer Flüchtlingsunterkünften am Samstag,16. Januar, ab 14 Uhr mit Unterstützung der Linken demonstrieren. In der Siegener Bahnhofstraße erklären sie sich zu Köln — und Netphen.

Steffen Schwab

Kommentare
20.01.2016
09:22
Belästigung im Bad in Netphen: Niemand erstattet Anzeige
von herzschmerz | #25

In den letzten Monaten kann man ständig nachlesen wie Skandale kleingeredet werden. Auch in Köln haben direkt nach der Silvesternacht zunächst wenige...
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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/obszoene-ruepeleien-im-freizeitbad-netphen-ohne-strafrechtliche-folgen-id11463994.html
2016-01-14 22:00
Freizeitbad,Belästigung,Migranten,Flüchtlinge
Nachrichten aus Siegen, Kreuztal, Netphen, Hilchenbach und Freudenberg