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Terrorismus

NRW-Tag 2010 in Siegen sollte offenbar Ziel von Terroranschlag sein

30.03.2012 | 06:00 Uhr
NRW-Tag 2010 in Siegen sollte offenbar  Ziel von Terroranschlag sein
Das BKA warnt immer wieder vor Terrorakten. Offenbar war 2010 auch ein Anschlag auf den NRW-Tag in Siegen geplant. Foto: dapd

Dortmund.   Sind Bundesbehörden für den Tod des 20-jährigen Wuppertalers Bünyamin Erdogan mitverantwortlich, der am 4. Oktober 2010 durch eine US-Drohne mit drei anderen Männern in den Bergen Pakistans starb? Nach einem „Stern“-Bericht könnte Berlin die Amerikaner über den Aufenthaltsort des jungen Deutschtürken im Terrorlager Mir Ali informiert haben, den das Bundeskriminalamt über ein abgehörtes Telefonat ermittelt hatte. Einer seiner Gefährten, so der Bericht weiter, sei möglicher Attentäter gewesen – und der Nordrhein-Westfalen-Tag 2010 in Siegen sein mögliches Ziel.

Das Vorgehen des BKA wäre ein rechtlich hoch problematisches Vorgehen, weil Erdogan deutscher Staatsbürger war. Die Bundesregierung hatte solche Vorwürfe bisher strikt zurückgewiesen. Nach Unterlagen, die „Stern.de“ vorliegen, hat das Bundeskriminalamt bereits am 7. September 2010 durch das abgehörte Telefonat von islamistischen Anschlagsplänen erfahren und auch davon, dass Bünyamin Erdogan bei diesen Planungen eine wichtige Rolle spielen sollte. Der Abgehörte war Bünyamins Bruder Emrah. Er habe aus Pakistan in Wuppertal angerufen und der Familie erzählt, es seien Anschläge in Afghanistan „mit 80 bis 90 Toten“ geplant.

Als die Drohne in den Lehmbau in Mir Ali einschlug, wo Mitglieder der El Kaida-nahen „Islamischen Bewegung Usbekistan“ trainiert wurden, tötete sie Bünyamin Erdogan und Shahab Dashti, einen Deutschen, der mit Bünyamin wenige Wochen zuvor aus Hamburg in das Lager gekommen war. Der ältere Bruder, dessen Telefonat abgehört worden war, hat den Angriff nach Informationen der WAZ-Meidengruppe in einem Nachbarraum überlebt.

Emrah Erdogan schillernde Figur in der Terrorszene

Anders als der „Novize“ Bünyamin gilt Emrah Erdogan als gleichermaßen wichtige wie schillernde Figur in der Terrorszene. Er war im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel früh durch Kleinkriminalität auffällig geworden und dort auch im Umfeld einer Moschee weit eher radikalisiert worden als sein jüngerer Bruder. Die Unterschiede zwischen den beiden hat einer der Arbeitgeber, der Velberter Bauer Friedrich Bleckmann, kurz nach dem tödlichen Drohnenangriff der WAZ-Mediengruppe so geschildert: „Bünyamin war wie ein kleiner Junge. Höflich, schüchtern und bescheiden.“

Der NRW-Tag 2010 soll sein Ziel eines Terroranschlags gewesen sein. 400 000 Menschen feierten damals in Siegen. Foto: Völkel

Doch der Tod des Bruders muss bei Emrah einen Sinneswandel oder auch Ängste ausgelöst haben. Mehrfach kontaktierte er in der Folgezeit aus Pakistan deutsche Sicherheitsbehörden. Er gilt seit längerem als einer der Urheber des groß angelegten Terroralarms im Herbst 2010, den der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auslösen ließ.

Angeblich Selbstmordattentat beim NRW-Tag geplant

Emrah berichtete von angeblich bevorstehenden Anschlägen der El Kaida: Zum Beispiel auf den Reichstag, laut „Stern“ auch über ein Selbstmordattentat, das die Terrororganisation auf den NRW-Tag in Siegen geplant haben soll. Dort kam es aber bei den dreitägigen Feiern zu keinem Vorfall. Später brach der Kontakt zu ihm ab. Der letzte Anruf kam aus Nairobi in Kenia. Seither ist Emrah Erdogan offenbar in Ostafrika verschwunden, wo sich eine El Kaida-Zelle verstärkt.

Eindeutig ist die Einbindung der beiden Wuppertaler Brüder in die große von El Kaida angeordnete „Ausreisewelle“ von Islamisten aus Deutschland seit 2010. Mindestens 300 „Gefährder“ sind seither in Lagern nahe der pakistanisch-afghanischen Grenze für Terroranschläge in Afghanistan und in Europa ausgebildet worden. Ein Teil ist zurückgekehrt und steht nach Informationen von Sicherheitsbehörden unter Beobachtung.

Dietmar Seher



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30.03.2012
07:57
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