Nostalgisch und lustig zurück in die 50er Jahre

Würgendorf..  Während aktuell über das „Wirtschaftswunder 4.0“ diskutiert wird, stand im Heimhoftheater ein Rückblick auf das erste dieser Art auf dem Programm. Gabi und Alexander Russ präsentierten „Himbeereis und flotter Käfer“, eine „Lach- und Sachshow“ mit viel Musik und ein paar bemerkenswerten Sketchen über jene Zeit, als alles noch „langsamer, vor allem aber handgemacht und ehrlicher war“, wie Alexander Russ zu Beginn sagt.

Das Duo firmiert als „Musiktheater Bellevue“, steht seit 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne, „erst mit eigenen Titeln“, und hat sich seit einem guten Jahrzehnt der Musik der 50er und 60er Jahre aus Deutschland verschrieben.

Die einfache Bühnendekoration zeigt schon den Weg, Conny und Peter, Jan und Kjeld, Peter Alexander oder Udo Jürgens sind mit Singles vertreten. Die beiden eröffnen die Show mit dem „Mäckie Boogie“ von Evelyn Künneke und Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“. Damit ist der Grundtenor des Abends schon abgesteckt. Lustig soll es werden, immer wieder werden Zwei- und Vierzeiler von Heinz Erhardt eingeflochten; und vor allem auch nostalgisch, wenn Alexander Russ von seinen frühen TV-Erlebnissen erzählt. „Wir hatten keinen Fernseher und durften nur einmal pro Woche die Kinderstunde gucken.“

Kindergeburtstag trifft Silberhochzeit

Den kleinen Widerspruch hebt der gebürtige Hesse etwas später auf: Geguckt wurde am Sonntag nach dem Spaziergang im Ausflugslokal, „Fury und die Augsburger Puppenkiste.“ Das ist der Anlass für einen köstlichen Sketch mit Wutz und dem Urmel — mit Handpuppen. Und weil sie auch gern Lassie geschaut haben, darf „deren Urenkelin“ Lissie auf die Bühne und ein paar Kunststücke vorführen.

Die gut zwei Stunden dauernde Vorstellung hat manchmal etwas von einem Kindergeburtstag, von einer Silberhochzeit zu vorgerückter Stunde, aber alles auf erfreulich hohem Niveau. Das liegt vor allem auch am Gesang von Gabi Russ, die es schafft, bei „Mit 17 hat man noch Träume“ die Original-Phrasierung von „Little Peggy March“ fast auf die letzte Note genau zu treffen, die bei Minas „Heißer Sand“ das rollende R wunderbar intoniert und mit einem Caterina-Valente-Medley auch den letzten im Publikum zur Gänsehaut bringt und zum Jubeln animiert.

Theater mit dem idealen Flair

Die meisten im lange nicht ausverkauften Theater haben diese Zeiten selbst im besten Alter erlebt, klatschen und singen schon nach kurzer Zeit mit. Alexander Russ liefert ein köstliches Potpourri mit Bill Ramsey-Ohrwürmern, ansonsten ist er nicht der begnadetste Sänger, beschränkt sich lieber auf die Begleitung seiner Frau mit Schlagzeug, Gitarre sowie als Einmann-Vokal-Gruppe. Er ist am besten bei den kleinen Geschichten und einer herrlichen Heinz-Schenk-Parodie. Das Heimhoftheater mit seinem 50er Jahre-Flair ist natürlich der ideale Schauplatz für ein solches Programm.