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Stadtentwicklung

Noch mehr Gewerbe auf den Berg

08.02.2012 | 19:48 Uhr
Noch mehr Gewerbe auf den Berg
Hinweisschilder zum Gewerbegebiet Wilhelmshöhe

Freudenberg.Mit Gewerbegebieten haben die politischen Parteien in Freudenberg ihre ganz besondere Erfahrungen gemacht: Die 1999er Kommunalwahl drehte sich um die Erweiterung der Hommeswiese in Büschergrund. Das ging zu Lasten der damals noch mehrheitlichen SPD, die voll dahinterstand. Die CDU nahm ihr alle drei Wahlbezirke weg.

Die 2009er-Wahl stand unter dem Zeichen der Wilhelmshöhe-West (Alte Eisenstraße). Damit punktete wiederum die SPD. Jetzt scheint sich das Spiel einmal mehr zu wiederholen – mit einer Gewerbefläche hinter dem Briefzentrum zwischen Autobahn und Ischeroth.

Zehn Standorte sind geprüft worden

Der Stadtentwicklungsausschuss befürwortete mit acht gegen vier Stimmen (aus der CDU) bei einer Enthaltung den Antrag auf Änderung des Gebietsentwicklungsplanes – mit dem Ziel, dass mittelfristig dort weitere Gewerbeflächen zur Verfügung stehen sollen. Henning Grüne vom Ingenieurbüro Beyer, das schon die Planung für die Wilhelmshöhe-West übernommen hatte, präsentierte eine Vorstudie.

Nachdem zehn Gebiete näher betrachtet worden waren, hatten sich die Fraktionen zuletzt auf diese Fläche geeinigt. Es handelt sich um 18 Hektar Wald, der den Genossenschaften in Büschergrund und Bühl gehört. 8,4 Hektar beträgt der anerkannte Bedarf der Stadt Freudenberg an Gewerbeflächen; zehn Hektar blieben aber übrig, wenn die Pläne verwirklicht würden.

Ulrich Irle (CDU) aus Büschergrund kritisierte, dass auf dem „höchsten Berg“ der Stadt Freudenberg Gewerbe angesiedelt werden solle: „Das ist ein nicht wiedergutzumachender Eingriff in Natur und Landschaft.“ Die heutige Politikergeneration dürfe, so Irle, „unseren Nachkommen nicht zumuten, dass der höchste Berg vergewaltigt“ werde.

Ins gleiche Horn stieß auch Arno Krämer (SPD), der sich als einziger enthielt. Er erinnerte daran, dass das zuletzt erschlossene Gebiet Wilhelmshöhe-West angeblich „schon alternativlos“ gewesen sei: „Und vier Jahre später untersuchen wir schon wieder eine neue Fläche.“ Krämer vermochte für die Stadt auch kaum Vorteile durch die Ansiedlung neuer Betriebe zu erkennen: „Je mehr Gewerbeflächen wir schaffen, desto ärmer werden wir.“ Gern hätte er dazu auch Kämmerer Jörg Schrader befragt, ob sich die neuen Betriebe auch steuerlich für die Stadt auszahlen.

Dieter Ohrendorf (Grüne) stimmte zwar für den Antrag – aber stellte mehrere Bedingungen: Der Flächenverbrauch in Freudenberg dürfe „nicht ungebremst“ weitergehen. Stadtentwicklung habe flächensparend und umweltschonend zu verlaufen. Das sei aber bei der Wilhelmshöhe-Erweiterung nicht zu erkennen. Außerdem vermissten die Grünen eine Strategie für Freudenberg: „Wollen wir Industriestandort, Handelszentrum oder Ferienregion sein?“

Keine Alternativen in Sicht

Die Lage an der Autobahn indessen hielt Bernd Bran­demann (CDU) für günstiger, als wenn neue Gewerbeflächen durch eine Ortslage erschlossen würden. Dennoch müssten sie „in die Landschaft passen“. Das sehe er mit dem Standort Ischeroth nicht gegeben, denn dort befinde sich die „am weitesten sichtbare Landmarke“ im Stadtgebiet.

Skepsis äußerte auch Dietmar Wirth (SPD), der gleichwohl dafür stimmte. Das Ergebnis der Untersuchung potenzieller Flächen, wie jetzt geschehen, sei „nicht akzeptabel“. Allerdings wüsste auch er nicht, wo sonst Gewerbe angesiedelt werden könne: „Ins Tal können wir ja nicht.“ Ausschussvorsitzender Klaus Krämer (SPD) erinnerte daran, dass andere Pläne – etwa in Zusammenarbeit mit Siegen – nicht funktionierten. Es sei denn, Siegen bekäme den Autobahnanschluss im Bereich Heisberg genehmigt. Krämers Fazit: „Wir sind nicht im Münsterland.“

Otmar Kuhn

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