Nicht nur ein optischer Makel

Siegen..  Krampfadern sind eine Volkskrankheit. Etwa die Hälfte aller Mitteleuropäer zwischen 25 und 74 Jahren leidet darunter. Wie Krampfadern entstehen und behandelt werden können, hat Chefarzt Dr. Marius Passon in einer Info-Veranstaltung in der Cafeteria des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen erklärt. In seinem Vortrag informierte der Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie auch darüber, wie man Krampfadern und weiteren Komplikationen vorbeugen kann.

Bindegewebsschwäche

Krampfadern, auch Varizen genannt, treten am häufigsten in den Beinvenen auf. „In den meisten Fällen entstehen sie als Folge einer angeborenen Bindegewebs- und Venenschwäche. Auch langes Stehen oder Sitzen, Übergewicht, Schwangerschaft sowie mangelnde Bewegung erhöhen das Risiko. Frauen sind zudem häufiger betroffen als Männer“, erklärte Dr. Passon. Die Aufgabe der Venen besteht darin, das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen zu transportieren. Sind die Wände der Beinvenen zu schwach und geweitet, versackt das Blut in den oberflächlichen Venen und kann nicht mehr in das tiefe Venensystem abfließen. Die Blutüberfüllung führt dazu, dass sich die oberflächlichen Blutleiter erweitern und verformen – Krampfadern entstehen.

„Krampfadern und Besenreiser sind nicht nur ein optischer Makel. Sie können zu chronischem Venenversagen, offenen Beinen, Venenentzündungen und Thrombosen führen. Die gefährlichste Komplikation ist eine Lungenembolie“, warnte der Mediziner.

Stützstrümpfe tragen

Eine einfache und schmerzfreie Methode, Krampfader zu diagnostizieren, ist die sogenannte Duplexsonografie, die mit Ultraschallbildern veränderte Gefäße und eine gestörte Blutzirkulation sichtbar machen kann. Um eine Venenschwäche zu therapieren, empfiehlt Dr. Passon Kompressionsstrümpfe als erste Maßnahme. „Wichtig ist, dass die Strümpfe konsequent über einen längeren Zeitraum getragen werden. Bei 60 Prozent der Patienten verbessern sich die Beschwerden.“ Weitere konservative Maßnahmen sind Massagen oder Tabletten, Salben oder Sprays. Sie wirken abschwellend und lindern Schmerzen. Besenreiser oder nicht so stark ausgeprägte Krampfadern können verödet, gelasert oder mittels Radiowellentherapie behandelt werden. Beim sogenannten Venen-Stripping werden Krampfadern entfernt.

„Rosskastanienextrakte unterstützen die Funktion der Venen und helfen gegen Krampfadern. Massagen, Kalt- und Warmduschen nach Kneipp, Venentraining und die Beine hochlegen, tut den Venen gut und beugt Venenschwäche vor“, so der Experte. Sind in der Familie Krampfaderleiden bekannt, sollten Angehörige sich scannen lassen.