Nicht Courtagen sind das Problem, sondern die Wohnungen

Wittgenstein..  Zwei Netto-Kaltmieten Kaution und obendrauf die 2,38 Kaltmieten als Makler-Courtage: Die Suche nach einer geeigneten Mietwohnung kann in Deutschland kann sehr teuer werden. Warum sollen Mieter einem Makler Geld bezahlen, wenn doch der künftige Vermieter der Wohnung den Immobilienvermittler angeheuert hat? Und wie kann Wohnraum bezahlbar bleiben? Das sind zwei von mehreren Fragen, die die Große Koalition in Berlin 2015 angehen will.

Bei der Recherche, welche Bedeutung dieser Gesetzentwurf für Wittgensteins Makler und Mietwohnungsanbieter hat, kommt vor allem eines zutage. Es gibt zu wenig Mietwohnungen im ländlichen Wittgenstein.

Gesetz für Großstadt

Der Bad Berleburger Günter Schmidt sieht der Gesetzesänderung gelassen entgegen. „Für die Großstadt, wo zehn, fünfzehn Interessenten auf eine Wohnung kommen, mag das passen, für uns ist das kein Thema.“ Er vermittelt mit seiner Firma Rothaar-Immobilien sowohl Mietwohnungen als auch Kaufobjekte. Dabei liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Hausvermittlung an Käufer – auch wenn aus Schmidts Sicht der Mietmarkt in Bewegung ist: „Es gibt eine große Nachfrage für Wohnungen in allen Größen.“ Aus seiner Sicht könnte der Staat ruhig mal Anreize für Investoren durch Steuervergünstigungen schaffen, „dann würden auch wieder mehr Wohnungen gebaut.“

Dass es „großen Bedarf an Mietwohnungen“ gibt, kann auch der Makler und Finanzberater Ralf Sonneborn aus Bad Berleburg bestätigen. Die Gesetzesänderung lässt aber auch ihn kalt: „Wir werden uns ein bisschen umstellen müssen. Aber ich habe keine Sorge, dass die Situation für uns schwierig wird.“ Das Besteller-Prinzip ist für ihn kein Problem: „Wenn ich meinen Job mache, möchte ich bezahlt werden. Von wem ist egal, aber mir liegt daran, dass beide – Mieter und Vermieter – mit meiner Arbeit zufrieden sind.“

Genossenschaft fast ohne Leerstand

Dass auch im vom Wohneigentum geprägten Wittgenstein Mietwohnungen gesucht sind, bestätigt Norbert Siebert von der Wohnungsgenossenschaft Wittgenstein. „Wir haben einen Leerstand von knapp einem Prozent. Und der ist durch Instandsetzungsarbeiten bedingt.“ Auch eine Warteliste für Wohnungen der WSG gibt es. Nach Sieberts Einschätzung rangiert bei der Nachfrage Bad Berleburg vor Erndtebrück und Bad Laasphe. Erndtebrück vor allem wegen des wachsenden Bundeswehrstandorts. „Am meisten gesucht sind die klassischen Zwei-Zimmer-Single-Wohnungen.“

Um die Nachfrage zu befriedigen, müsste Wohnraum geschaffen werden. Doch zwei Faktoren schreckten Investoren vom Wohnungsbau ab: Die vom Gesetzgeber vorgesehene „Mietpreisbremse“, bei der der Quadratmeterpreis im Neubau höchstens zehn Prozent über ortsüblichen Vergleichsmieten liegen darf und der viel zitierte demografische Wandel.