NGG: Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Siegen-Wittgenstein..  Die Zahl der Leiharbeiter im Kreis Siegen-Wittgenstein hat drastisch zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 3533 Beschäftigte in Leiharbeit – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Damals zählte der Kreis lediglich 1635 Leiharbeiter, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Südwestfalen spricht von einer alarmierenden Tendenz – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

Wildwuchs auf dem Arbeitsmarkt

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, sagt NGG-Geschäftsführerin Isabell Mura. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein in Berlin stark machen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein – „häufig nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei“, sagt Isabell Mura.

Missbrauch von Werkverträgen

Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. „Gerade in der nordrhein-westfälischen Lebensmittelindustrie wird Leiharbeit zum Problem. Und mit dem Missbrauch von Werkverträgen haben wir es besonders in der Fleischverarbeitung zu tun. Dabei sind Leiharbeiter – genauso wie Werkvertragsbeschäftigte – bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft“, kritisiert die Gewerkschafterin.

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so Mura, „nur für Personen, nicht für die Arbeitsplätze“.