Neues Entwicklungskonzept für die Region

Siegen..  Wenn die Krankenschwester ein Foto einer Wunde per Smartphone an die Ärztin schickt, um die Wunde sofort optimal zu versorgen und damit doppelte Arbeit und doppelte Schmerzen vermeidet, dann ist das ein Beispiel für die Digitalisierung der Arbeitswelt. Und die sei in vollem Gange, so Professor Björn Niehaves, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Uni Siegen.

Der Wirtschaftswissenschaftler war einer von zwei Referenten bei der Impulsveranstaltung zum Auftakt der Erstellung des neuen Regionalen Entwicklungskonzepts für Siegen-Wittgenstein (REK). Die Erstellung des Entwicklungskonzepts ist ein zentrales politisches Projekt von Landrat Andreas Müller. In sechs Arbeitsgruppen sollen bis nach den Sommerferien Konzepte und Strategien entwickelt werden, die als Leitlinien für die künftige Entwicklung der Regionen dienen können. Dabei ist wichtig, dass die unterschiedlichsten Bereiche Hand in Hand arbeiten – „denn nur wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, erzielt man am Ende eine maximale Wirkung“, erläuterte der Landrat bei seiner Begrüßung.

Rund 100 Teilnehmer waren zu der Impulsveranstaltung ins Lyz gekommen: Die Städte und Gemeinden, Kreisverwaltung und Politik waren genauso vertreten wie die Universität Siegen und Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften – um nur einige Beispiele zu nennen.

Mangel an Fachkräften

Viele der Fragestellungen, die in den sechs AGs bearbeitet werden, seien direkte oder indirekte Folgen des demografischen Wandels, machte der Landrat in seinem Statement deutlich. Untermauert wurde dies durch das Impulsreferat von Dr. Uwe Hunger vom „Forschungskolleg Zukunft menschlich gestalten der Universität Siegen“ (FoKos). Er stellte die Ergebnisse des Projekts Demorec vor. Die Abkürzung steht für „Demografischer Wandel und regionale Entwicklungschancen“.

In diesem Projekt wurden die demografische Entwicklung der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe ganz genau analysiert und Prognosen für die Zukunft entwickelt. Zentrale Erkenntnisse: Bis 2030 werden fast 50 000 Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen – und damit Fachkräfte für die heimischen Unternehmen. Selbst wenn alle Reserven in der Region mobilisiert werden, ist diese Lücke nicht zu schließen. Schon heute sei sehr klar, dass es nur zwei positive Impulse für die demografische Entwicklung der Region gebe: Zuzug aus dem Ausland und von neuen Studenten der Universität Siegen. Beides werde in der Zukunft noch wichtiger, wenn die Region den Fachkräftebedarf der Unternehmen auf Dauer decken wolle, so das Fazit von Dr. Hunger.

Ehrgeiziger Zeitplan

Koordiniert wird der Prozess der Erstellung des Regionalen Entwicklungskonzepts vom Fachservice Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Unter der Leitung von Hartwig Durt, IG Metall (Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung), Klaus Fenster, IHK (Qualifizierung und Bildung), Reinhard Kämpfer, Kreis Siegen-Wittgenstein (Verkehr und Mobilität), Dr. Andreas Neumann, AWO Siegen-Wittgenstein (Soziales, Jugend und Gesundheit), Arno Wied, Kreis Siegen-Wittgenstein (Ländliche Entwicklung, Natur und Landschaft) und Hans-Peter Langer, IHK (Tourismus, Kultur und Freizeit) sollen die sechs AGs bis September dem Kreistag das neue Regionale Entwicklungskonzept vorlegen. Ein sehr ehrgeiziger Zeitplan, wie Michael Schäfer und der Landrat betonten. Deshalb sind die ersten Sitzungen schon für die nächsten Tage geplant.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE