Neuer Turm auf altes Turmhaus

2011
2011
Foto: Jürgen Schade

Müsen..  Im Bauausschuss zeigte sich Christoph Rothenberg (FDP) „froh, dass hier wieder etwas passiert“. Rolf Golze, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Altenberg und Stahlberg, bremst etwaige allzu ungestüme Erwartung: Die Bauvoranfrage für den Aussichtsturm auf dem Altenberg, die die Politik so freudig positiv beschieden hat, „brauchen wir für die Beantragung von Fördermitteln.“

Irgendwann im Frühjahr, so hofft Golze, der sich immer wieder im Ehrenamt auf die Spuren des Bergbaus im Müsener Revier begibt, könnte es dann so weit sein. Gewartet wird auf eine Zusage von rund 40 000 Euro. „Diesen Betrag können wir sicherlich nicht allein über die heimische Wirtschaft und Privatspender aufbringen.“

Neubau aus Metall und Holz

Zumal die sich in den letzten Jahren durchaus auch schon engagiert haben: Immer wieder kommen einzelne Spenden, regelmäßig zum Beispiel von den Fans der Redhair Mountain Devils, die den Erlös ihres Weihnachtsmarkts abgeben. Ein großer Einzelbetrag kam zusammen, als 2013 alle Müsener Ortsvereine bei der 700-Jahrfeier der Grube Stahlberg mitmachten. Und natürlich wurde ein Grundstock beim Altenbergfest 2008 gelegt, als zum Tag des offenen Denkmals der Plan für den Turm-Neubau erstmals präsentiert wurde.

Damals konnte die Festgesellschaft das Transparent mit der Zeichnung noch über die Brüstung des morschen Holzturms hängen, der schließlich, für Besucher längst gesperrt, im Frühjahr 2011 abgerissen wurde. Damals wären die Müsener mit dem nun erreichten Kontostand von 23 000 Euro noch ein Stück weiter gekommen. Doch von dem Vorhaben, eine reine Holzkonstruktion zu errichten, sei der Verein wieder abgekommen, berichtet Rolf Golze: „Das wäre natürlich günstiger gewesen.“

Um das Bauwerk witterungs- und vandalismussicherer zu machen, wird Metall mit verbaut. Teil des Gesamtprojekts soll nun auch die Erneuerung des Rundwegs werden, auf dem Schautafeln einzelne Stationen der mittelalterlichen Bergbausiedlung erklären. Denn wegen ihr ist der Turm überhaupt gebaut worden. Der Aussichtsturm stand auf den Fundamenten des Turmhauses — und dort wird eines Tages auch der etwa acht Meter hohe dreigeschossige Nachfolger stehen: Von dem Zentralbau aus dürfte die Siedlung bewacht und verwaltet worden sein. Münzen, Werkzeuge, Spuren von Holzhäusern, eines Schmelzofens und einer Schusterwerkstatt sind hier gesichert und dokumentiert worden; sogar Würfel und ein Kegelspiel wurden gefunden.

Erster Neubau am 1. April 2011

1964 war es der Müsener Hubert Cadel, der auf der Passhöhe Spuren von Mauerwerk fand. 1970 bis 1972 nahmen sich Archäologen des Deutschen Bergbaumuseums Bochum und des Westfälischen Amtes für Bodendenkmalpflege des Geländes systematisch an — der beabsichtigte Ausbau der damaligen Kreisstraße zwischen Müsen und Littfeld gab den Anlass dazu.

Silberhaltige Blei- und Zinnerze sind zwischen 1200 und 1300 aus dem Altenberger Gang ­herausgeholt worden, mit dem Silber wurde die Siegener Münze geprägt. Weil sie so gierig und hartherzig waren, habe Gott die reichen Bewohner bestraft und ihre Siedlung mit Feuer und Schwefel zerstört – berichtet die Sage.

Wahrscheinlich hatten die Bergleute, die ihre Häuser sowieso oft wieder abrissen und neu bauten, einfach noch nicht die technische Möglichkeit, an tiefer gelegene Lagerstätten heranzukommen, und sind deshalb abgezogen – vermuten die Archäologen. Wobei Brandzerstörungen, so steht es im Bericht des Bergbaumuseums, „ein katastrophales Ende der Siedlung erahnen lassen“.

Doch selbst den Archäologen waren vor mehr als 40 Jahren irgendwann die Hände gebunden: In keinem Schacht drangen sie bis auf den Boden vor. Dieser Erfolg, in 60 Metern Tiefe, blieb der nächsten Generation vorbehalten. 2014 konnten Archäologen des Landschaftsverbandes und des Bergbaumuseums mit Unterstützung von 16 Mitgliedern des Vereins Altenberg und Stahlberg einen Blei-Silbererz-Schacht aus dem 13. Jahrhundert erkunden, den ältesten nicht nur des Müsener Reviers, sondern des ganzen Siegerlandes.

1975 wurde der Aussichtsturm auf dem Altenberg errichtet. 1998 schlug der Verein, das erste Mal Alarm: Der Turm sei baufällig und müsse erneuert werden. Der Neubau, so die Annahme damals, müsse höher sein als das Vorgänger, dessen Maße dem Turmbau nachempfunden waren — die Bäume waren halt zu hoch gewachsen. Zumindest dieses Problem erledigten bekanntlich Kyrill und seine Nachfolger. Die Bauhöfe von Kreuztal und Hilchenbach gewann ein ungeduldiges „Aktionsbündnis“ schon 2011 zur Errichtung des „Neuen Altenbergturms“: Weil die Eröffnung allerdings auf den 1. April terminiert war, fand dieses Ereignis letztlich nur auf der Dorf-Webseite www.müsen.de seinen Niederschlag. Das damals kolportierte „Loch in der Turmkasse“ von 20 000 Euro gab es wirklich. Es ist, siehe oben, sogar größer geworden.