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Neuer Prozess um Mobbing-Vorwürfe auf Bauhof Hilchenbach

24.05.2012 | 22:00 Uhr
Neuer Prozess um Mobbing-Vorwürfe auf Bauhof Hilchenbach
Der spektakuläre Prozess um Mobbing-Vorwürfe am Bauhof Hilchenbach - hier ein Archivbild von 2010 - wird neu aufgerollt. Foto: WR

Hilchenbach/Siegen.   Mobbing, Erniedrigungen und Quälereien auf dem Hilchenbacher Bauhof: Am 8. Juli 2010 hatte die erste große Strafkammer des Siegener Landgerichts drei von vier Angeklagten verurteilt; zwei von ihnen haben zwischenzeitlich ihre Haftstrafen von vier Jahren beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten angetreten. Fast auf den Tag zwei Jahre danach wird das Geschehen, zu dem die Polizei in insgesamt 149 Einzelfällen ermittelt und die Staatsanwaltschaft 60 einzelne Straftaten angeklagt hatte, erneut Thema vor Gericht.

Am Mittwoch, 4. Juli, 9 Uhr beginnt der Prozess gegen den früheren Vorarbeiter Jürgen M., der im Prozess von 2010 als einziger Angeklagter freigesprochen worden war. Der Bundesgerichtshof hatte im Herbst 2011 einem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben. Die zweite große Strafkammer hat bisher sechs Verhandlungstermine im Juli anberaumt und vorerst acht Zeugen geladen.

Freispruch aufgehoben

Jürgen M. war in zehn Fällen wegen Beihilfe zu den Misshandlungen angeklagt, die drei Arbeiter seiner Kolonne an dem heute 32-jährigen Landschaftsgärtner Bernd D. begangen haben sollten. Der Vorarbeiter hatte sich zwar in seiner Aussage bei der Polizei bezichtigt, gegen die Misshandlungen nicht eingeschritten zu sein, diese Aussage aber später zurückgenommen. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt. Dem Hauptangeklagten Friedrich S. habe er eigentlich „ein herzliches Verhältnis“ zu Bernd D. zugeschrieben, sagte er während der 15-tägigen Verhandlung

Seine Beihilfe sei „nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt“ worden, begründete Vorsitzender Richter Wolfgang Münker am 8. Juli 2010 den FreIspruch für Jürgen M., der zudem nicht Vorgesetzter des in einer anderen Kolonne eingesetzten Opfer gewesen sei und somit ihm gegenüber auch keine „Garantenstellung“ gehabt habe. Auf der anderen Seite sei des Verhalten des Kolonnenführers für den als besonders aggressiv und dominant dargestellten Hauptangeklagten nicht von Belang gewesen: „Er brauchte den M. nicht, um die Taten zu begehen.“

Strafbefehl nicht akzeptiert

Ein weiterer Akteur gerät am Montag, 2. Juli, ins Rampenlicht: Vor dem Amtsrichter verantworten muss sich der frühere Bauhof-Chef Joachim S. Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung erwirkt, der mit einer Geldstrafe verbunden war, die einer Freiheitsstrafe von fast drei Monaten entsprichen hätte. Weil S. diesen Strafbefehl nicht akzeptierte, kommt es nun zu einer bisher auf zwei Tage angesetzten Verhandlung.

Auch gegen seinen damaligen Stellvertreter, der vor Gericht schwieg, hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, das Verfahren aber gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Joachim S. allerdings, der mittlerweile eine andere Aufgabe in der Stadtverwaltung wahrnimmt, hatte vor Gericht ausgesagt: Er habe von den Übergriffen gegen den Gärtner vor dem 8. Juli 2008, als das Opfer sein jahrelanges Martyrium öffentlich machte, „definitiv keine Kenntnis gehabt“ – und dabei blieb er auch auf Nachfragen von Oberstaatsanwalt Joachim Ebsen, der daraufhin auch Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage aufnahm.

Steffen Schwab



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