Neue Kletterhalle in Siegen – Besuch in der Unterarm-Hölle

Die neue Kletterhalle in Siegen ist eröffnet
Die neue Kletterhalle in Siegen ist eröffnet
Foto: Micha Sommer
Die neue Kletterhalle der Sektion Siegerland des Deutschen Alpenvereins am Effertsufer in Siegen ist eröffnet worden. Hunderte Besucher versuchten sich an den bis zu 16 Meter hohen Kletterwänden.

Siegen.. Wenn Handball der Tod für Schultern und Knie sind, ist Klettern die Hölle für Finger und Unterarme. Meine ersten paar Minuten an der Wand mühe ich mich auf einer Route mit Schwierigkeitsgrad 5 ab, knapp unterhalb der Mitte der 16 kletterbaren Höhenmeter ist Schluss. Blöde kleine Steine. Die zweite Route ist für Einsteiger gedacht, und mit etwas Hilfe vom Trainer, der mich sichert, schaffe ich es irgendwann ganz nach oben. Adrenalin pur.

Selbstläufer in Studentenstädten

Das DAV-Kletterzentrum am Effertsufer in Siegen, das jetzt auch im internet zu erreichen ist, hat seine offizielle Eröffnung am Samstag gefeiert. Ab sofort können Kletterwillige auf 580 Quadratmetern etwa 110 verschiedene Routen erklimmen. 1,85 Millionen Euro hat das Projekt den Verein gekostet, der mit 4300 Mitgliedern der größte des Siegerlands ist. Bauzeit (sechseinhalb Monate) und Kostenplanung wurden eingehalten. „In Studentenstädten ist so eine Halle ein Selbstläufer“, sagt Ludger Felbecker, Vorsitzender des Vereins. „Wir stehen hier gewissermaßen in unserem eigenen Geburtstagsgeschenk, ohne die ehrenamtliche Hilfe unserer Mitglieder wäre das nicht möglich gewesen.“

Um 10.15 eröffnet der Posaunenchor Niederschelden den Emfang, dann geben sich Bürgermeister Steffen Mues, Ludwig Wucherpfennig, der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, Volkmar Klein und Willi Brase das Mikrofon in die Hand. „Das ist ein toller Tag für Siegen und das Siegerland, vor allem, wenn man weiß, wie viele Kletterer hierher kommen“, sagt Mues und betont auch die Bedeutung für die Studenten. „Das ist ein wichtiger weicher Standortfaktor für unsere Stadt.“

Zuschuss und Darlehen durch DAV

Man nimmt ihm die Worte ab, auch, weil der Bürgermeister es sich später nicht nehmen lässt, selbst die „Sparkassenroute“ zu erklettern. Ludger Wucherpfennig überreicht Felgenhauer einen symbolischen, letzten fehlenden Stein einer Kletterroute. Der DAV hat einen Zuschuss geleistet und ein Darlehnen gewährt.

Mittlerweile ist es der fünftgröße Verband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der größte Nichtolympische. „Ich denke, 5000 Mitglieder sind hier in den nächsten Jahren möglich“, so Wucherpfennig. Alle bisherigen etwa 200 Kletterhallen hätten einen solchen Boom ausgelöst.

Die Kletterzunft wächst

Dieses Jahr werden deutschlandweit „fünf oder sechs“ eröffnet – die Kletterzunft wächst, im Schnitt kamen in den vergangenen zwei Jahren fünf Prozent Mitglieder hinzu. Die befreundete Sektion Günzburg spendet ein Routenschild und eine Kuhglocke. Zum Abschluss spendet Posaunenchorleiter und Pfarrer Arnd Kretzer seinen Segen für das Haus, dann können die Besucher unter Sicherung der Trainer ihre Kletterfähigkeiten testen.

Der Bürgermeister eröffnet unter viel Applaus den Teil, der meine Unterarme nun ordentlich malträtieren soll. Drei Mal hat Mues vorher trainiert, die Route meistert er souverän. „Das ist ein tolles Gefühl, oben anzukommen, zu wissen, was man geschafft hat“, hatte schon Willi Brase in seiner Rede gesagt. Diese Erkenntnis trifft ich auch, als ich mich schließlich von der Einsteigerroute abseile. Das Besteck in meiner Hand zittert beim Essen danach.

Nicht das letzte Mal

Bis es auch nur halbwegs so aussieht wie bei den zum Showklettern gekommenen Christian Bindhammer ( neunmaliger deutscher Meister) und Daniel Jung, dauert es eben eine Weile.

Aber es wird nicht das letzte Mal für mich gewesen sein, das steht fest. Für viele andere wahrscheinlich auch nicht.

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