Neue Chancen in der Pflege

Weidenau..  Mit dem Pflegenstärkungsgesetz eröffnen sich Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen seit dem 1. Januar erweiterte Möglichkeiten. „Da hat sich Einiges zum Positiven verändert“, sagt Lutz Stähler, Leiter der Tagespflege Bethanien in Weidenau. Vor allem die Erhöhung der Leistungssätze und ein beweglicherer Einsatz der Mittel kämen Betroffenen zugute. „Die Patienten müssen weniger zuzahlen, sie sind flexibler“, sagt Stähler. Für pflegende Angehörige sei überdies wichtig, „dass sie mehr Entlastungsangebote in Anspruch nehmen können“.

Hilfe im Alltag

Das diakonische Werk Bethanien, zu dem auch die Weidenauer Einrichtung gehört, reagiert mit neuen Angeboten. Wer auf der Warteliste für die Tagespflege steht, kann künftig auch zuhause Betreuung in Anspruch nehmen – aufgrund veränderter Budgets. „Die ambulante Betreuung – gerade von Menschen mit demenziellen Erkrankungen – ist immer gefragter“, sagt Stähler.

Die Mitarbeiter seien angesprochen worden, ob sie sich auch Einsätze im häuslichen Umfeld der Patienten vorstellen können. Dabei sind grundsätzlich zwei Bereiche zu unterscheiden. Pflegeleistungen wie Hilfe beim Essen, Überwachung von Blutzuckerwerten oder Wundversorgung dürfen nur von Pflegefachkräften erbracht werden. Betreuung bedeutet demgegenüber die nicht-medizinische Unterstützung im Alltag, etwa bei Hausarbeiten. „Wir ersetzen aber keine Putzfrau“, betont Stähler. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehe der Patient, der im Idealfall stets – im Rahmen seiner Potenziale – in die Arbeit einbezogen werden solle. Stichwort: Fördern und fordern.

Auch und gerade bei der Freizeitgestaltung sind die Betreuer wichtig, um Patienten die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern – beispielsweise den Besuch im Kino oder im Café. „Wenn der Patient sich etwas wünscht, schauen wir, ob wir jemanden haben, der es macht.“ Aktuell sei das noch mit dem Stamm an festangestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu bewältigen. Langfristig sei abzuwarten, ob zusätzliches Personal erforderlich sein wird. Die Betreuung zuhause steht übrigens als zusätzliche Option auch Menschen offen, die bereits regelmäßig die Tagespflege nutzen.

Freiräume schaffen

Die Weidenauer Einrichtung, auch das ist neu, hat zudem ihre Öffnungszeiten erweitert. War die Tagespflege bisher am ersten und dritten Samstag jeden Monats offen, so ist nun auch der zweite Samstag inbegriffen. Von solchen Schritten profitieren natürlich auch die pflegenden Angehörigen, die Freiräume von ihrer fordernden Tätigkeit nutzen können.

Sorgen um den Pflegenachwuchs

Auch, wenn die Pflege eines geliebten Menschen nicht zu einem 24-Stunden-Job wird, seien die Belastungen doch hoch, weiß Stähler. Sind beispielsweise bei Paaren, die einen Pflegefall im Haus haben, beide Partner berufstätig – was zunehmend häufiger der Fall sei – müssten beide die Betreuung des Verwandten zusätzlich zu ihrem Berufsalltag koordinieren und eine Doppelbelastung schultern.

Bei allem Optimismus angesichts der neuen Möglichkeiten bereitet Lutz Stähler aber etwas Grundlegendes Sorge: „Gibt es in Zukunft überhaupt genügend Pflegekräfte?“ Die Pflegeberufe hätten wenig Lobby und ein Imageproblem, obwohl sie sehr erfüllend sein könnten. „Da muss die Politik noch Einiges tun.“