Netphener erlebt das
02.07.2010 | 19:13 Uhr 2010-07-02T19:13:00+0200
Netphen. Wer sich heute auf der anderen Seite der Welt das WM-Viertelfinale anschaut, muss sich warm anziehen – in Buenos Aires, wo der 21-jährige Netphener Simon Osladil seit zehn Monaten lebt, ist derzeit Winter.
In dem argentinischen Armenviertel „Villa Fiorito“ vor den Toren der Hauptstadt Buenos Aires absolviert er einen „Anderen Dienst im Ausland“ (ADiA) als Ersatz zum Zivildienst und lehrt viele Kinder, mit Computern umzugehen - er möchte etwas für Bedürftige tun, selbst dazu lernen und seinen Horizont erweitern (wir berichteten).
„Wegen des heutigen WM-Spiels musste ich mir in den vergangenen Tagen von den argentinischen Kindern und Mitarbeitern sehr viel anhören“, erzählt er in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir hauen euch raus“, sagen die einen, „3:0 gewinnen wir mindestens“. Andere fürchten, dass Argentinien auf einen schweren Gegner trifft: „Özil und Müller, die sind gefährlich.“
Der Abiturient aus Netphen spürt die Euphorie: Das Public Viewing wird von den drei Millionen Einwohnern der Innenstadt von Buenos Aires beansprucht – die übrigen elf Millionen Einwohner dieser Riesen-Metropole schauen zu Hause auf dem Sofa oder in Bars und Restaurants: „Die Argentinier setzen beim Fußballschauen mehr auf Familie als auf Riesenleinwände im anonymen Gelände der Großstadt.“ Aus der Nachbarschaft seiner jetzigen Wohnung stammt der Nationaltrainer: „Da bleibt Medienrummel nicht aus“.
Simon wird heute beiden Mannschaften die Daumen drücken. „Ich wünsche mir ein schönes, attraktives Spiel mit vielen Toren und ohne Elfmeterschießen“, sagt er. Das sehen die Argentinier wohl auch so. Simon merkt, wie sich die Südamerikaner an Deutschland revanchieren wollen – für das verlorene Viertelfinale 2006. „Darüber regen sich die Leute in Argentinien heute noch auf.“
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