Netphener CDU erneuert ihre Spitze

Neuer Vorstand — ohne Bürgermeisterkandidaten:
Neuer Vorstand — ohne Bürgermeisterkandidaten:
Foto: CDU Netphen

Netphen..  Ein neues Gesicht an der Spitze des CDU-Stadtverbands — aber noch kein Herausforderer für Bürgermeister Paul Wagener. „Es wird nicht mehr allzu lang dauern“, verspricht Benedikt Büdenbender, „das ist kein Thema, womit man sich Zeit lassen kann.“ Der 25-jährige Salchendorfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein und Kreisvorsitzender der Jungen Union, ist von der Mitgliederversammlung zum Nachfolger von Iris Cremer gewählt worden. Sie hatte sich nach zehnjähriger Amtszeit nicht wieder zur Wahl gestellt und konzentriert sich auf ihre Funktion als Chefin der Ratsfraktion.

Reihenweise Absagen

„Gut und sinnvoll“ nennt Büdenbender die in der CDU nun vollzogene Verjüngung: Dem neuen Vorsitzenden, mit 87,3 Prozent der Stimmen gewählt, steht neben Stefan Braun als weiterer Stellvertreter auch der Netphener Vorsitzende der Jungen Union, Manuel Riecher, zur Seite. Im Amt bleibt Schriftführer Hartmut Cremer, Beisitzer sind Harald Boch, Markus Böhmer, Werner Büdenbender, Stefan Eichinger, Torsten Kotzian, Jochen Niemand, Corie Sting, Alexandra Wunderlich und Sebastian Zimmermann. Zimmermann wurde übrigens 1999 noch als Schüler für eine Wahlperiode der jüngste Stadtverordnete, den Netphen je hatte — ein Rang, den ihm Benedikt Büdenbender als heutiger Rats-Junior längst noch nicht abläuft. „Viele Entscheidungen sind für junge Leute bedeutend“, begründet Büdenbender, warum er sich selbst zu politischem Engagement entschieden hat — und warum er sich noch mehr junge Gesichter im Rat wünscht, „auch in anderen Parteien“.

Dass den neu gewählten Vorstand die von den Vorgängern hinterlassene Aufgabe, spätestens bis zum Meldeschluss am 27. Juli einen Bürgermeisterkandidaten für die Wahl am 13. September zu finden, nicht gerade glücklich macht, lässt Benedikt Büdenbender zwar nicht durchblicken, liegt aber auf der Hand. Auf dem Ollern in Wickels Hus am Maart, wo die CDU-Mitglieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagten, soll durchaus Kritik an der bisher vergeblichen Suche laut geworden sein. Immer wieder war über Kandidaturen von Iris Cremer selbst oder auch noch einmal von Wolfgang Decker spekuliert worden. Der heutige Netphener Ortsbürgermeister war 2009 als Parteiloser angetreten. Er brachte womöglich den CDU-Kandidaten, den damaligen Kreissozialdezernenten Helmut Kneppe, um die entscheidenden „bürgerlichen“ Stimmen und damit Paul Wagener ins Amt. Decker ließ sich am Dienstag nicht wieder in den Vorstand wählen.

Namen nicht nur von Mitarbeitern aus Kommunalverwaltungen, die in den letzten Wochen durchsickerten, zeugen von einer breit gestreuten Suche; mehr als zehn Kandidaten aus Netphen und anderen Kommunen des Kreises hatte die CDU-Spitze ins Visier genommen – und sich von allen Absagen eingehandelt. Derzeit laufen nach Informationen dieser Zeitung Gespräche mit möglichen auswärtigen Bewerbern, die von der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU vermittelt wurden. Bleiben auch diese bis Monatsende erfolglos, soll die Kandidatur über die Medien öffentlich ausgeschrieben werden. Benedikt Büdenbender möchte sich zu diesen Details nicht äußern. Wohl aber zum gewünschten Ergebnis: „Es wird sicher einen Kandidaten der CDU geben.“

Kommentar: Unter Druck nach fünf Jahren Rathaus-Streit

Mehr als fünf Jahre dauert nun der Streit im Ratssaal, den Bürgermeister Paul Wagener und das mehr oder weniger erklärte Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP miteinander austragen. Derart intensiv, dass in der Haushaltsdebatte FDP-Sprecher Klaus Kopetzki sogar die „CDU-Jugend“ des Bürgermeisters zur Erklärung heranzog. Da liegt die Annahme nahe, dass der Herausforderer für den Tag der Abrechnung von langer Hand aufgebaut wird.

Fehlanzeige. Vermutung 1: Niemand will den Job in Netphen haben. Vermutung 2: Keiner, der den Job haben wollte, hat alle Flügel der CDU für sich gewonnen. Letzteres liegt nahe. Denn nur notdürftig verdeckt sind die Gräben in der nach wie vor stärksten Ratsfraktion, die nun schon zwei Bürgermeisterwahlen verloren hat: 2004 mit Klaus Gräbener gegen den eigenen Parteifreund Rüdiger Bartsch, 2009 mit Helmut Kneppe gegen Paul Wagener.

Parteien sind gezwungen, Wählern Alternativen vorzuschlagen — sonst hätten sie keine Daseinsberechtigung. Das dürfte schwer auf Benedikt Büdenbender lasten, der sich schlimmstenfalls wie seine Amtsvorgänger Bartsch und Gräbener selbst in die Pflicht nehmen müsste. Es sei denn, die Grünen nehmen ihm diese Arbeit noch ab.