Netphen macht sich auf den Weg
29.03.2011 | 07:00 Uhr 2011-03-29T07:00:00+0200
Netphen.Der Schulausschuss hat sich am Montag einstimmig dafür ausgesprochen, den Weg zur Eröffnung einer Gemeinschaftsschule einzuschlagen.
„Jetzt hat die Elternschaft die Möglichkeit, das Ding zu kippen“, stellte Alexandra Wunderlich (CDU) direkt zu Beginn der Diskussion fest. Denn dass sich im politischen Raum der Umbruch der Schullandschaft noch aufhalten ließe, glaubt in Netphen keine der Ratsfraktionen mehr.
Vorsitzender Peter Katz (UWG) konfrontierte den Ausschuss mit Zahlen: 66 Kinder, ein Drittel des vierten Grundschuljahrgangs, pendelt zu Schulen in Nachbargemeinden aus. Und: Würden die Grundschulgutachten noch verbindlich sein, hätte die Hauptschule zwar 24 Anmeldungen, also genug für eine Klasse, und die Realschule 74 statt 66. Aber für das Netphener Gymnasium blieben nur 44 Kinder mit uneingeschränkter Eignung – statt der aufgenommenen 60.
Grundschuleltern
gegen Ganztag
Schulrat Walter Sidenstein nahm den Netphenern die Illusion, die Hauptschule durch einen Verbund zum Beispiel mit der Stadt Siegen retten zu können. Noch sei offen, ob es überhaupt eine Ausnahmegenehmigung für den Start der fünften Klasse im kommenden Schuljahr gebe. „Eine gute Voraussetzung, eine solche Entscheidung treffen zu können“, so Sidenstein, wäre eine Netphener Absichtserklärung für die Gemeinschaftsschule. Sidenstein warnte die Netphener allerdings auch, dem Schulministerium ein Konzept für die Gemeinschaftsschule vorzulegen, das dort nicht akzeptiert wird: „Dann stehen Sie mit leeren Händen da.“
Der Hinweis hatte einen Grund: Beinahe im Zentrum der Debatte stand nämlich die Frage, ob die Netphener Gemeinschaftsschule auch ohne verpflichtenden Ganztagsbetrieb geführt werden kann. Für einen nur „offenen Ganztag“ hatten vor allem die Eltern der Netphener Grundschüler geworben, die am Montag 133 Unterschriften überreichten. „Wir wollen zu Hause zu Mittag essen“, stand auf einem Transparent. „Wir haben uns ja nicht für Familie entschieden, damit die Kinder um 17 oder 18 Uhr nach Hause kommen“, sagte Schulpflegschaftsvorsitzender Reinhard Winter.
„Ich wage nicht zu beurteilen, ob das repräsentativ ist“, sagte Helga Rock (Grüne). „Mit einer Festlegung auf den offenen Ganztag ist die Emigration zur Gesamtschule nicht zu stoppen“, behauptete Bürgermeister Paul Wagener.
Gesamtschule wäre das Aus fürs Gymnasium
Burkhard Koller, Dezernent für die Gesamtschulen bei der Bezirksregierung, wies darauf hin, dass die Nachmittage für regulären Unterricht gebraucht werden: „Auch am Gymnasium.“ Koller griff auch auf die Netphener Zahlen zurück: Ein Drittel der Netphener Grundschulabgänger seien an Gesamtschulen angemeldet worden. Deren Eltern, so der Leitende Regierungsschuldirektor, „haben sich mit dem Thema Ganztag durchaus arrangiert.“ Silvia Glomski (Grüne), selbst Konrektorin an der Realschule, warnte vor einem „schrägen Bild“ in der Diskussion: In der Sekundarstufe gehe es auch nachmittags um Bildung, „nicht um ein Verwahr- oder Betreuungsangebot“.
Bernhard Jüngst (CDU) fragte, warum Netphen sich nicht gleich für eine Gesamtschule entscheide. Die, so Burkhard Koller, brauche 112 statt 69 Kinder je Jahrgang und eine gymnasiale Oberstufe: „Dazu erlaube ich mir keine Meinung.“ Denn damit wäre das Schicksal des Netphener Gymnasiums besiegelt, merkte nicht nur Peter Katz (UWG): „Das werde ich nicht kampflos aufgeben.“
0mitdiskutieren