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Nach dem Tod noch Lebensretter

04.06.2010 | 17:15 Uhr
Nach dem Tod noch Lebensretter

Siegen. Menschen wie die 26-jährige Julia Recker gibt es viel zu wenig. Die Siegener BWL-Studentin hat sich vor sieben Jahren für einen Organspende-Ausweis entschieden.

„Nach dem Tod bin ich nicht mehr auf meine Organe angewiesen. Ich möchte sie gerne spenden und damit anderen ermöglichen, weiterzuleben“, sagt sie. Im vergangenen Jahr spendeten nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 4709 Menschen ein Organ. „Das sind viel zu wenig“, sagt Dr. Reiner Giebler, vom Siegener Jung-Stilling Krankenhaus. Die DSO geht von 12 000 Menschen aus, die derzeit in Deutschland eine Organspende benötigen. Allein 8 000 von ihnen warten auf eine neue Niere. „Diese Patienten müssen mit Wartezeiten von bis zu acht Jahren rechnen“, sagt Dr. Giebler. Die Kluft zwischen Spendern und Bedürftigen sei immens.

Julia Recker gehört zu den nur 17 Prozent der Deutschen, die den Organspendeausweis haben. Das ergab zumindest eine TNS-Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2008. „Ich finde es wichtig, schon in jungen Jahren darüber nachzudenken, dass man auch schon früh, versterben kann, beispielsweise durch einen Unfall“, sagt die 26-Jährige. Außerdem könne man auch jederzeit selbst in die Situation kommen, ein neues Organ zu benötigen.

„Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist Deutschland ganz schlecht aufgestellt, was Organspender und Ausweisträger angeht“, sagt Dr. Giebler. Nach DSO-Angaben kamen 2008 in Deutschland weniger als 14,6 Organspender auf eine Million Einwohner. In Spanien waren es 34,2 Spender pro Million. Gründe dafür sieht der Anästhesist in der Kommunikation „In Familien wird selten über das Thema gesprochen. Junge Leute fühlen sich oft nicht betroffen. Und wenn Angehörige dann in die Situation kommen, über Spenden zu entscheiden, wissen sie oft nicht, was der Verstorbene darüber gedacht hat.“

Manche hätten auch Angst, sich für eine Organspende zu entscheiden, weil sie zum Beispiel befürchten noch gar nicht richtig tot zu sein. Diese Angst sei jedoch unbegründet. „Bevor man zum Spender werden kann, muss nach strengen Auflagen der eindeutige Hirntod festgestellt werden“, erklärt Giebler. „Niemand muss Angst haben, dass nicht mehr alles für ihn getan wird, nur um ihn als Organspender zu generieren“, sagt Dr. Giebler Letztendlich führen Unwissenheit, Desinteresse und Ängste zu einem erschreckenden Fazit: Jeden Tag versterben in Deutschland drei Menschen, weil für sie kein passendes Organ zur Verfügung steht.

Carolina Meinert

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Kommentare
09.06.2010
21:45
Nach dem Tod noch Lebensretter
von Alfons Grau | #2

Mein Beitrag zur Aufklärung über Organtransplantation:

Ein 11-jähriges Mädchen wird nach einem Unfall für hirntod erklärt und soll explantiert werden. Die Eltern weigern sich und übergeben ihre Tochter Professor Jan Talar zur Behandlung. Dadurch überlebt sie und wird wieder gesund. Dieser Fall ist dokumentiert und im Internet zugänglich unter dem Titel: „Tot oder doch lebendig?“ http://de.gloria.tv/?media=58684 . . Der Fall Agnieszka ist kein Einzelfall, sondern die Spitze eines Eisberges. Der Spender eines unpaarigen lebenswichtigen Organes wird ausschließlich organprotektiv behandelt und in der Regel durch die Entnahme auf dem Operationstisch getötet. Bei auf seine Heilung gerichteter Behandlung kann er möglicherweise überleben und wieder gesund werden, wie es immer wieder vorkommt, wenn Angehörige die Explantation ablehnen. Während Organempfänger von Leid und Freud berichten können, ist es dem Organgeber nicht mehr möglich, und kein Mensch kann sein Leid ermessen. Nicht einmal ein Sterben in Würde und im Beisein seiner Lieben ist ihm vergönnt.

04.06.2010
18:39
Nach dem Tod noch Lebensretter
von kmh. | #1

Was auch noch erwähnt werden sollte:

Oft wird auch fälschlicher Weise angenommen, dass man sich irgendwo als Organspender registrieren muss und haben Angst, dass sie es sich irgendwann anders überlegen und das dann kompliziert würde.

Aber das stimmt nicht! Man muss nur den ausgefüllten Organspendeausweis bei sich tragen (bzw. an einem Ort aufbewahren, wo ihn Angehörige im Fall des Falles sicher finden). So kann man, wenn man sich umentscheidet, einfach den alten Ausweis vernichten und einen neuen ausfüllen. Denn auch dass man nicht spenden will, kann man auf dem Organspendeausweis ankreuzen.

Und auch die Angst, dass einem die Organe zu früh entnommen werden, halte ich persönlich für unbegründet. Das Leben des möglichen Organspenders zu retten hat erst einmal höchste Priorität. Und erst wenn das nicht mehr möglich ist, wird über eine Organentnahme entschieden.

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